Das 74th Goodwood Members' Meeting war ein Fest der Rennlegenden

Mögen die Temperaturen auch kühl gewesen sein, die Rennen beim 74. Members' Meeting in Goodwood waren das genaue Gegenteil. Mit großen Motorsportlegenden, vielen Events und einer guten Portion Rennstrecken-Kameradschaft hielt Lord March wieder einmal alle Zutaten für das perfekte Weekend bereit.

Die Members' Meetings, die seit einigen Jahren in Anlehnung an die herzliche Atmosphäre der ursprünglichen BARC-Treffen auf eben diesem fast originalgetreuen Kurs in den fünfziger und sechziger Jahren abgehalten werden, begeistern mit gutem Grund alle Enthusiasten. Es gibt einen packenden Mix aus fesselnden historischen Rennen und viele Veranstaltungen abseits der Rennstrecke, wie eine spektakuläre Party am Abend und ein neues, sogenanntes House Points-System für Fahrer und Zuschauer: Die ideale Art, den Start der historischen Rennsaison à la Goodwood einzuläuten.

Es ist 1971!

Für viele Zuschauer war es das Spektakel des Wochenendes, als sich zum Start einer Hochgeschwindigkeits-Vorführung der Gruppe 5-Prototypen acht Porsche 917K mit einem Quartett von Ferrari 512 und einer Handvoll Lola T70 versammelten. Derek Bell wollte eigentlich seinen einstigen Ferrari 512M pilotieren, dieser hatte aber mechanische Probleme. Letztlich konnte der berühmte britische Rennfahrer Porsche überzeugen, ihm das Steuer des frisch restaurierten Gulf-Wyer 917 zu übergeben. Im orange-blauen Vintage-Livrée, das seinen Filmruhm durch Steve McQueen in Le Mans errang, kreischte er zusammen mit Richard Atwood – ebenfalls in einem Gulf-917 – temperamentvoll um die Strecke. 

Nostalgie packt zu

Es war ein grandioses Fest aus Farben und gewaltigem Krach, wobei der Koloraturschrei der roten Ferrari-V12 wunderbar mit dem Heulen der flach angeordneten Porsche-V12 kontrastierte, untermalt vom Donnern der amerikanischen V8 der Lolas. Weitere High Speed-Vorführungen präsentierten die sogenannten Ground Effekt-Formel Eins-Rennwagen der späten siebziger und frühen achtziger Jahre sowie eine Truppe Viertürer aus der sagenhaften Super Touring-Ära. Bei Ersteren konnte man den dreimaligen Indy 500-Champion und bekennenden Fan des historischen Motorsports Dario Franchitti dabei beobachten, wie er den innovativen Doppel-Chassis Lotus 88 in den Griff bekam.

Zermürbungskrieg

Die Alan Mann Trophy für vor 1966 gebaute Ford GT40 am Samstagabend war von Anfang an nichts für schwache Nerven. Der einstündige Event mit jeweils zwei Fahrern brachte 28 dieser wahrhaft monströsen Rennwagen an den Start und lieferte einen Zermürbungskrieg, der bis in die Dunkelheit hinein währte. Viele schieden vorzeitig aus, nicht nur wegen der Länge des Rennens, sondern auf Grund der vielen Passagen des Kurses, die heftiges Bremsen verlangten. Die in Orange glühenden Bremsscheiben boten den Zuschauern ein grandioses Bild. Nachdem sich die Führenden rund fünf Mal abgewechselt hatten, gelang es schließlich Steve Soper und David Cuff den hart erkämpften Sieg nach Hause zu fahren.

