

Monaco mag zwar der flächenmäßig zweitkleinste Staat der Welt sein, doch im Fürstentum an der Riviera hat sich eine der international dichtesten Autoszenen entwickelt. Der Stadtstaat ist nicht nur Heimat der berühmtesten Rallyes im WRC-Kalender, Austragungsort des prestigeträchtigsten Formel-1-Grand-Prix und Mekka für Carspotter aus aller Herren Länder, sondern hat auch selbst schon eigene Autos hervorgebracht.
Das von dem Rennfahrer Fulvio-Maria Ballabio gegründete Unternehmen Monte Carlo Automotive (MCA) war dabei mit Abstand der bedeutendste Akteur. Der im Mai 1990 enthüllte MCA Centenaire war nämlich das weltweit erste Auto mit Straßenzulassung, das über ein Carbon-Chassis verfügte. Damit kam der heute nahezu vergessene Exot sogar dem Jaguar XJR-15 und der Neunzigerjahre-Ikone schlechthin – dem McLaren F1 – zuvor. Diese Innovation kam nicht von ungefähr: Für sein Supercar-Projekt hatte sich Ballabio geballte italienische Motorsport-Kompetenz an Bord geholt.


Als technischen Direktor verpflichtete er Carlo Chiti. Dieser war früher in seiner Karriere maßgeblich an der Entwicklung des erfolgreichen Formel-1-Monoposto Ferrari 156 „Sharknose“ beteiligt. Später baute er Alfa Romeos Motorsportabteilung Autodelta auf und entwickelte den V8 für die Straßenversion des Alfa Romeo 33 Stradale. Der MCA Centenaire sollte sein letztes Projekt vor seinem Tod im Jahr 1994 sein. Auch der frühere Formel-1-Fahrer und -Konstrukteur Guglielmo Bellasi brachte seine Erfahrung mit Carbon-Verbundwerkstoffen ein. Seinen Namen erhielt der Wagen zum 100-jährigen Jubiläum des Automobile Club de Monaco. Präsentiert wurde er dem damaligen Erbprinzen Albert, dessen Unterstützung den Centenaire zum offiziellen Supercar des Fürstentums machte.


Beim Antrieb verzichtete Ballabio auf eine kostspielige Eigenentwicklung. Stattdessen schloss er 1990 einen Vertrag mit Lamborghini über die Lieferung der kräftigen und klangstarken Zwölfzylinder aus Sant'Agata. Hinter den Sitzen des monegassischen Coupés brüllte der 5,2 Liter große und 455 PS starke V12 des Countach 5000 QV. Er gab seine Kraft über ein Sechsgang-Schaltgetriebe von ZF an die Hinterräder ab. Zwei weiterentwickelte Exemplare des Centenaire sollen bei Testfahrten im Vorfeld der 24 Stunden von Le Mans 1993 auf der Mulsanne-Geraden beeindruckende 354 km/h erreicht haben.


MCA entwickelte sein einziges Modell im Laufe der Neunzigerjahre deutlich weiter und setzte dabei auf verschiedene Bezeichnungen und Motorisierungen. Von der Urversion des Centenaire mit Lamborghini-V12 entstanden zwischen 1990 und 1992 allerdings nur drei Exemplare. Das erste davon versteigert Broad Arrow am 9. Oktober bei seiner „The Zoute Concours Auction“ im belgischen Knokke-Heist. Ein Schreiben des MCA-Vertreters Matteo Ramello bestätigt, dass es sich um das Originalchassis mit der Nummer 001 handelt. Der Wagen diente zunächst als Entwicklungs-, Test- und Präsentationsfahrzeug und erhielt danach die neue Fahrgestellnummer EL0002.


Anschließend stand das Auto rund zehn Jahre lang bei Lamborghini in Sant'Agata Bolognese. Anfang der 2000er-Jahre schenkte Lamborghini es MCA-Gründer Ballabio. Um 2007 wurde es blau umlackiert und im selben Jahr auf der Rétromobile ausgestellt. Der aktuelle Eigentümer erwarb den Wagen 2014. Etwa zwei Jahre später ließ er die Karosserie von den Établissements Lecoq restaurieren und wieder im originalen Elfenbeinweiß lackieren; die rote Lederausstattung blieb erhalten. Als einziger Centenaire trug er ab Werk diese Kombination in den Nationalfarben Monacos. Nach Einschätzung des Auktionshauses dürfte das gewöhnungsbedürftig rundlich gestylte Supercar für 900.000 bis 1,2 Millionen Euro den Besitzer wechseln.









































