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Japanische Rennlegenden, italienische Fledermäuse – die spektakulärsten Autos von Pebble Beach

Pebble Beach lieferte die Klassiker, die man erwartet – und einige, mit denen niemand rechnete. Von japanischen Rennmonstern über italienische Designfantasien bis zum prominenten Sieger: Auf dem Rasen gab es viel zu entdecken. Das sind die Autos, die die Show stahlen.

 

Der Pebble Beach Concours d'Elegance bildet am Sonntag nicht nur traditionell den Höhepunkt der Monterey Car Week, sondern auch des gesamten Event-Kalenders der nordamerikanischen Szene für Sammlerautos. Die diesjährige Ausgabe markierte das 75. Jubiläum der über die Grenzen der USA hinaus berühmten Veranstaltung, weshalb die Organisatoren, Museen, Autohersteller und privaten Sammler auf dem traditionsreichen Golfplatz südlich von San Francisco das schönste, seltenste und teuerste Blech auffuhren, das die Automobilgeschichte zu bieten hat.

Neben reinen Ausstellungsstücken sahen sich insgesamt 218 Autos in rund zwei Dutzend Klassen dem kritischen Urteil der hochkarätig besetzten Jury ausgesetzt. Selten war die automobile Vielfalt bei der wohl berühmtesten Concours-Veranstaltung so groß – bei der Jubiläumsausgabe bildeten die verschiedenen Kategorien ein Spektrum ab, das von vor dem Ersten Weltkrieg gebauten amerikanischen Speedstern bis zu japanischen Le-Mans-Boliden der Achtziger- und Neunzigerjahre reichte.

 

Passend zu den aktuell explodierenden Preisen bei Modellen mit dem Cavallino Rampante stand Ferrari in diesem Jahr als Ehrenmarke im Mittelpunkt. Neben den klassischen Serienmodellen der Marke sorgten dabei zwei Sonderausstellungen mit Exemplaren in formschönen Vignale-Karosserien und die „NART"-Renn-Ferrari von Luigi Chinetti für Abwechslung. Auch ihnen wurden eigene Kategorien gewidmet – während bei den Ferrari mit Sonderkarosserien des Unternehmens aus Turin das 1954er 375 America Vignale Cabriolet gewann, siegte bei den Boliden des italo-amerikanischen Rennstalls eine 166 MM Touring Barchetta aus der Frühzeit der Marke. Es gab auch eine markenübergreifende Kategorie für Autos mit Vignale-Karosserie, in der das „La Flèche" genannte Alfa Romeo 1900 C Super Sprint Cabriolet positiv herausstach.

Auch für die heiß begehrte „Best of Show"-Auszeichnung, die mit einer gravierten Rolex Perpetual 1908 belohnt wird, waren zwei Vollblütler aus Maranello nominiert. Der Ferrari 375 MM Pinin Farina Berlinetta (1955) und der bereits genannte und ein Jahr ältere Ferrari 375 America Vignale Cabriolet (1954) mussten sich letztlich jedoch Harry Yeaggys 1935er Duesenberg SSJ Special Speedster geschlagen geben, der einst der frühen Hollywood-Legende Clark Gable gehört hatte. Die Jury in Pebble Beach hat seit jeher ein Faible für die amerikanische Luxusmarke, die 1937 Insolvenz anmelden musste und seit der ersten Ausgabe im Jahre 1950 zu den häufigsten Hauptgewinnern der Veranstaltung gehört. Ein weiterer Titelkandidat war eine Art-Déco-Schönheit aus Frankreich – ein 1938er Delahaye 165 mit einer schwungvollen Cabriolet-Karosserie von Figoni et Falaschi.

 

Auch wenn der prestigeträchtige Gesamtsieg am späten Nachmittag unter dem traditionellen Konfettiregen an den rund 400 PS starken Duesenberg ging, bot die Jubiläumsausgabe des Concours abgesehen vom Hauptpreis noch zahlreiche weitere Höhepunkte, die den Facettenreichtum des internationalen Automobildesigns eindrucksvoll unter Beweis stellten. Um die bereits erwähnte zentrale Rolle der Marke aus Maranello zu unterstreichen, lohnt ein Blick auf die Klasse der „Ferrari Grand Touring": Hier sicherte sich eben jener als „Best of Show" nominierte 1955er Ferrari 375 MM Pinin Farina Berlinetta souverän seinen Klassensieg. Ein historischer Ferrari-Renntransporter, genauer gesagt ein 1957er Fiat 642 RN2, gehörte völlig zu Recht zu den beliebtesten Fotomotiven des diesjährigen Concours – was nicht zuletzt auch an dem 250 GTO und dem 250 Testa Rossa lag, die er auf dem Buckel hatte.

