Der neue Range Rover: Der Wüstenprinz kehrt zurück

Über den Dünen Essaouiras, durch die Souks von Marrakesch, bis in die felsigen Höhen des Atlas-Gebirges – unsere erste Fahrt mit dem neuen Range Rover war ein echtes Abenteuer im Stil des British Empire. Ein Reisebericht.

„Wir hatten hier in Marokko noch eine Rechnung offen“, scherzt Roger Crathorne, der schon seit 1963 bei Land Rover arbeitet. Ende der 1960er Jahre war er als Ingenieur an der Offroad-Entwicklung des ersten Range Rover beteiligt. Das neue Modell sollte 1969 hier in Nordafrika vorgestellt werden. Der Rahmen war ideal: Mit Wüsten, Steppen und steinigen Gebirgen war Marokko der perfekte Abenteuerspielplatz, um den neuen Offroad-Allrounder zu demonstrieren. Das Marrakesch-Jetset um Mick Jagger, Andy Warhol und Yves Saint Laurent sorgte derweil für den passenden Glamour. Doch die Prototypen ließen sich nicht schnell genug verschiffen – und die Journalisten wurden kurzerhand nach Schottland umgebucht. Nach vier Jahrzehnten ist Land Rover nun doch noch in Marokko angekommen. Mit der mittlerweile vierten Generation des Range Rover. Und einer Tour, die alle bisherigen Jungfernfahrten in den Schatten stellen soll.

Das erste Utility Vehicle, das uns in der marokkanischen Abendsonne entgegen kommt, ist jedoch kein neuer Range Rover, sondern ein alter Eselkarren mit einer toten Kuh, die quer über die Ladefläche ragt. So hat die Geschichte des Transports vor tausenden von Jahren begonnen, hier an der maghrebinischen Atlantikküste sind die Anfänge noch immer im Straßenbild präsent. Irgendwann legten sich die Kutscher dann ein Kissen auf die Sitzbank, spannten ein stärkeres Maultier ein – und die Fortschrittsspirale war nicht mehr aufzuhalten. Am Ende dieser Evolutionsgeschichte steht der brandneue Range Rover. Gut eine Milliarde Euro hat seine Entwicklung gekostet, dafür ist er mehr als 400 Kilo leichter und deutlich sparsamer geworden. Er ist noch stabiler, komfortabler, sicherer als alle seine Vorgänger. Und er ist besser im Gelände, fast nichts soll ihn mehr aufhalten können.

 

Der neue Range Rover: Der Wüstenprinz kehrt zurück
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Entsprechend starten wir am nächsten Tag in unsere erste Etappe. Am Sandstrand von Essaouira brechen sich meterhoch die Wellen, die salzige Gischt schwebt wie Nebel über der Küste, dahinter erstreckt sich eine monumentale Dünenlandschaft bis weit ins Hinterland. Anfangs ist man skeptisch, den frisch aufpolierten Boulevard-Cruiser hier in die Wüste zu schicken. Doch das Land-Rover-Experience-Team ist bester Laune, lässt Luft aus den Reifen und empfiehlt die beste Einstellung für das neue Terrain-Response-Systems. Dann go! Und schon driften wir über die ersten Sandhügel, im Rückspiegel die gelben Fontänen. Es ist wie Skifahren, mit Schwung und Gegenschwung – und der noch immer gut zwei Tonnen schwere Range Rover scheint fast über den Sand zu schweben, so leicht und präzise ist die Steuerung. Auch die steilsten Steigen und Abhänge sind nach anfänglicher Vorsicht kein Problem – wenn man nur gleichmässig beschleunigt, nicht lenkt und beim Bergabfahren den elektronischen Helfern die Kontrolle überlässt. Es ist fantastisch, was der Range Rover hier kann. Gegen dieses famose Wüstenschiff hätte T.E. Lawrence nicht nur seine geliebte Brough Superior, sondern freudig auch gleich ein Dutzend Kamele eingetauscht.

