Kein Pardon für die Unerbittlichen während den harten 1.300 Meilen der LeJog-Rallye

Am Samstag, 4. Dezember, starteten 70 Autos in Land´s End, 54 passierten um 10.20 am Dienstag, 7. Dezember, nach 1.300 Meilen die Ziellinie. Die Rallye umfasste 20 Tests und 26 Gleichmäßigkeitsprüfungen und führte über die längste Route Großbritanniens. Nicht zu vergessen, das notorische Wetter.

Teams aus acht Länder schafften es, die Ziellinie im Schatten der berühmten Jog-Hinweisschilder zu überqueren und viele umarmten sich nach dem sie einer der unbarmherzigsten und schwierigsten Rallyes gemeistert hatten. Jeanette Ressemann, die Navigatorin von Fahrer Dirk Dohse im Porsche 924 war so beglückt und zugleich so erleichtert, dass auf dem Podium einige Tränen vergießen musste.

Bis zum bitteren Ende mussten die Teams auf alles gefasst bleiben. Selbst als sie die letzte Gleichmäßigkeitsprüfung passiert hatten, wartete noch ein geheimer Checkpoint. Für Mike Cochrane und Angus McQueen in ihrem BMW war dieser Umstand dramatisch und traurig, hatten sie doch bis zu den Punkt eine fantastische Rallye gefahren. Diese letzte unerwartete Hürde warf sie zurück, aber die LeJog gilt vom Start bis zum Ziel als berüchtigt und macht ihrem Ruf immer alle Ehre. Hier gibt es keine halben Sachen.

Die 1.300 Meilen lange Route wurde mit Geschick und Kreativität vom „Deputy Clerk of the Course“ Nick Reeves entworfen und ernte viel Beifall von den Teilnehmern. Aber wie der Rallye-Experte betonte, braucht man ein Team, um so einen anfordernden Event auf die Beine zu stellen. „Ich war schon etwas emotional, als ich hier ankam, denn es steckt hier so viel harte Arbeit, die ohne den Einsatz des gesamten Teams nicht zu leisten gewesen wäre. Alle müssen sich als Mannschaft engagieren, wenn mitten in der Nacht Dinge passieren wie Schneefall und gesperrte Straßen. Keiner kann so etwas alleine managen. Alle sind an Bord damit wir alle bis an den nördlichsten Punkt John O´Groats schaffen.“

„Das war einer der härtesten LeJob-Rallyes, die ich in den zehn Jahren, in denen ich dabei bin, erlebt habe“, fand Guy Woodcock, „Clerk of the Course“ und ein erfahrener LeJog-Teilnehmer und Organisator. „Jede nur erdenkliche Form von schlechtem Wetter – von Stürmen bis Hagel, von Schnee bis Blitzeis und überfluteten Pisten – hat uns getroffen. Letzte Nacht habe ich so viel Schnee und Eis wie noch nie zuvor in meinem Leben erlebt!“

Eigentlich hätte jeder, der das Ziel erreichte, eine Medaille verdient. Aufgrund dieser außerordentlichen Wettersituation waren die Teilnehmer mit umgefallenen Bäumen, gefluteten Tracks und an manchen Stellen mit Glatteis und Schnee konfrontiert. Das harte kompakte Eis nach einer weiteren Nacht unter null führte in den frühen Stunden am Dienstag über 40 Autos an ihre Grenzen – ausgerechnet bei der längsten und sehnlich erwarteten Gleichmäßigkeitsprüfung Loch Ness Monster mit ihren 45 Meilen Länge. Die Steigungen der Hügel waren wie glatt poliert und machten jeden Versuch, eine Prüfung zu absolvieren, zunichte. Der zerfurchte Eispanzer der Straße war so rutschig, dass Teilnehmer kaum aufrecht stehen konnten, geschweige denn versuchen konnten, ihre Rallyeautos bergauf zu schieben.

Aber die Spezialisten von Hero-Era haben wieder einmal bewiesen, weshalb sie führend in der Disziplin der Gleichmäßigkeitsrallyes sind. Über viele Jahre sorgfältig aufgebaut und gepflegt, erklärt das auch, weshalb sich jedes Jahr auffallend viele „Wiederholungstäter“ melden. Diese Auflage war für viele der herausforderndste Event im Lauf von zehn Jahren, weswegen auch die Medaillenlist mit nur 11 Ausgezeichneten kürzer als sonst war. Nur drei Teams griffen nach Gold und Silber, zwei sicherten sich Bronze und drei Crews holten sich die blauen Bänder ab. Was für eine fulminante Art, einen Schlussstrich unter das nicht minder anstrengende Jahr 2021 zu ziehen!

Fotos: Will Broadhead und Blue Passion für HERO-ERA © 2021