Motorsport wie Anno dazumal

Bei der 74. Auflage des Members' Meeting wurde zum ersten Mal die S.F. Edge Trophy ausgefahren, bei der 100-jährige Rennmaschinen angriffslustig gegeneinander antraten. Obwohl ihre aktive Zeit lange vor der Glanzzeit von Goodwood als offizieller Rennstrecke lag, waren diese Recken aus dem frühen 20. Jahrhundert viel rüstiger und spannender, als ihr würdevolles Alter nahelegen würde. Zu erleben, wie Mark Walker seinen Darracq von 1905 sprinten ließ oder wie der winzige GN Curtis von Duncan Pittaway dem gewaltigen Sunbeam „Indianapolis” von Julian Majzub jeden Zentimeter Asphalt abtrotzte, waren einfach spektakulär.

Nervenkitzel pur

Wie immer erwartete die Zuschauer eine Fülle von Rennen, in denen die legendären Epochen des Motorsports wieder lebendig wurden. Dieses Jahren waren erstmals auch zwei Grand Prix-Motorräder aus den siebziger und frühen achtziger Jahren in Goodwood dabei. Die beiden Classic Driver-Händler James Cottingham von DK Engineering und Gregor Fisken starteten in der Graham Hill Trophy, dabei passierte Cottingham zwar in seinem Shelby Daytona Coupé die Zielflagge, nach einem Missgeschick aber eben leider hinter dem Safety Car. Nervenkitzel und Ausfälle en masse gab es auch bei der populären Gerry Marshall Trophy mit ihrem Aufgebot an schillernden Gruppe 1-Tourenwagen der siebziger Jahre. Obwohl der von JD Classics vorbereitete Rover SD1 das erste Rennen am Samstag dominierte, boten die vielen Stars beim zweiten Durchgang am Sonntag viel, viel Action. Besonders beeindruckend war das siegreiche Vater-Sohn-Gespann von Grahame und Oliver Bryant auf ihrem donnernden Chevrolet Camaro Z28 in den Stallfarben von Simoniz. 

Eine zeitige Partnerschaft

IWC aus Schaffhausen fungierte nicht nur als offizieller Zeitnehmer, sondern unterstützte freundlicherweise auch unsere Berichterstattung vom 74. Members' Meeting. Die Präsenz des Uhrenherstellers hinterließ einen starken Eindruck: Am Samstag hatte IWC organisiert, dass die beiden großen Rennfahrer Mika Häkkinen und Jochen Mass einige Runden mit den Mercedes-Silberpfeilen W196 und W196 Stromlinie drehten und stellte zwei rennbereite Mercedes AMG GT für die Strecke zur Verfügung. Ein GT war als Kamerafahrzeug für einen künftigen Werbefilm, der an diesem Wochenende gedreht wurde, unterwegs. Außerdem wurden in Goodwood drei neue, vom Motorsport inspirierte Uhren enthüllt.

„Nur in Goodwood”

Und wie immer war die entspannte Atmosphäre beim Members' Meeting zusammen mit guten Zugängen und wenig Gedränge so, wie man es von früheren Veranstaltungen schätzen gelernt hat. Trotz einiger erschreckender Unfälle, war die Leistung auf der Rennstrecke durchweg erstklassig. Auch dieses Jahr gab es in diesem malerischen Winkel von West Sussex diese unvergesslichen Momente, wie sie sich „only in Goodwood” ereignen können. Zum Beispiel: Sein Abendessen am Nebentisch von Porsches erstem Le Mans-Sieger Richard Attwood einzunehmen, zu erleben, wie ein Ford GT40 seine lustig helle Hupe aktiviert, um in einer von GT40 überquellenden Pit Lane durchzukommen oder einen Ferrari 512 S im Paddock zu entdecken, dem eine ebenfalls rote Espressomaschine Gesellschaft leistete. Für den Fall, dass Sie nach diesem Meeting-Weekend noch auftauen müssen, sollte Ihnen mit Rémi Dargegens Fotos wieder warm ums Herz werden. Und wir warten auf die nächste Ausgabe in Goodwood.

Fotos: Rémi Dargegen for Classic Driver © 2016

Unsere ausführliche Berichterstattung vom 74. Goodwood Members' Meeting wurde freundlicherweise von dem offiziellen Zeitnehmer IWC Schaffhausen ermöglicht.