Dänische Delikatessen - Die unglaubliche Frederiksen Collection

Bonhams hat die Versteigerung einer umfangreichen Klassiker-Sammlung bekanntgegeben, die über mehrere Jahrzehnte von dem dänischen Geschäftsmann Henrik Frederiksen zusammengetragen wurde. Classic Driver folgte der Einladung, die aus 48 Automobilen bestehende Flotte genauer in Augenschein zu nehmen.
Als Selfmade Man war Henrik Frederiksen in der Lage, seine Sammlung mehrere Jahrzehnte lang aufzubauen – ein Resultat diverser erfolgreicher Geschäftsentscheidungen: „Als junger Mann ging ich auf die Bank und lieh mir rund 15.000 Euro. Mit diesem Kapital kaufte ich Unternehmensaktien im Wert von 400 Euro pro Stück und verkaufte sie später für rund fünf Millionen Euro pro Wertpapier“, sagt er schmunzelnd. Darüber hinaus war er in der Pharma- und Autoindustrie sowie im Transportgewerbe erfolgreich, was ihm wiederum ermöglichte, seine atemberaubende und vielfältige Sammlung anzulegen, sowie sich einen idyllischen Landsitz aus dem 16. Jahrhundert zuzulegen, der ursprünglich für die dänische Königsfamilie erbaut worden war. An diesem schönen Fleckchen Erde wird Bonhams im September die Versteigerung durchführen, die erste Auktion des Hauses auf dänischem Boden.

Klassiker für 40 Millionen Dollar

Die Sammlung besteht in erster Linie aus Vorkriegs-Modellen sowie die ein oder andere Nachkriegspreziose wie etwa zwei Citroën aus den 1970er Jahren, einem einzigartigen Rolls-Royce Phantom VI mit Frua-Karosserie und einem seltenen Bentley S1 Drophead, den wir in den nächsten Wochen gesondert vorstellen werden. Die Autos sind entsprechend ihrer Herkunftsländer (USA, Deutschland und andere europäische Länder) auf verschiedene Scheunen verteilt. Der Wert der Sammlung wird auf 40 Millionen Dollar geschätzt.

Preisgekrönte Automobile

„Die Mehrzahl der Automobile erwarb ich über persönliche Kontakte“, erinnert sich Frederiksen. „Und natürlich bin ich auch auf allen möglichen Auktionen zu finden. Manche Klassiker stammen aus anderen Sammlungen. So kaufte ich drei Autos von Mr. Key, und alle drei waren in Pebble Beach 'Best in Show'-Sieger“, fährt er fort. Zu den weiteren Highlights gehören ein 1939er Lagonda LG6 Rapide Drophead, ein Paar Maybach mit Spohn-Karosserie und ein Mercedes 500K Roadster. Und wie könnte es anders sein: Der dänische Klassiker-Connaisseur nennt nicht weniger als fünf Versionen des Rolls-Royce 40/50 Silver Ghost, sieben Phantom und zwei Cadillac mit V16-Motor sein Eigen. Ach so, und da ist dann noch ein Feuerwehrauto. 

Automobile Kunstwerke

Die Frage wieso Frederiksen eine Schwäche für Vorkriegswagen hat, liegt nahe: „Die Autos aus dieser Ära sind Kunstwerke“, erklärt der Däne. „Sobald Autohersteller begannen, ihre Modelle im Windkanal zu entwerfen, sahen sie alle gleich aus. In den 1930ern konnten die Hersteller noch selbst entscheiden, wie ihre Autos aussehen sollten.“ Bei näherem Hinsehen scheint die Klassikersammlung seine Aussage zu unterstreichen: Viele Vorkriegsmodelle zeichnen sich durch hübschen, aber im Grunde überflüssigen Zierrat aus. Auch die Art Déco hat sichtliche Spuren beim zeitgenössischen Karosseriedesign hinterlassen, vor allem im Fall des Silver Ghost und des V16 Cadillac.

Benzingespräche

Obwohl die Mehrheit der vierrädrigen Preziosen aus der Zeit zwischen den Weltkriegen stammt, ist die Sammlung sehr vielfältig – ein roter Faden ist nicht erkennbar. Laut Frederiksen ist das auf den Einfluss anderer Sammler zurückzuführen: „Klassiker zu sammeln hat sowohl etwas mit dem sozialen Aspekt, als auch mit der Autoleidenschaft zu tun. Wer unter Gleichgesinnten ist, der lässt sich von anderen eben gerne anregen.“

Das Ende einer Ära...

Frederiksen teilt uns mit, er habe noch nie in seinem Leben ein Auto verkauft, abgesehen von seinen Alltagswagen. Der Grund für den Verkauf seiner geliebten Sammlung ist der kürzliche Tod seiner Frau Vivi, mit der er die Sammlung gemeinsam aufgebaut und bei zahlreichen Ausfahrten genossen hat: „Ich habe als Besitzer mit den Automobilen vieles mitgemacht, aber ich bin nicht mit ihnen verheiratet. Jetzt möchte ich dieses Kapitel abschließen und hoffentlich ein neues beginnen. Traurig bin ich im übrigen nicht, denn jeder Käufer dieser Schönheiten wird zufrieden sein – die Wagen sind alle völlig problemlos und in einem Topzustand.“

...da helfen auch keine Pillen

Wir haben auch die Gelegenheit einige Worte mit Frederiksens langjährigem  Mechaniker zu wechseln, der neben diversen Tätowierungen eine klassische Rolex und einen trockenen Humor besitzt. „Ob mir die Autos fehlen werden? Sicher nicht! Wenn sie den Besitzer gewechselt haben, dann kann ich endlich in den Ruhestand gehen.“ Der Kfz-Schlosser hat Frederiksens Schätzchen jahre- oder in manchen Fällen sogar jahrzehntelang hingebungsvoll gepflegt - vielleicht hat das seine Spuren hinterlassen. Auch seinem Chef würde ein Tapetenwechsel offensichtlich gut tun: „Autos zu sammeln ist eine Leidenschaft, die manchmal Leiden schafft. Pillen helfen da nicht, sagt jedenfalls mein Arzt. Für mich war es immer eine Herzensangelegenheit. Um Profit ging es mir nicht, auch wenn ich an meinen Klassikern etwas verdienen sollte.“

Reisefieber

Wenn Frederiksens Sammlung schließlich unter den Hammer gekommen ist und der Däne sich von seiner Sammelleidenschaft erholt hat, was steht dann auf dem Programm? Eine neue Flotte? „Nein“, schüttelt er den Kopf. „Vermutlich werde ich mir noch das ein oder andere Modell zulegen, aber ansonsten soll das Reisen im Vordergrund stehen. Ich habe einige Freunde auf Hawaii und in Indien – jetzt ist der Moment gekommen, sie zu besuchen und etwas Zeit mit ihnen zu verbringen.“

Fotos: © Amy Shore for Classic Driver

Die Frederiksen Collection wird von Bonhams am 26. September 2015 auf dem Landsitz Lyngsbækgaard im dänischen Nationalpark Mols Bjerge versteigert. Weitere Geschichten rund um die Sammlung von Henrik Frederiksen lesen Sie in Kürze bei Classic Driver.