Die Pebble Beach Tour d’Elegance ist eine knallbunte Traumparade

Beim Start zur jährlichen Pebble Beach Tour d’Elegance gestern um Punkt sieben hatte sich der typische Monterey-Nebel verzogen. So erhielten Frühaufsteher unter den Zuschauern die Chance für eine ungehinderte Sicht auf die an der Pazifik-Küste vorbeifahrenden Stars des sonntäglichen Haupt-Events...

Nie zuvor haben so viele Menschen an der traditionellen Pebble Beach Tour d’Elegance teilgenommen wie in diesem Jahr. Sie dient als Laufsteg für jene multi-millionen Dollar schweren Klassiker, die am Sonntag beim Pebble Beach Concours d’Elegance die Fairways des dortigen Golfplatzes schmücken werden.

Die 70 Meilen langen Tour führt über die atemberaubendsten Straßen Kaliforniens – allen voran den legendären 17-Mile-Drive über Big Sur und den Highway Number 1 nach Carmel-by-the-Sea. Für die an der (nebelfreien) Strecke stehenden Zuschauer ein Fest der Sinne, für die Teilnehmer die erste Möglichkeit, ein Auge auf die Konkurrenz zu werfen. 

Und die Besitzer werden in der Tat ermutigt, an der Parade teilzunehmen. Denn sollten zwei Autos am Sonntag auf die identische Punktzahl kommen, wird die ehrwürdige Jury gewöhnlich das Auto zum Sieger küren, welches auch die Tour komplett absolviert hat. Recht so – denn niemand liebt eine Anhänger-Königin. 

Es gibt kaum etwas Vergleichbares als die große Abfahrt von der Portola Road. Mit „organisiertes Chaos“ wäre die Situation wohl am besten beschrieben. Bis zum allerletzten Moment sind die teilnehmenden Autos von Menschentrauben umhüllt – wie in einer Formel 1-Startaufstellung.

Ala Folge erhascht man nur einen flüchtigen Blick auf die geduldig wartenden automobilen Schätze. Ah, schau mal, da sind die schönen Hüften des alten Lamborghini Miura aus dem Besitz des Schah von Persien. Oder die unfassbar lange Haube des 16-Zylinder-Maserati Tipo V4 mit Zagato-Karosserie – die 1930 und nur einmal gebaute Straßenversion des ebenfalls nur als Einzelstück gebauten Rennwagens. Oder die Hufeisen-Grills von gleich drei authentischen Bugatti Type 59.

Als die Grid Girls die Schilder „Start your engines“ hoben, ließ eine kakofonische Explosion aus Lärm und Gestank die warme kalifornische Luft vibrieren. Es ist eines der größten Spektakel im jährlichen Classic Car-Kalender, und das, obwohl die Tour überhaupt noch nicht begonnen hat. Eine echte Reizüberflutung. 

Auch wenn die Streckenführung unverändert blieb, wirkt dieser unfassbar schöne Abschnitt der kalifornischen Küste nie langweilig. Zwischen den idyllischen Buchten, mondähnlichen Felswänden sowie lieblichen Pinien- und Zypressenwäldern ist das die wohl schönste Bühne für eine sich bewegende Motor Show, die man sich ausmalen kann. 

Also, was können wir nun von der 2019er-Klasse erwarten? Zu den diesjährigen Sonderklassen zählen „Bugatti Grand Prix & Touring“, „Zagato Centennial“ und „Historic Hot Rod Cover Cars”. Allein schon dank ihrer Größe erregten der einmalige Lamborghini Miura SVR und der Ex-Maranello Concessionaires Ferrari 412P unsere Aufmerksamkeit (wir sind sicher, dass wir nicht die einzigen waren). 

Die Fünfziger- und Sechziger-Jahre wurden vielleicht am besten vertreten durch den silbernen Ferrari 250 GT „Tour de France“ und den Aston Martin DB4GT Zagato. Der von Classic Car-Händler Girardo & Co. genannte Maserati 200Si wirkte ebenso in Bestform wie der Porsche 356 Carrera GTL Abarth, der nach einem tragischen Feuer, das eine Restaurierung erzwang, hier sein Debüt feierte.

Unvermeidlich, dass sich aus Anlass des 100. Geburtstags von Bentley auch eine üppige und zugleich exquisite Zahl von Autos der illustren britischen Marke einfand. Das Aufgebot reichte von Werks-Birkin Blowers (darunter der legendäre „Old Number 2“) bis zu opulenten R-Type Continental. Classic Driver-Händler Fiskens und Tom Hartley Jnr unterstützten das 60 (!) Autos starke Rudel mit einem Paar wunderschöner 4½ Litre.  

Schon mit Blick auf den Sonntag fragen wir uns, ob sich die Jury wie gewöhnlich von ihrer Vorliebe für Vorkriegsmodelle leiten lassen wird, oder einer der fantastischen Nachkriegs-Klassiker mit der Tradition bricht und sich von den Juroren zum „Best of Show“ küren lassen wird. Wäre es nicht großartig, wenn ein Bentley zum 100. die höchste Auszeichnung erhalten würde? Wie immer auch das Ergebnis auf dem „Fairway to Heaven“ sein wird – Sie können sicher sein, dass Sie es am Montag hier bei Classic Driver erfahren werden.

Fotos: Rémi Dargegen für Classic Driver © 2019 

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