Lebe lieber ungewöhnlich – mit einem gelben Rolls-Royce

Von Monarchen und Popstars der 1960er Jahre gleichermaßen verehrt, war der Rolls-Royce Phantom V wohl das mächtigste und distinguierteste Automobil, das jemals über das Angesicht der Erde rollte. Bis heute gibt es kein besseres Shuttle, um zwischen Adelssitz und Rock-n’Roll-Nachtclub zu pendeln.

Es gibt eine Fülle an Anekdoten über die eher süffisanten Aspekte jener „good old days“ von Rolls-Royce, als sich die Marke noch in britischem Besitz befand wie beispielsweise die strikte Weigerung, PS-Zahlen zu veröffentlichen bis hin zur Behauptung, „dass ein Rolls-Royce nie liegenbleibt, sondern nur außer Stande ist, weiter zu fahren". Aber der Gipfel der Großspurigkeit wurde fraglos 1950 mit der Ankunft des Phantom IV erreicht, als angeblich mitgeteilt wurde, dass er „ausschließlich der Königlichen Familie Großbritanniens und Staatshäuptern“ vorbehalten sei. 

Es gab sicherlich gelungenere Verkaufsstrategien, denn nur 18 Exemplare wurden während der sechsjährigen Produktionszeit verkauft – eines musste schändliche Dienste als Pickup im Werk Crewe leisten, drei wurden an den spanischen Diktator General Franco ausgeliefert, zwei an den Schah von Persien. Doch als der Phantom V 1956 die Weltbühne betrat, öffneten sich die Orderbücher gewissermaßen für Jedermann, also auch jene, die kein eigenes Land besaßen. Diese Einsicht führte immerhin dazu, dass pro Jahr durchschnittlich fast 70 Automobile gefertigt wurden, ehe der „Phantom VI“ in 1968 die Stafette übernahm. 

Diese Demokratisierung des Rolls-Royce-Flaggschiffs öffnete Tür und Tor für eine ganze Reihe höchst außertourlicher Kunden wie beispielsweise kein geringerer als Beatle John Lennon, der seinen ersten Phantom V 1964 im Alter von 24 bestellt und dabei unbeabsichtigt seine persönliche Version eines „Black Badge“-Autos realisierte – mehr als 50 Jahre bevor das Werk selbst auf diesen Gedanken kam. Lennon spezifizierte Lack in Valentine's Black, schwarze Räder, ein schwarzes Interieur, ein Gepäckset aus schwarzem Leder, verdunkelte Scheiben und einen – schwarzweiß – Fernseher. Auch der berühmte Kühlergrill sollte schwarz sein, aber zog das Werk eine rote Linie, denn es verbot sich natürlich die Spirit of Ecstasy und ihren geheiligten Standplatz mit Sonderwünschen zu behelligen.

Als eines der 607 Exemplare, die ihre Karosserie von Park Ward erhielten, soll Lennon in das Auto nach heutiger Rechnung über 200.000 Pfund investiert haben, dazu gab er weitere 1.900 Pfund (heute 33.000 Pfund) aus, um die Rückbank in ein Doppelbett verwandeln zu lassen sowie einen „schwebenden“ Plattenspieler mit erschütterungsfester Nadel und einen Satz Außenlautsprecher, um sich an den Fan-Mob wenden zu können, ohne dabei seinen Rolls-Royce verlassen zu müssen. Im Herbst 1966 wurde Lennon im Phantom V nach Spanien chauffiert, um dort die schwarze Komödie „How I Won the War“ zu drehen. Anschließend benötigte das Auto eine umfassende technische wie auch kosmetische Überarbeitung. In letzterem Fall erhielt der Rolls-Royce die inzwischen legendäre Lackierung im Stil eines Fuhrwagens des fahrenden Volkes – nicht zuletzt deswegen kam das Auto 1985 bei Sotheby‘s für einen Rekordpreis von 2,2 Millionen US-Dollar unter den Hammer. 

