Aston Martin Rapide S: Großes Angrillen

Nach dem erfolgreichen Remake des Aston Martin DB9 wurde nun auch der viertürige Rapide grundlegend erneuert. Ob er wirklich schneller, agiler und schöner ist? Wir haben es ausprobiert.

 

 

Was am neuen Aston Martin Rapide S als Erstes auffällt, ist das neue Gesicht: Das typische Markenmaul gähnt nun deutlich größer und aggressiver als zuvor. In den ersten Studiobildern kam der neue Kühlergrill im Walhai-Format noch etwas überproportioniert – doch bei Tageslicht besehen und mit dem Nummernschild darunter sieht er wirklich gut aus. Der Lufteinlass ist übrigens nur die markanteste von einer ganzen Reihe von Änderungen am Front-Design, das Aston Martin im Sinne der neuen Fußgänger-Schutz-Verordnung der EU durchgeführt hat. Klingt etwas dröge, rettet aber Leben – zumindest, wenn man die Opfer, die beim Anblick des neuen Astons vor Begeisterung tot umfallen, einmal abzieht.

Wenn an der Front gehobelt wird, darf natürlich auch das Heck nicht unberührt bleiben. Die markanteste Neuheit ist der stärker ausgeformte Spoiler, der den Rapide in der Seitenansicht ausgewogener erscheinen lässt und – natürlich noch viel wichtiger – den Anpressdruck vergrößert. Keine Verbesserung benötigten dagegen die hinteren Türen. Noch immer sind die Linien so geschickt gezeichnet, dass man zweimal hinsehen muss, um sicherzugehen, nicht gerade einen besonders langes DB9 Coupé gesehen zu haben. Bei der Modell-Bestimmung in freier Wildbahn hilft wiederum der Grill, der den Rapide visuell wieder weiter von den anderen Modellen wegrückt. In Gaydon verabschiedet man sich ganz offensichtlich von der bisherigen „alles aus einem Holz“-Designpolitik.

 

Aston Martin Rapide S: Großes Angrillen
Aston Martin Rapide S: Großes Angrillen Aston Martin Rapide S: Großes Angrillen

Im Innenraum entspricht der Rapide allerdings wieder der Regel – die Anlehnungen an den Über-Aston One-77, die man im Cockpit des neuen Vanquish finden kann, sucht man hier vergebens. Die Qualität stimmt aber dennoch, die Sportsitze sind angenehm, die 1.000-Watt-Anlage von Bang & Olufsen hat einen ordentlichen „Wums“, auch das Navigationssystem von Garmin funktioniert tadellos. Und natürlich dürfen sich die Rapide-Besitzer auch weiterhin an ihrer „Emotional Control Unit“, dem ECU-Schlüssel in Kristallform erfreuen. Die Rücksitze sind derweil eher für Kinder gedacht – oder Erwachsene, die auf einer kurzen Fahrt zum Restaurant oder in die Oper zusteigen. Umgeklappt eröffnen sie allerdings eine großzügige Ladefläche – falls man einen Perserteppich oder ähnlich sperrige Spontankäufe transportieren muss.

 

 

Aston Martin Rapide S: Großes Angrillen
Aston Martin Rapide S: Großes Angrillen Aston Martin Rapide S: Großes Angrillen

Warum der Aston Martin Rapide nun das „S“ im Namen trägt (eine Basisversion wird nicht mehr angeboten), erklärt sich allerdings erst, wenn man den Motor startet und den Fuß auf’s Gaspedal drückt. Der neue 6,0-Liter-V12-Motor aus der AM11-Serie leistet 558 PS, der Vorgänger hatte im Vergleich nur 477 PS zu bieten. Wie auch beim neuen DB9 ist der Evolutionssprung schon auf den ersten Metern deutlich zu spüren. Auch beim Drehmoment hat der Zwölfzylinder 20 Nm zugelegt – so sind nun 620 Newtonmeter verfügbar, die den gewaltigen Wagen noch stärker nach vorne ziehen lassen. Auf den engen Straßen Kataloniens spürt man zwar das Gewicht und die Länge des Rapide S, doch in weiteren Kurven verhält sich der neue Aston wie ein echter Sportwagen.

 

 

Aston Martin Rapide S: Großes Angrillen
Aston Martin Rapide S: Großes Angrillen Aston Martin Rapide S: Großes Angrillen

Deutlich verbessert wurde zum Beispiel die Lenkung. Und wenn man möchte, kann man die adaptiven Dämpfer einfach in der mittleren Sport-Einstellung belassen, ohne zu sehr durchgeschüttelt zu werden. Wir empfehlen, auch den Motor im Sport-Modus zu betreiben, da man so stets das volle Leistungspotenzial aktivieren kann. Außerhalb geschlossener Ortschaften kann man auch ruhig einmal in die Schaltpaddels greifen, um den Motor zum brüllen und Häulen zu bringen und den Ritt noch etwas rasanter zu machen. Auf der Autobahn kann man dann getrost wieder in den Automatikmodus schalten – mit 306 km/h Spitze dürfte der Rapide S sowieso nicht sehr viel Gesellschaft auf der linken Spur haben.

 

Wir haben den neuen Vanquish noch nicht ausprobiert, deshalb ist es etwas zu früh, um Aston Martin zur besten Modellpalette aller Zeiten zu gratulieren. Doch nach 300 Kilometern im Rapide S und den noch frischen Erinnerungen an den neuen DB9 können wir zumindest folgende Empfehlung aussprechen: Ganz egal, ob Sie nun zwei oder vier Türen brauchen – fahren Sie auf direktem Weg zum nächtgelegenen Aston-Martin-Händler und testen Sie einen der neuen Zwölfzylinder-GTs!

 

Weiterführende Links

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Fotos: Aston Martin