Die spektakuläre Gulf Collection: Ikonen in Orange und Blau

In den 1960er Jahren beherrschten die orange-blauen Gulf-Rennwagen nicht nur die Rennstrecken, sondern auch die Gespräche auf dem Pausenhof. Jahrzehnte später hat einer der Schuljungen von einst seinen Traum verwirklicht - in einer spektakulären und weltweit einzigartigen Sammlung.

Es heißt, man sollte seine Helden nicht treffen – aber darf man sie kaufen? 

Die Geschichte beginnt mit einem Ford GT40 im Gulf-Look, der vor einigen Jahren beim Classic-Driver-Händler Duncan Hamilton & Co angeboten wurde. Der einstige Schuljunge, ein erfolgreicher deutscher Unternehmer, kam mit Geschäftsführer Adrian Hamilton ins Gespräch und erwarb den Rennwagen kurz darauf. Damit war die Sammel-Leidenschaft voll entbrannt: Zwei Jahre später hatte der GT40 bereits Gesellschaft von 25 ehemaligen Team-Kollegen verschiedenster Marken und Jahrgänge – die ROFGO Gulf Collection war geboren. Wir haben die Sammlung in einem versteckten Anwesen in Südengland besucht und unsere Favoriten herausgesucht.

Ford GT40 – Wie alles begann

Es heißt, man sollte seine Helden nicht treffen – aber darf man sie kaufen? Besonders in Erinnerung geblieben war dem Sammler das Modell eines Ford GT40, das einst in seinem Jugendzimmer einen besonderen Platz einnahm. Die Eins-zu-Eins-Version des Modellautos war deshalb der ideale Startpunkt für die eigene Sammlung. Nur vier Werks-Gulf-GT40 wurden jemals gebaut – der Wagen mit Chassis-Nummer 1084, den wir heute im Hof des Anwesens von Duncan Hamilton bewundern können, erreichte 1968 bei den 1.000 Kilometern von Spa den vierten Platz.  

Porsche 917 K – Die Le-Mans-Legende lebt

Viele Autos aus der ROFGO-Sammlung gingen einst in Le Mans an den Start – doch der Porsche 917 K ging 1971 bei den 24 Stunden von Le Mans in einen ganz besonderen Zweikampf: Richard Attwood und Herbert Müller lieferten sich ein Gefecht mit dem heute nicht weniger legendären 917 K des Rennteams Martini – leider konnten sie den Sieg für Teamchef John Wyers und das JWA Gulf Team nicht nach Hause tragen: Martini gewann mit zwei Runden Vorsprung.

McLaren F1 GTR – Ein Mann, ein Deal

Trotz seiner heute legendären Erfolge im Motorsport, war der McLaren F1 einst als Straßensportwagen konzipiert worden. Erst der englische Gentleman Racer Ry Bellm konnte McLaren von einer Rennversion überzeugen. Bellm war es auch, der anschließend die große Partnerschaft zwischen McLaren und Gulf (allein in der ROFGO Collection finden sich sieben rasante Exemplare) wieder aufleben ließ. Bellm gewann 1996 den Titel und ließ 1997 den berühmten McLaren F1 GTR „Longtail“ konstruierten, um die Stuttgarter Übermacht der Mercedes CLK-GTR und 911 GT1 in die Schranken zu weisen.

Aston Martin DBR9 – Der Schmutz des Erfolges

Auf den ersten Blick fällt der dreckige Aston Martin DBR9 neben seinen polierten Gulf-Geschwistern etwas aus der Reihe: Hätte man den Rennen für’s Foto-Shooting nicht wenigstens waschen können? Niemals, lacht Adrian Hamilton – der Staub und Schmutz stammt aus Le Mans, wo der Carbonfaser-Aston 2007 und 2008 in Folge die GT1-Klasse gewann. Schöner hätte man das große Erbe von Roy Salvadori, Carroll Shelby und ihrem Le-Mans-Sieg von 1959 am Steuer des Aston Martin DBR1 nicht wieder aufleben lassen können.

Und was kommt als nächstes?

Eine Sammlung wie die ROFGO Gulf Collection ist natürlich niemals vollständig. Eines der neuesten Stücke ist ein von drei gebauten Mercedes-Renntransportern im passenden Gulf-Livrée. Zudem soll der Ikonen-Rennstall bald ein neues, passend eingefärbtes Zuhause bekommen. Und wer weiss – vielleicht hatte der Schuljunge von einst ja auch den ein- oder anderen Martini-Porsche im Regal stehen? 

Photos: Jan Baedeker