 

 

Der neue Range Rover: Der Wüstenprinz kehrt zurück
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Aber Marokko hat mehr zu bieten als Sand und Dünen. Die Route nach Marrakesch im Landesinneren scheint eigens für den Range Rover gebaut worden zu sein, so gut kann er hier seine neuen Fähigkeiten präsentieren. Auf Kiespisten folgen staubige Landstraßen, man fährt auf Asphalt, Schotter, Sand und Erde – und wenn man das Terrain-Response-System auf Automatik gestellt hat, passt sich das Fahrwerk in Sekundenbruchteilen den neuen Traktionsverhältnissen an. Auf klimatisierten Ledersesseln gleitet man durch karge Hügellandschaften, überholt Ziegenhirten, überladene Mercedes-Taxen aus den Siebzigerjahren oder die Dorfjugend auf ihren frisierten Mofas, und lässt sich bei geöffnetem Panoramadach die trockene Wüstenluft um die Nase wehen. Und der Vortrieb ist gewaltig – gerade wenn man sich für den großen, 510 PS starken Fünfliter-V8-Benziner entscheidet, der den Range Rover in 5,4 Sekunden auf Tempo 100 schiebt. Ein beeindruckender Motor – wobei wir selbst eher den sparsameren Diesel-V8 mit 700 Nm Drehmoment wählen würden, dessen Kraft uns gerade im Gelände und auf kurvigen Strecken leichter dosierbar zu sein schien. Geschmackssache.

 

 

Der neue Range Rover: Der Wüstenprinz kehrt zurück
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Bevor wir in Marrakesch unseren verdienten Minztee serviert bekommen, haben die Streckenplaner jedoch noch eine kleine „Umleitung“ eingeplant. Mit breitem Grinsen werden wir über einen steilen Abhang in ein Bachbett abseits der Straße geleitet, das mit seinen riesigen, scharfkantigen Felsen und tiefen Furchen als Setting für einen geologischen Horrorfilm taugen würde. Erster Gedanke: Keine Chance, Rückwärtsgang. Aber der Stolz treibt uns nach vorn – und tatsächlich: Hat man das Fahrwerk erstmal auf seine maximale Höhe gepumpt und die Position der Räder verinnerlicht, lässt es sich im neuen Range Rover sogar recht komfortabel durch eine Geröllhalde kraxeln. Zur Beweisführung: Der Böschungswinkel vorn liegt bei 34,7 Grad, der Rampenwinkel bei 28,3 Grad – und dank einer Wattiefe von 90 Zentimetern kann man sogar reißende Flüsse überwinden, ohne die rahmengenähten Wildlederslipper nasszumachen.

 

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Viel Zeit, durch die Souks von Marrakesch zu schlendern, bleibt nicht: Am nächsten Morgen klingelt um sechs Uhr der Wecker, zum krönenden Abschluss der Tour stehen die Höhen des Atlas-Gebirges auf dem Programm. Über Tannahaout und Asni winden sich die Straßen immer weiter hinauf in die Berge, statt Kamelen muss man nun den Ziegen ausweichen. Die Luft ist kühl und klar, die Gipfel des Atlas sind weiß verschneit. Wir verlassen die befestigen Straßen und folgen einem ehemaligen Hirtenpfad, der sich durch die rote Erde zieht. Zu beiden Seiten tun sich bald gähnende Abgründe auf, Felsbrocken und Dornenbüsche versperren den Weg, Staubwolken wehen durch die Kabine. Doch auch hier, jenseits aller Grenzen der Zivilisation, ist der Range Rover agil, wendig und leicht zu kontrollieren. Bis 4.500 Höhenmeter haben die Entwickler die Technik getestet – wir begnügen uns, in dem kleinen Wintersportort Oukaïmeden bei 3.200 Metern Höhe einen letzten süssen Minztee zu schlürfen und uns für restlos überzeugt zu erklären.

 

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Im Range Rover lebt die große englische Tradition der Abenteurer und Entdecker fort. Er trägt die Kultiviertheit des britischen Empire in die entlegensten Winkel der Erde. So kann der distinguierte Traveller aus mehr als 18.000 Ausstattungskombinationen wählen, um anschließend die Wüste Gobi oder die Anden zu durchqueren. Das luxuriöse Ausstattungspaket mit Massagesitzen und Kühlfach garantiert zudem, dass man selbst nach einer Saharatraverse entspannt und knitterfrei entsteigt. Schade nur, dass lediglich die wenigsten Kunden von den außerordentlichen Abenteurerqualitäten Gebrauch machen werden. Vielleicht sollte man dem neuen Range Rover serienmäßig die gesammelten Werke von Livingstone, Hillary und Scott als Audio Book auf die Festplatte brennen und hoffen, dass der Entdeckergeist zumindest langfristig seine Wirkung entfaltet.

 

Fotos: Nick Dimbleby

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