Abstammung verpflichtet: Ferrari Classiche

Es gibt derzeit wohl kaum eine bessere Wertanlage als einen klassischen Ferrari im Originalzustand. Bei Ferrari Classiche in Maranello werden die historischen GTs und Rennwagen nach höchster Kunst gewartet, restauriert – und im besten Fall mit dem begehrten Echtheits-Zertifikat versehen.

 

Klassische Ferrari werden in den letzten Jahren immer höher gehandelt, bei Auktionen wechseln gesuchte Sportwagen aus den Fünfziger- und Sechzigerjahren nicht selten für zweistellige Millionenbeträge den Besitzer. Zuletzt erzielte im August 2011 ein Ferrari Testa Rossa von 1957 einen Rekordpreis von 16,4 Millionen US-Dollar. Vor allem gut erhaltene Exemplare im Originalzustand sprengen immer wieder die Bank. Verständlich, dass dieser Boom-Markt auch Betrüger anlockt – die Geschichte und Echtheit eines Automobils ist nach Jahrzehnten schließlich nicht immer genau zu ermitteln. Die zahlreichen Einzelanfertigungen, Sondermodelle und Renn-Varianten machen die Sache nicht leichter. Eines der wichtigsten Indizien für die Originalität eines klassischen Ferrari – und somit ein Garant für hohe Preise – ist derzeit das Echtheits-Zertifikat von Ferrari Classiche.

Abstammung verpflichtet: Ferrari Classiche
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Die Klassikabteilung ist seit 2006 in einer ehemaligen Gießerei auf dem Werksgelände in Maranello untergebracht. Auf 950 Quadratmetern werden von den ersten GTs von 1948 bis zu den Supersportwagen der 1980er-Jahre alle Ikonen der Firmengeschichte instandgesetzt, restauriert und zertifiziert. Bei den Rennwagen und Monoposto der Formel 1 gibt es derweil gar keine Altersbeschränkung. So stehen bei unserer Stippvisite F40 und 288 GTO neben 275 GTB/4, 250 LM, Daytona Spyder und Monza. Dieses Modellspektrum ist natürlich gewaltig, und kaum eine freie Werkstatt ist in der Lage, diese Bandbreite so professionell abzudecken wie Ferrari Classiche. Ein Vorteil der Abteilung ist der Zugriff auf die Ferrari-Gießerei und die Bearbeitungsmaschinen, mit denen sich Originalteile bei Bedarf vorbildgetreu reporduzieren lassen. Wenn sich bei der Prüfung eines Ferrari herausstellen sollte, das eine Komponente nicht dem ursprünglichen Zustand entspricht, ist die Zurücksetzung durch die Techniker und Ingenieure also in fast jedem Fall realisierbar.

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Auch die Vollrestauration seltener und anspruchsvoller Klassiker wird von Ferrari Classiche angeboten – und mit größter Präzision ausgeführt. Möglich ist diese Arbeitsweise nur durch den Rückgriff auf ein einzigartiges Archiv: In den Panzerschränken von Ferrari Classische finden sich nämlich alle Original- und Montagezeichnungen seit dem ersten Modell, dem Ferrari 125 S von 1947. Die historischen Dokumente helfen nicht nur als Vorlage bei der Produktion von Teilen, sie sind auch die Grundlage für die Bestimmung des Originalzustands. Andere italienische Hersteller, die in ihrer Geschichte immer wieder den Besitzer wechselten, haben nicht dieses Glück – oft wurden die Dokumente im Eifer der Umstrukturierung verloren oder vernichtet. Die Bewertung jedes einzelnen Ferrari erfolgt durch einen Experten-Ausschuss unter der Leitung des Vizepräsidenten Piero Ferrari. Im Zentrum des Prozesses steht die technische Inspektion, bei der geprüft wird, ob Karosserie, Motor, Getriebe, Antrieb, Aufhängung, Bremsen, Räder, Fahrgestell und Innenraum zur Originalausstattung gehören – oder zumindest den Spezifikationen entsprechen.

Abstammung verpflichtet: Ferrari Classiche

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Auch wenn dies nicht vollends zutrifft, ist es möglich, die Bescheinigung zu erhalten – etwa, wenn ein Rennwagen, bei dem der Komponentenwechsel schließlich zur Tagesordnung gehört, mit aktueller Konfiguration an wichtigen Rennen teilgenommen hat. Oder wenn die Karosserie innerhalb von 10 Jahren nach Auslieferung von einem bekannten Designer oder Karosseriebauer modifiziert wurde. In diesem Fall müssen vom Besitzer zudem Teilnahmen an Concours-Veranstaltungen und Presse-Veröffentlichungen belegt werden. Das Zertifikat steigert jedoch nicht nur den Wert eines Klassikers – es erhöht auch die Chance, bei elitären Klassiker-Terminen wie etwa der Mille Miglia teilzunehmen.

Was die Arbeit an den Klassikern angeht, reicht das Spektrum von der regelmäßigen Wartung, (die auch von einem Ferraric Classiche Certified Dealer wie Eberlein Automobile in Deutschland ausgeführt werden kann) bis zum vollständigen Aufbau, der natürlich einen nicht unerheblichen finanziellen Einsatz voraussetzt. Während die Teile nachgebaut werden können, ist es bei Lack, Holz und Leder schon schwieriger – auch, weil das Team oftmals trotz technischem Fortschritt die klassischen, zeitintensiveren Methoden wählt, oder weil bestimmte Zulieferer von einst die Hölzer und Leder von einst nicht mehr liefern. Doch auch in diesem Fall wird bestmöglich rekonstruiert, um der Perfektion von einst ein Denkmal zu setzen.

Text & Fotos: Jan Baedeker

Weitere Informationen finden sich unter www.ferrari.com.