

Vom 15. bis 17. Mai 2026 werden sich die bedeutendsten und elegantesten Autoklassiker der Welt erneut zwischen dem Grand Hotel Villa d'Este und den Gärten der Villa Erba versammeln – und untermalt vom leisen Summen der Riva-Boote und dem gelegentlichen Dröhnen der Wasserflugzeuge um den Titel "Best of Show" antreten. Das Erlebnis ist berauschend, überwältigend und für Unvorbereitete kaum zu erfassen. Genau deshalb ist Orientierung so wichtig. Angesichts der unzähligen automobilen Spektakel und des abwechslungsreichen Veranstaltungsprogramms an verschiedenen Orten kann der Concorso selbst erfahrene Sammler schnell überfordern. Classic Driver nimmt Sie wie gewohnt via YouTube und Instagram mit auf Zeitreise. Doch zu wissen, wo und wann man besonders gut hinschauen muss, macht schon jetzt den entscheidenden Unterschied.
Das Wochenende beginnt schon vor dem offiziellen Start, in einer stillen Choreografie, die sich hinter den Kulissen abspielt. Transporter treffen diskret in Cernobbio ein, ihre Ladung noch verborgen, ihre Bedeutung nur angedeutet durch die wachsamen Augen der Mechaniker und Organisatoren. In diesen flüchtigen Einblicken, bevor sich die Massen versammeln, wirken die Autos wie wahre Geheimnisse, die nur wenigen Auserwählten vorbehalten sind – und wir werden vor Ort sein, um Ihnen einen exklusiven Blick zu gewähren.



Der Samstag in der Villa d'Este ist das Herzstück des Concorso. Hier offenbart die Veranstaltung ihren exklusivsten und raffiniertesten Charakter den wenigen Auserwählten, die eine Zugangskarte ergattert haben. Rund 50 der bedeutendsten Automobile der Welt werden in sorgfältig zusammengestellten Klassen präsentiert, von denen jede eine eigene Geschichte über Stil, Innovation und Kulturgeschichte erzählt. Von der Opulenz des Karosseriebaus der Vorkriegszeit über die überschwängliche Eleganz des Mid-Century-Designs bis hin zum Aufstieg der Supersportwagen – die auserwählten Automobile bestechen ebenso durch ihre Geschichten wie durch ihre Seltenheit. Jedes Auto hat sich seinen Platz verdient, und jedes Detail wird von Jury und Gästen genauestens geprüft.


Die diesjährigen Klassen bieten einen besonders vielfältigen Querschnitt durch die Automobilgeschichte. „Automotive Tailoring: The Decade of Opulence (1924–1934)“ zelebriert den Höhepunkt maßgeschneiderten Luxus und extravaganten Karosseriebaus, während „Future Couture: Dressed for Speed (1935–1939)“ den aerodynamischen Optimismus der späten Vorkriegsjahre einfängt. „Viva Villa d’Este: Extravagant 1950s Style“ schwelgt im Nachkriegsglamour, wohingegen „The Top Goes Down, The Price Goes Up: Selling Sunshine“ die anhaltende Faszination des offenen Fahrens erkundet. „They Earned Their Names: Enzo’s Endurance Legends“ würdigt Ferraris Rennhelden, und „Every Scratch Tells a Story: Ageing Gracefully Without Restoration“ stellt Authentizität über Perfektion. „From Carnaby Street to the Autostrada: The Swinging GT Driver“ rundet das Bild ab und spiegelt den kulturellen Wandel der Grand Tourer der 1960er-Jahre wider, während „The Pace Race: The Supercar Comes of Age“ die Entstehung der modernen Performance-Ikone nachzeichnet. Welche Autos in welcher Klasse antreten werden, ist noch ein gut gehütetes Geheimnis.
Im Laufe des Tages steigt die Spannung fast unmerklich. Besitzer und Sammler schwanken zwischen gelassener Zuversicht und nervöser Erwartung, während die Jury hinter verschlossenen Türen berät. Die Nachmittagsparade vor der unvergleichlichen Kulisse des Comer Sees, moderiert von Simon Kidston, rückt jedes Auto nacheinander ins Rampenlicht. Hier wird der Publikumsliebling, der Gewinner der Coppa d'Oro, gekürt, bevor am Sonntagabend schließlich die Trofeo BMW Group – Best of Show das herausragendste Automobil des Wochenendes auszeichnet. Parallel dazu präsentiert Star-Tenor Jonas Kaufmann erneut die „Trofeo Il Canto del Motore“ für den besten Motorklang.

