Bei Michael Schnabl offenbaren sich Schätze aus Porsches legendärer Geschichte

„Motorlegenden” mag zwar noch ein Newcomer in der deutschen Porscheszene sein. Aber Michael Schnabl hat schon jetzt einen herrlichen Bestand an seltenen und begehrenswerten Exemplaren aus Zuffenhausen in seinen Räumen am bayerischen Ammersee zusammengetragen.

Eine ausgeprägte Leidenschaft für bedeutende und seltene Modelle von Porsche, vor allem exzeptionelle frühe und aus dem Rennsport entwickelte 911er, sorgten dafür, dass Michael Schnabl das Textilunternehmen der Familie nach 20 Jahren an der Spitze verließ, um sein Leben endlich diesen Autos widmen zu können. Sein Unternehmen Motorlegenden befindet sich in einem großzügigen, renovierten ehemaligen Industriekomplex am Ammersee zwischen München und Starnberg und ist auf Beschaffung und Verkauf der seltensten und absolut einwandfreien Porsche weltweit spezialisiert. Ein Blick in Schnabls aktuellen Bestand verrät bereits welches Kaliber an Fahrzeugen er versammelt hat: Carrera 2.7 MFI, 964 Speedster, 993 Turbo, 964 3.6 Turbo, Boxster Spyder, und so weiter, und so weiter.

Während unseres Besuchs lud uns Schnabl zu einer fesselnden Ausfahrt mit dem derzeitigen Liebling seiner persönlichen Sammlung ein: ein 964 in Amethyst mit sehr seltener RS-Ausstattung. Wenige Kilometer durch die bayerische Landschaft genügen, um von Schnabls großer Begeisterung für die Marke mitgerissen zu werden.

Wie wurden Sie vom Porsche-Virus befallen?

Es fing alles Anfang der 2000er-Jahre an, als ich auf eBay meinen ersten Porsche 911 - einen 2.0 von 1967 - kaufte. Ich habe ihn ungesehen aus den USA importiert und ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass zu Beginn mehr Verzweiflung als Glück im Spiel war, denn das Auto war in ganz schlechtem Zustand. Ich hatte kein Geld mehr, aber ein Freund, der Mechaniker bei Volkswagen war, machte über Monate hinweg eine umfassende Restaurierung, von Karosserie über Motor bis zum Interieur.

Also haben Sie sich erst schrittweise verliebt?

Im Laufe der Instandsetzung begann ich die Einfachheit und die Effizienz des 911-Designs und der Technik zu verstehen, und lernte dabei auch, künftige Schwachpunkte zu erkennen. Als das Auto endlich fertig war, habe ich mich sofort nach Schwabing aufgemacht und bin mit offenem Schiebdach und röhrendem Auspuff herumgefahren. Als ich die zustimmenden Blicke der Passanten bemerkte, war es auch um mich geschehen.

Wie kam es zur Entscheidung, eine Porsche gewidmete Firma zu gründen?

Ich wollte immer mit Porsches und ihrer Community zu tun haben. Aber auf Grund der schlechten Gesundheit meines Vaters bin ich in unser Familienunternehmen, das zur Modeindustrie gehört, eingestiegen und führte das Erbe rund 20 Jahre weiter. In der Zeit habe ich viel über Management, Verkauf, Marketing, Qualität und den Wert enger, persönlicher Beziehungen zu Kunden gelernt. Unsere Firma wurde schließlich Marktführer, aber ich persönlich war unglücklich. Deswegen habe ich mich 2017 entschlossen, meinen eigenen Interessen zu folgen. Was vorher nur Hobby war, wurde mein neuer Beruf.

Wie würden Sie die Philosophie von Motorlegenden by Michael Schnabl beschreiben?

Ich habe das Unternehmen Anfang 2018 als Sammlernetzwerk und als Beratungsplattform rund um klassische Porsche etabliert. Ich moderiere sozusagen Suche, Beratung und den Handel seltener Porsche-Modelle zwischen Privatbesitzern und Interessenten. Außerdem biete ich mit „Speedloft 5Seen” Lagerflächen für Enthusiasten. Es ist mein Ziel, eine Gemeinschaft und eine Marke aufzubauen. Ich möchte mit Menschen die gemeinsame Leidenschaft teilen und Themen wie Werte, Restaurierung und Verkauf diskutieren. Der Aufbau der Firma verlangte harte Arbeit, aber ich ließ mich von meiner Idee und meiner Vision tragen. Ich habe aber von meinem Netzwerk und der strategischen Lage zwischen München und Starnberg profitiert.

