72nd Goodwood Members' Meeting: Schweres Beben

Mit dem Goodwood Revival und dem Festival of Speed hat Lord March bereits zwei der hochkarätigsten Rennsport-Events in Europa etabliert – nun kam ein drittes hinzu: Am letzten Wochenende starteten die Klassiker beim 72. Goodwood Members’ Meeting – fast 48 Jahre nach dem 71. Treffen.

Zwischen 1948 und 1966 wurde das Goodwood Members’ Meeting alle paar Monate veranstaltet – die besten Fahrer dieser Zeit pilgerten dann mit ihren Rennwagen nach Sussex, um die Mitglieder des British Automobile Racing Club mit ihrem Können zu unterhalten. In diesem Jahr wurde die Tradition wieder aufleben lassen, 20.000 Zuschauer folgten der Einladung des Earl of March. „Wie das Goodwood Revival, nur ohne die drängelnden Massen“, lobte ein Besucher. Auch die Rennklassen wirkten befreit, durften beim Members’ Meeting nun endlich auch Rennwagen mit Baujahr 1966 und jünger in Goodwood starten. Die meiste Aufmerksamkeit wurde entsprechend den Le-Mans-Longtail-Rennwagen, Gruppe-B-Rallye-Monstern und Turbo-F1-Racern zuteil.

Heißblütige Duelle

Während diese Klassen auf Sprints und Demonstrationsrunden beschränkt waren, wurden am Wochenende jedoch auch heißblütige Rennen ausgetragen. In der Moss Trophy duellierten sich die hochkarätigsten Klassiker, die sonst eher auf dem Concours-Rasen zu sehen sind. Die Führung übernahm wie erwartet der Ferrari 250 Breadvan, fiel dann jedoch zurück, um den Kampf um die Pole Position dem Lotus Eleven Breadvan sowie einem Aston Martin DB4GT und dem Jaguar E-Type von DK Engineering zu überlassen. Schlussendlich gewann der Aston mit einer Wagenlänge vor dem Lotus – in Anbetracht der Abwesenheit des Letzteren aus dem Rennzirkus für 50 Jahre kein schlechtes Ergebnis. Der Atem stockte den Zuschauern dagegen, als RM-Auktionator Max Girardo in der letzten Runde der Tony Gaze Trophy seinen Ferrari 250 Tour de France drehte – und den Sieg einem AC Ace-Bristol überließ, der übrigens schon sein letztes Rennen beim Goodwood Members’ Meeting in den 1960er Jahren gewonnen hatte. 

Ein Fest für alle Sinne

Wie in Goodwood üblich, gab es die großen Rennwagen-Ikonen nicht nur zu sehen, sondern auch zu riechen und zu hören. Der Sound der donnernden amerikanischen Musclecars erschütterte den Asphalt, während die schrillen V12-Schreie des Matra-Simca MS670B, der 1972 die 24 Stunden von Le Mans gewonnen hatte, einem noch Stunden später in den Ohren klangen. Fünf Tage im Jahr wird die Lautstärkebeschränkung für Goodwood aufgehoben – mit dem Members’ Meeting sind nun zwei davon verbraucht. Mächtig Eindruck hinterließen aber auch die Auftritte der alten Rennsport-Legenden: Jochen Mass tanzte mit seinem Flügeltürer förmlich über die Strecke, während Sir Stirling Moss in eben jenem Ferrari 250 GT SWB Berlinetta Competizione seine Ehrenrunden drehte, in dem er fünf bedeutende Siege erstritten hatte. 

Sicherheit in ihrer schönsten Form

Auch viele Bekannte aus dem Classic Driver Markt waren beim Goodwood Members’ Meeting dabei, darunter britische Händler wie JD Classics, William I’Anson, Desmond Smail und DK Engineering, dessen Besitzerfamilie Cottingham nicht nur mit einem Ford GT40 und einem Jaguar E-Type beim Rennen antrat, sondern auch zwei Ferrari F40 als Safety Cars für die Demonstrationsklassen stellte.

Übrigens würde man wohl nur in Goodwood eine Riege von derart prominenten Safety Cars vorfinden – als „automobile Anstandsdamen“ waren unter anderem ein Aston Martin DB5, ein McLaren P1, ein Jaguar XJS und ein Bullitt Mustang auf der Strecke unterwegs. Und wie es sich für ein Fest von Lord March gehört, endete der Spass nicht in der Boxengasse. Das Kreativteam hatte einen Flugzeughangar in einen Nachtclub verwandelt, über dem später die Spitfires ihre Runden drehten. So blieb am Sonntagabend eigentlich nur eine Frage offen: Wie in aller Welt will Lord March dieses Spektakel beim 73. Members’ Meeting toppen? Nun, beim Revival und dem Festival of Speed gelingt es ihm schließlich auch. Wir sind gespannt. 

Photos: Tim Brown

Sie möchten beim nächsten Goodwood Members' Meeting auch dabei sein? Den passenden Rennwagen finden Sie im Classic Driver Markt.