Noch spektakulärer waren die Alfa Romeo „BAT"-Concept Cars, die zwischen 1953 und 1955 mehrmals die Messestände der Carrozzeria Bertone zierten und über siebzig Jahre später im Rahmen einer Sonderpräsentation auf dem perfekt getrimmten Rasen glänzten. Die von Franco Scaglione, einem der talentiertesten Mitarbeiter des Designhauses, gezeichneten Aerodynamik-Studien BAT 5, BAT 7 und BAT 9 wirken mit ihren flügelartigen, ausladenden Heckflossen und verkleideten Radhäusern so, als würden sie aus dem Fuhrpark des italienischen Batman stammen. Dass ihr Name so perfekt zu dem retrofuturistischen Design passt, ist dagegen eher Zufall – das Kürzel steht schlicht für „Berlinetta Aerodinamica Tecnica".

 

In der Klasse „Automobiles of Royal India" war stilistisch das komplette Gegenprogramm angesagt – statt italienischer Aerodynamik-Avantgarde stand hier opulenter, fast schon maßloser Luxus ganz nach dem Geschmack der indischen Maharadschas im Mittelpunkt. Hier setzte sich ein majestätischer Mercedes-Benz 630K Sports Tourer von 1929 mit seinem kompressorbeatmeten Sechszylinder gegen die Konkurrenz durch und brachte fürstliche indische Eleganz an die Küste Kaliforniens. Die „Pebble Beach Road Race Veterans" erinnerten dagegen eher an regionale Traditionen – genauer gesagt an die Straßenrennen durch den Del Monte Forest, die zwischen 1950 und 1956 stattfanden und eng mit der Geschichte des heutigen Concours verbunden sind. In der Kategorie der seriennahen Rennwagen landete der 1953er Ferrari 250 MM Vignale Spyder auf dem ersten Platz, während bei den stark modifizierten „Specials" der HWM-Chevrolet „Stovebolt Special" triumphierte.

Auch ein Hauch Fernost wehte durch die ansonsten eher westlich geprägte Veranstaltung – genauer gesagt Rennsport-Technik von den japanischen Inseln, der in der neuen Kategorie „Japanese Motorsport" gehuldigt wurde. Hier belegte der Langstrecken-Bolide Toyota 85C L Longtail Le Mans Coupe von 1985 den ersten Platz. Nicht auf dem Podium landete dagegen der Mazda 787B, der 1991 mit seinem einzigartig klingenden Vier-Rotor-Wankelmotor in Le Mans gewann und so die Herzen von Autofans rund um die Welt eroberte.

 

William E. „Chip" Connor dürfte an dem Wochenende zu den glücklichsten Sammlern gehört haben. Sein atemberaubendes 1937er Talbot-Lago T150 C-SS Figoni et Falaschi Teardrop Coupé, das dank seiner stromlinienförmigen Art-Déco-Karosserie als eines der schönsten Autos der Welt gilt, wurde hochverdient mit dem J.B. & Dorothy Nethercutt Award als „Most Elegant Closed Car" geadelt. Doch damit nicht genug: Ein weiteres Auto aus Connors Kollektion fuhr einen Klassensieg in der Kategorie „Postwar Sports Touring" ein. Das 1972er Lamborghini Miura P400 SV Coupé war zudem Teil der Sonderschau zum 60. Jubiläum des ersten echten Supercars, für das extra ein bisher für den Concours nicht genutzter Bereich des Golfplatzes für automobile Preziosen geöffnet wurde.

Der diesjährige Pebble Beach Concours d'Elegance gehörte nicht zuletzt wegen der bedeutenden Jubiläen und der großen Vielfalt der Exponate und teilnehmenden Autos zu den wohl bisher spektakulärsten Ausgaben des Events. Man darf gespannt sein, mit welchen Raritäten die Sammler und Organisatoren bei der 76. Ausgabe, die am 15. August 2027 stattfinden wird, auftrumpfen werden.

Fotos von Tom O'Neal für Rolex

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