Auf Weltrekordfahrt im Windschatten des Porsche 935

Wenn 1979 bei Tempo 200 im Porsche-Rückspiegel plötzlich ein Rennrad auftauchte, war das wahrscheinlich Jean Claude Rude. Der französische Radrennfahrer nutzte damals einen 800 PS starken Martini-Porsche 935 als Windschutz für seinen Weltrekord-Versuch.

 

Der schnellste Radfahrer der Welt – darunter ging es für den ehrgeizigen französischen Radrennfahrer Jean Claude Rude nicht. Doch 1979 hielt den Titel noch sein Landsmann José Meiffret, der 1962 auf einem geschlossenen Autobahn-Teilabschnitt im Windschatten eines Mercedes-Benz 300SL eine Geschwindigkeit von 204,7 km/h erreicht hatte. Auch für Rude stellte sich die Frage nach dem passenden Windschutz. Denn während seine Beine muskulös und trainiert genug waren, um ihn auf 200 km/h und darüber hinaus zu beschleunigen, stand ihm der Luftwiderstand wie eine Wand entgegen. Überraschende Hilfe kam vom Martini-Porsche-Werksteam in Form eines Porsche 935 mit 800 PS, der für den rasenden Franzosen zum Windschott umgebaut wurde.

Auf Weltrekordfahrt im Windschatten des Porsche 935

Ausgetragen wurde der Rekordversuch auf der Hochgeschwindigkeits-Teststrecke von Volkswagen in Ehra-Lessien. Am Steuer des mächtigen Porsche niemand geringeres als der Grand-Prix-Rennfahrer Henri Pescarola Platz nahm, machte es sich Jean Claude Rude hinter dem ausgeibig getesteten Windschott “bequem”. Eine spezielle Konstruktion sollte verhindern, dass der Radfahrer bei hoher Geschwindigkeit das Heck des Wagens touchierte. Und angesichts der Flammen, die der 935 so gerne spückte, hatte man die Auspuffrohre zur Seite umgeleitet. Jean Claude Rude nutzte den Porsche zunächst als “Trägerrakete”, um auf Speed zu kommen. Aus einem langsamen Start heraus beschleunigte Pescarolo gleichmäßig bis 160 km/h – als plötzlich Rudes Hinterreifen platzte! Nur seine langjährige Erfahrung und eine nicht geringe Portion Glück schützten den Radprofi vor einem schweren Sturz.

Für einen zweiten Rekordversuch wurden robustere Michelin-Reifen verwendet – doch wieder hatte der Franzose keinen Erfolg. Tragischerweise verlor Rude später sogar sein Leben, als er bei einer Hochgeschwindigkeitsfahrt entlang eines Schnellzuges mitgerissen wurde. Was bleibt, ist die Erinnerung an einen außergewöhnlichen Rekordversuch. Der schnellste Radfahrer der Welt ist heute der Niederländer Fred Rompelberg – er erreichte 1995 eine Geschwindigkeit von 278,8 km/h.

 

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Foto: Porsche Archiv