Das bringt uns zur Frage: Wie steht es um Ihre künstelrischen Fähigkeiten? Denn wenn Sie den Pinsel zu schwingen verstehen, dann bietet Ihnen dieser vanillecremefarbene Phantom V die ideale Leinwand, um auf Lennons Spuren Ihre ganz persönliche, respektlose Rock’n‘Roll-Limousine zu erschaffen. Dieses sehr seltene Auto – nur 217 Stück wurden gebaut – mit einer Karosserie von James Young wird vom Auktionshaus Bellman´s als Teil einer Live-Online-Versteigerung am 21. April aufgerufen. Und mit einer Schätzung von 40.000 – 60.000 Pfund ist diese Offerte nur zu verlockend.

Wie bei den meisten Phantom V, die vom Band rollten, so hat auch dieses Beispiel eine bemerkenswerte Geschichte, denn es wurde 1963 als eines der ersten „B“-Series-Fahrzeuge gefertigt. Also wurde es mit den doppelten Frontscheinwerfern ausgestattet und zudem mit etwas, dass Rolls-Royce „als sieben Prozent leistungsfähigeren Motor aus dem Silver Cloud II“ bezeichnete – vermutlich bedeutet das, dass dieser zweieinhalb Tonnen schwere Riese – imperiale Tonnage natürlich – von über 220 PS unter der majestätischen Haube zum Gleiten gebracht wird.

In der ursprünglichen dezenteren Farbe Midnight Blue wurde das Auto im letzten Jahr auf dem Stand von James Young bei der London Motor Show ausgestellt, um der staunenden Masse Errungenschaften wie „Druckknopf-Türverriegelung“, „gemusterte Blenden für vorne und hinten“, „eine elektrisch betriebene Triplex-Abtrennung“, Radios für vorne und Fond und als eigens hervorgehobene Ausstattung noch der druckfeder-unterstützte Deckel des gekühlten Kofferraums – ein Ort, den man als Besitzer anderen überlässt.

Nachdem den Plebejern ein Reisestil vorgeführt wurde, in dessen Genuss sie selbst wohl nie kommen würden, wurde der Messe-Phantom V an seinen ersten Eigner verkauft: Ein gewisser Sir Patrick Hall, der, obwohl er zum Ritter geschlagen wurde, keinen weiteren Eintrag in den Geschichtsbüchern hinterließ. In den Worten des einstigen Granden der Tory-Partei, Michael Jopling, wohl eher einer von denen, „die ihre eigenen Möbel kaufen mussten.“ Aber nicht jeder kann einen möblierten Landsitz erben.

Dann wanderte der Rolls-Royce in den Besitz der Londoner Stirling Motor Company. Es hält sich das Gerücht, dass der Phantom auch einst der Königinmutter gehörte, allerdings war sie nicht als Gebrauchtwagenkundin bekannt.

Der aktuelle Eigner hielt diesem Auto 18 Jahre die Treue und wie Amy Shores charmante Bilder zeigen, war die Pflege stets standesgemäß. Deswegen waren die Karaffen gefüllt, die Trinkgläser funkelnd und wartete eine Vintage-Auswahl an Cohibas in der Fond-Armauflage – allerdings stießen diese Zigarren bei unseren sehr jungen Models auf Desinteresse. Aber wirklich fesselnd sind die exquisiten an „Steuer- und Backbord“ angebrachten Tagfahrlichter an jeder Seite der vorderen Windschutzscheibe in „gebogener Gestaltung“.

Sie deuten auch an, dass dieser besondere Rolls-Royce Phantom V noch eine weitaus spannendere Geschichte zu erzählen hat. Sollte die umfassende Historie seiner Vorbesitzer dereinst nur halb so bunt-schillernd wie die Lackierung sein, dann wird der Erwerb umso lohnender!

Fotos: Amy Shore für Classic Driver © 2021 Models: Lettice & Ludo Rothschild. Beide tragen ausgesuchte Stücke aus der aktuellen Kollektion von Connolly, Curry & Paxton und Duke + Dexter

Dieser außergewöhnliche Rolls-Royce Phantom V wird noch bis zum 21. April online vom Kunstauktionshaus Bellmans versteigert

Dieser Beitrag wurde produziert und veröffentlicht als Teil einer bezahlten Partnerschaft mit Bellmans. Classic Driver ist weder für den Inhalt noch für die oben enthaltene Information verantwortlich.