Aston Martin Centenary Celebration: Das Beste aus 100 Jahren

So etwas sieht man nur einmal im Leben: Zum 100. Geburtstag hatte Aston Martin in die Gärten des Kensington Palace in London geladen – und dort die 100 wichtigsten Automobile der Firmengeschichte versammelt. Doch das war nur der Anfang.

Keinen Monat ist es her, da prophezeiten britische Meteorologen nicht nur einen verregneten Sommer, sondern sogar eine ganze Schlechtwetter-Dekade. Doch die für das Königreich zuständigen Wettergottheiten scheinen sich nur ungern in die Karten gucken zu lassen – und ließen eine wahrhaft tropische Hitzewelle über Großbritannien rollen. So feierte auch Aston Martin am Sonntag in den Kensington Palace Gardens unter strahlender Sonne das 100. Markenjubiläum mit einem einmaligen Aufgebot.

Das Beste aus 100 Jahren

Zusammen mit Heritage Trust und dem Aston Martin Owner’s Club (AMOC) hatte man die 100 wichtigsten Modelle aus 100 Jahren ausgesucht und eingeladen. Die Reihe der Ikonen reichte vom bescheiden A3, dem ältesten existierenden Modell aus dem Jahr 1922, bis hin zum Jubiläumsmodell, dem gerade erst enthüllten CC100 Speedster Concept. Dazwischen fanden sich neben den großen Erfolgen wie den DB-Modellen auch einige Einzelstücke, die Aston-Enthusiasten die Tränen in die Augen treiben dürften: Vorkriegs-Klassiker wie das Headlam Coupé, Ulster und Atom, Zagato-Variationen von DB4, V8, DB7 oder V12 Vanquish, Ausnahme-Modelle wie V8 Volante LWB und Vantage Le Mans, die Konzeptstudien Bulldog und Ogle, Filmklassiker wie der DBS aus „The Persuaders“ in Bahama Yellow und das neueste Millionen-Stück, der One-77. In dieser Qualität und Vollständigkeit wird man dies so nicht wieder erleben können.

Centenary Selection - Der Chef empfiehlt

Als Firmenchef hat Dr. Ulrich Bez die Marke Aston Martin in den letzten 10 Jahren entscheidend geprägt. Zum Jubiläum präsentiert er nun seine Favoriten in einer „Centenary Selection“. Und man muss dem ehemaligen Porsche-Manager einen guten Geschmack bescheinigen: Die drei Bertone-Jet-Variationen oder der DB2/4 im Stil des Cabriolets aus Hitchcocks „Die Vögel“ gehören auch zu unseren Lieblingen. Doch Ulrich Bez wäre nicht Ulrich Bez, wenn nicht auch die aktuelle Modellpalette in allen Schatierungen zu sehen wäre – die aktuellen Modelle wie DB9, V12 Vantage S, Virage und Rapide machten sich gut auf dem königlichen Rasen. Eine Überrschaschung wurde Dr. Bez schließlich noch von Andrea Zagato bereitet, der in London gleich zwei Jubiläumsmodelle präsentierte.

Legenden aus Le Mans

Der Sieg in Le Mans von 1959 ist für Aston Martin wahrscheinlich das bedeutendste Sportereignis der Markengeschichte. Dass es neben dem DBR1/2 von Shelby und Salvadori noch zahlreiche weitere Rennwagen gab, die im Circuit de la Sarthe an den Start gingen, zeigt die umwerfend besetzte Le-Mans-Sonderschau: Man schlendert um frühe Boliden wie LM8 und LM10 aus den 1930er Jahren, bewundert außergewöhnliche Ulster und DB2, möchte vor den 1950er-Jahre-Rennern wie DB3S  und DBR1 fast in die Knie gehen – doch die Show geht noch weiter. Gleich zwei DB4GT Zagato mit Le-Mans-Historie stehen hier wie selbstverständlich nebeneinander, nur ein paar Meter entfernt finden sich die Project Cars – und zwar alle drei Exemplare. Kaum bekannt, aber nicht weniger beeindruckend finden wir den schwarzen Lola-Aston-Martin von 1967 oder die Aston Martin Nimrod aus den frühen 1980er Jahren. Die Ahnenreihe reicht bis zum Gulf-gesponsorten V8 Vantage GTE von 2011. Und lässt uns sprachlos zurück.

Geschüttelt und gerührt: Aston Martin und James Bond

Auch wenn bei James Bond mittlerweile mehr Produkte platziert werden als im Programm des Shopping-Senders QVC, verdankt Aston Martin seine weltweite Bekanntheit und das Image des „Gentleman-Sportwagens“ doch zum großen Teil den Filmen um Agent 007. Neben dem legendären DB5 sowie alten und neuen DBS mit „Sonderausstattung“ sind in den Kensington Palace Gardens auch einige von Bonds Dienstwagen zu sehen, die bei den Dreharbeiten „etwas gelitten haben“. Der DBS aus „Quantum of Solace“ wäre rational gesehen reif für die Schrottpresse – und dürfte bei einer Auktion doch mehr einbringen, als viele aufpolierte Klassiker. Schöner Kommentar ein älteren, offenbar Bond-unkundigen Britin zu Ihrem Gatten: „Dear, in what kind of world are we living where you present such a horribly damadged car and people seem to appreciate it?“.  Wir haben dem nichts hinzuzufügen.

 

Fotos: Jan Baedeker