Bellini Nautica lässt klassische Riva-Yachten wieder schwimmen

Stellen Sie sich vor: Sie gleiten in einer Riva über einen glasklaren italienischen See – der leichte Fahrtwind, der Klang des Motors, das glänzende Holz. Die Restaurierungs-Spezialisten von Bellini Nautica am Lago d’Iseo sorgen dafür, dass auch solchen Träumen noch immer Wirklichkeit wird.

Die goldene Ära

Bellini Nautica ist eine der anerkanntesten Institutionen für die Restaurierung, den Service und den Handel klassischer Holzboote. Classic Driver traf Battista Bellini, den Enkel des Firmengründers, der uns die Geschichte seines Familienunternehmens erzählte.

Mr. Bellini, erzählen Sie uns doch bitte, wie alles angefangen hat.

Mein Großvater begann sein Geschäft vor etwa 50 Jahren, er baute Bellini-Holzboote. Zu dieser Zeit waren Holzboote besonders in Mode – alle wollten so sein wie Brigitte Bardot auf ihrer Riva in Saint-Tropez. Es waren goldene Zeiten für meinen Großvater. Seine Boote waren handgebaut und daher sehr teuer. Nur sehr wohlhabende Kunden konnten sich ein solches Boot leisten. Doch im Laufe der Jahrzehnte kamen zunehmend Boote aus Kunststoff und Kunstharz auf den Markt, Holzboote galten irgendwann einfach nur noch als alte Boote. Mein Großvater starb, als mein Vater 17 war. Doch bevor er starb, sagte er ihm: „Bau‘ keine Boote! Du kannst dich mit diesem Geschäft nicht über Wasser halten.“ Daher beschloss mein Vater, sich auf Reparatur-Service, Lagerung, Kauf, Verkauf und Restaurierung alter Holzboote zu spezialisieren.

Eine Leidenschaft für Boote aus Holz

Und wann sind Sie mit eingestiegen?

Ich würde sagen, an dem Tag meiner Geburt. Obwohl ich eigentlich erst vor fünf Jahren wirklich in die Firma eingestiegen bin. Ich liebe Holzboote, ebenso habe ich aber auch gerne mit Menschen zu tun und teile meine Passion.

Eine sehr spezielle Sammlung

Wer arbeitet heute in Ihrer Firma?

Wir sind insgesamt etwa 40 Leute, aufgeteilt auf zwei Unternehmen. Zusammen haben wir das Know-how, um sämtlich Bereiche abzudecken: Motor, Holz, Polster, Elektrik. Wir haben sogar unseren eigenen Lackierbetrieb. Einige Rivas benötigen 20 Schichten Lack! Wir erledigen hier zehn bis 15 partielle oder komplette Restaurierungen pro Jahr. Außerdem gehen siebzig bis achzig Rivas in den Service oder in die Lagerung. Und wir arbeiten sehr eng mit der Marke Riva zusammen, deren Sitzt sich auf der anderen Seite des Sees befindet.

Sie selbst haben einen sehr speziellen Schatz: Ihre Riva-Sammlung. Können Sie uns etwas darüber erzählen?

Ja, wir haben 17 Rivas in unserer Ausstellung. Darunter so ziemlich jedes Modell und dessen verschiedene Evolutionsstufen. Für uns ist es sehr wichtig, einen Teil der Geschichte dieser legendären Marke zu bewahren – mit Exemplaren, die nicht einmal Riva selbst besitzt. Zusätzlich haben wir Boote wie eine Sebino, das zweite von insgesamt 13 gebauten Booten dieser Serie, sowie eine Lancetta, eines der allerersten Modelle, die Riva gebaut hat – und das einzige Exemplar, das heute noch weltweit existiert. Sicherlich gibt es einige Boote, die in unserer Sammlung fehlen, wie etwa die Scoiattolo" (Eichhörnchen auf Italienisch, Anmerkung der Redaktion) der frühen Riva-Jahre. Es gibt heute weltweit nur noch zwei oder drei Überlebende.

Ein neues Arrangement

Welches ist Ihr liebstes Boot in der Sammlung?

Ich würde sagen, die Sebino mit ihrer wunderbaren gelben Polsterung und gelben Zierstreifen am Rumpf. Und die Ariston der ersten Serie – mit grünem Rumpf und einer fabelhaften Form.

Sie arrangieren Ihre Sammlung gerade neu, ist das richtig?

Ja. Wir arbeiten mit Riva zusammen, um die Darstellung unserer Sammlung aufzuwerten. Wir möchten das Interesse der Öffentlichkeit damit wecken. Im Frühjahr sollte alles fertig sein. Interessierte können die Sammlung dann besichtigen, wenn sie vorher einen Termin vereinbaren. Sie brauchen uns nur kurz anrufen oder uns eine E-Mail zu schreiben.

Eine geteilte Leidenschaft

Warum möchten Sie eine private Sammlung für die Öffentlichkeit zugänglich machen?

Wir wollen unsere Sammlung nicht verstecken, sondern unsere Passion mit anderen Menschen teilen. Rivas haben den Ruf, sehr teuer zu sein. Und es stimmt, eine Aquarama Special ist teuer. Aber es gibt andere Modelle wie die Riva Junior oder die Olympic, die weniger kostspielig ist. Wir möchten den Interessenten ein Gefühl dafür geben.

Fahren Sie auch mit Ihren Booten?

Sicherlich, so oft wir können! Nur ein Beispiel: Beim Concorso d’Eleganza Villa d'Este werden einige unserer Rivas als Shuttle für VIP-Gäste genutzt. Das ist eine weitere Möglichkeit, unsere Leidenschaft mit anderen zu teilen.

Nur kein Neid...

Wie würden Sie Ihre Firma heute beschreiben?

Wir sind äußerst stolz auf unsere Historie und unsere Philosophie. Ich denke, unser Motto fasst es passend zusammen: „Seien Sie nicht eifersüchtig, wenn wir Ihre Riva mehr lieben, als Sie selbst es tun.“

Fotos: Rémi Dargegen for Classic Driver © 2015
 
Besuchen Sie die Website bellininautica.it, um mehr über den Riva-Reparaturbetrieb herauszufinden, oder klicken Sie sich direkt zur Sammlung. Übrigens: Auch im Classic Driver Yacht-Markt stehen zahlreiche klassische Riva zum Verkauf.