Die aufregendsten Momente der Passione Caracciola 2017

Zu Ehren des Bergmeisters, dreimaligen EM-Siegers und Spitzenpiloten der Mercedes-Silberpfeile gibt es seit drei Jahren die nach Rudolf Caracciola benannte Klassiker-Rallye. Mit IWC und Classic Driver-Händler Mechatronik gingen wir an die Startlinie....

Bei der Ankunft in Mailand inmitten einer Hitzewelle überwogen zunächst sorgenvolle Gedanken. Ein illustres Feld von Klassikern stand vor einer epischen Dreitages-Tour mit den Zwischenzielen Monza, St. Moritz, Davos, Arosa und dem Zielort Lugano. Und die hohen Temperaturen würden mir und allen anderen Teilnehmern und Autos sicher einiges abverlangen. Erster Anlaufpunkt noch vor dem Start war die IWC Boutique in Mailand, wo der CEO des Uhrenbauers, Christoph Grainger, in Begleitung der Rennamazone Carmen Jorda stilgerecht im 300 SL Flügeltürer von Classic Driver-Händler Mechatronik vorfuhr. 

Magisches Monza

Mit Abstand das eindrucksvollste Ereignis des ersten Tages der Passione Caracciola war das Autodromo Nazionale di Monza. Schon bei der Ankunft wurden wir vom bellenden Sound eines um die Strecke düsenden Mercedes SLS begrüßt, gesteuert von Frank Rickert, dem Gründer und Chef von Mechatronik mit Sitz in Pleidelsheim bei Stuttgart. Eine Zeitprüfung über die alte Steilstrecke spendete willkommenen Schatten, gefolgt nach dem Lunch von einer ohrenbetäubenden Mitfahrt in einem klassischen DTM-Auto. Der Ex-AMG-Ingenieur Rickert gründete sein seit 1997 mit Oldtimern beschäftigtes Unternehmen mit dem Ziel, moderne Technologie mit alten Autos zu vermählen. Soll heißen: die Originalität bewahren, doch wichtige Dinge verbessern. Man nehme als Beispiel die Pagode, in der wir die Rallye bestritten. Unter der unverändert betörenden Karosserie des SL verbargen sich ein neues Fünfganggetriebe und ein Motor mit Kompressor. 

Wunderschöne Kulissen 

Mit noch immer rasselndem Trommelfell ging es zur ersten Übernachtung in St. Moritz. Nach dem Frühstück am nächsten Morgen ließ bereits wieder die Sonne grüßen, als sich die Autos im Minutenabstand auf den Weg machten. Neben der großen Mercedes Abordnung – darunter ein ursprünglich für Tiffany & Co. gebauter 300SL für Rickerts Gattin – waren zahlreiche weitere Marken erschienen. Neben Modellen von Jaguar, Citroën und Ferrari sogar ein Dodge mit einer auf der Motorhaube befestigten Gummiente. Nach einer Etappe durch wunderschöne Landschaften – und dem 2.383 Meter hohen Flüela-Pass als Highlight – trafen wir am zweiten Night-Stop in Arosa ein. Nur begleitet vom Ticken der abkühlenden Motoren und von aus der Ferne herüberklingenden Kuhglocken.

Die Hitze forderte ihren Tribut

Auch am nächsten Morgen grüßte erneut ein wolkenloser Himmel. Unter ihm ging es weiter zum Ziel in Lugano, dem langjährigen und letzten Wohnsitz Caracciolas. Diesmal über den „nur“ 1.915 Meter hohen Lukmanierpass, dessen atemberaubende Ausblicke und engen Kehren dennoch für genügend Adrenalinausstoß sorgten. Die eingestreuten Zeitprüfungen erinnerten daran, dass die Passione Caracciola mitnichten eine reine Kaffeefahrt ist. Doch nun forderte auch die Hitze in Form einiger finaler Ausfälle ihren Tribut. Immer ganz Ingenieur, tat Rickert was er nur konnte, um zu helfen. Doch gegen die defekte Benzinpumpe eines Maserati GT konnte er ebenso wenig ausrichten wie gegen die Elektrikprobleme eines Jaguar E-type. Zwei Damen in einer Pagode mussten sogar noch kurz vor Lugano mit streikendem Antrieb aufgeben....

Ankunft mit Stil

Zur Zielankunft im Zentrum der Tessiner Stadt wurden wir von einer Polizeieskorte begleitet. Der nahe See schien uns mit seinem kühlen Wasser geradezu anzulocken. Allerdings war keine Zeit für einen kurzen Sprung ins Nass, denn zu Ehren von „Caratsch“ mussten wir noch einen Anstieg zum hoch oberhalb des Sees gelegenen Kurhaus Cademario Hotel & Spa in Angriff nehmen. Während die Sonne unterging und die Bar öffnete, gab es Zeit, die letzten Tage noch einmal Revue passieren zu lassen. Zugleich euphorisch wie müde, genoss die Support-Crew von Mechatronik die Zeit zum Abendessen, mussten ihre Autos doch schon am nächsten Morgen zurück nach Stuttgart gefahren werden. Rickert stellte derweil sicher, das alles – und jeder – zufrieden war. Zum Abschied dann seine letzte Frage: „Und wann kommen Sie uns mal in Deutschland besuchen?“ Bald, Frank, sehr bald....

Fotos and text: Alex Lawrence (The Whitewall) for Classic Driver © 2017

Vom 21. bis 25. Juni führte die Passione Caracciola auf den Spuren des legendären Vorkriegs-Rennfahrers durch Italien und die Schweiz. Classic Driver berichtete live vom Event, freundlich unterstützt von IWC.