Sich nur auf die Villa d'Este zu konzentrieren, hieße jedoch, die halbe Wahrheit zu verpassen. Gleich nebenan, in der Villa Erba, schlägt der Samstag mit „Amici & Automobili – Wheels & Weisswürscht“ einen ganz anderen Ton an – es ist ein Treffen, das die Autokultur auf weitaus entspanntere und offenere Weise zelebriert. Rund 120 Autos von Clubs und Communities versammeln sich auf den Rasenflächen und bilden einen lebendigen Kontrast zur formellen und exklusiven Atmosphäre des Concours d’Élégance. Hier präsentiert sich die ganze Bandbreite automobiler Begeisterung, von geliebten Klassikern bis hin zu modernen Performance-Ikonen.
In diesem Jahr wird das Spektrum durch eine Reihe bedeutender Jubiläen und Ausstellungen zusätzlich bereichert. Insbesondere der 40. Geburtstag des BMW M3 vereint mehrere Generationen des Modells in einer eigens dafür eingerichteten Ausstellung am Seeufer. Hier herrscht eine ungezwungenere Atmosphäre, die eher an ein Treffen unter Freunden als an einen formellen Wettbewerb erinnert. Es ist eine Erinnerung daran, dass die Leidenschaft für Autos weit über den Concours-Rasen hinausreicht.


Am Sonntag rückt der Concorso erneut in den Mittelpunkt und öffnet seine Tore für ein breiteres Publikum. Die Concours-Autos, die am Samstag noch im kleinen Kreis bewertet wurden, sind nun für Enthusiasten und Familien gleichermaßen zugänglich und schaffen so eine offenere und lebendigere Atmosphäre. Die Parade kehrt zurück, doch mit einer anderen Dynamik – weniger Wettbewerb, mehr gemeinsame Begeisterung. Es ist der Moment, in dem der Concorso seine einladendste Seite zeigt.
Parallel zu den Hauptveranstaltungen sorgt die Broad Arrow Auktion für zusätzliche Spannung am Wochenende. Mit über 70 Sammlerautos, die an zwei Tagen angeboten werden, schafft sie eine greifbare Verbindung zwischen Bewunderung und Erwerb. Zu den ersten Highlights zählen Vorkriegs-Bugattis und moderne Supersportwagen wie der Ferrari F40 und der BMW M3 GTS, die die Vielfalt und den Reichtum des heutigen Sammlermarktes verdeutlichen. Selbst wer nicht mitbieten möchte, findet im Auktionssaal einen faszinierenden Einblick in die Dynamik von Wert und Begehren.

Letztendlich wird der Concorso d'Eleganza Villa d'Este ebenso sehr von seiner Atmosphäre wie von seinen Automobilen geprägt. Es ist ein Ort, an dem Eleganz und Extravaganz nebeneinander existieren, an dem Geschichte greifbar ist und an dem jeder Moment um Ihre Aufmerksamkeit buhlt. Ohne Plan verliert man leicht den Überblick und verpasst die Feinheiten, die dieses Wochenende so besonders machen. Mit einem Plan hingegen können Sie sich in seinen Rhythmus einfinden und seine verborgenen Facetten entdecken.
Man sieht nicht alles, und genau das macht den Reiz aus. Der Concorso belohnt diejenigen, die aufmerksam sind, die im richtigen Moment innehalten und sich sowohl von den stillen Ecken als auch von den spektakulären Ereignissen mitreißen lassen. Zwischen den Villen, dem See und der allgegenwärtigen Bewegung außergewöhnlicher Maschinen ereignet sich immer wieder etwas Unvergessliches. Die Herausforderung besteht lediglich darin, im richtigen Moment am richtigen Ort zu sein.
Fotos: Rémi Dargegen für Classic Driver


