Wie waren die ersten zwölf Monate?

Ich habe sehr schnell positives Feedback erhalten und die ersten Kunden begrüßen dürfen. Für Sammler und Enthusiasten, dazu zähle ich mich natürlich auch, gab es eindeutige eine Nachfrage nach einem Ansprechpartner jenseits der wichtigen Portale und Händler, der einem erlaubt, diskret aber transparent und sicher Autos zum Verkauf anzubieten. Inzwischen umfasst mein Inventar rund 15 bis 20 Fahrzeuge zu denen so seltene und gut gepflegte Exemplare gehören wie der Porsche 911 Carrera 2.7 MFI von 1974, der 930-Flachbau von 1987, zwei schmal gebaute 911 Speedster von 1989, 993 4S und ein 993 Turbo S. Im Bestand habe ich auch neue Modelle wie den GT3 Touring und den RS, Boxster Spyder und 991 R, weil ich beobachte, dass die Nachfrage nach ihnen steigt und bestens die klassischen Porsche meiner Kunden ergänzen.

Wie beurteilen Sie den aktuellen Markt für sammelnswerte Porsche?

In den Jahren zwischen 2015 und 2017 gab es einen echten Boom und die starke Nachfrage übertraf das Angebot. Außerdem tauchten Investoren, die eigentlich überhaupt nicht an Klassikern interessiert waren, am Markt auf, weil sie einen schnellen Profit witterten. Der Abschwung war nur eine Frage der Zeit, denn zu viele Autos in fragwürdigem Zustand wurden zu sehr hohen Preisen verkauft. Das hat die ehrlich leidenschaftlichen Sammler verunsichert. Das diese spekulative Periode definitiv vorbei ist.

Welche speziellen Porsche-Modelle finden Sie aktuell am spannendsten?

In der Preisspanne zwischen 50.000 und 80.000 Euro finde ich, dass die 911 G-Serie - vorzugsweise 3.2 und der 996 4S sowie der Turbo - ein Investment darstellt, dass viel Spaß verspricht. Dasselbe ließe sich auch vom 993 2S und 4S für rund 100.000 Euro sagen. Ich denke, dass die Werte für 964 RS, 993 Turbo und allen Speedster in gutem Zustand letztlich stabil bleiben. Hingegen werden Fahrzeuge mit Rennhistorie entsprechend höher gehandelt. Als Insider würde ich zum 2.7 Carrera mit RS-Motor raten ebenso wie zu den besten Transaxle-Modellen wie 924 GT, 968 CS und 928 GTS. Sie sind definitiv unterbewertet, aber ihr Wert könnte im Lauf der nächsten zehn Jahre steigen - passend zum aktuellen Interesse an luftgekühlten 911. Aber am wichtigsten ist, dass am heutigen Markt Geschichte und Zustand ebenso signifikant sind wie Seltenheit.

Was sollten Interessenten dieser Autos beachten?

Je nach Budget sollte man sich das Beste sichern - ein unfallfreies Fahrzeug mit Originallackierung, überzeugender Historie und Low Mileage sowie spezielle Innenraumoptionen und eine nachfragte Farbe. Diese Autos dürften an Wert gewinnen, obwohl sich die Generation der neuen Porschefahrer verändert. Spezialisten wie Singer und Magnus Walker betonen weniger die Originalität. Die Modelle, die für die nächste Generation spannend sein werden, sind anders und jünger. Deswegen meine ich, dass die Werte für 356 und frühe 911 in den kommenden zehn Jahren sogar stagnieren werden. Andererseits dürfte die Nachfrage nach jüngeren Modellen wie 964, 993 und 911 G-Serie künftig steigen. 

Über die Jahre gehörten Ihnen viele unterschiedliche Porsche. Was sind Ihre Favoriten?

Ich habe einen Liebling für jede Dekade! Der 911 F und S waren immer schon ein wesentlicher Bestandteil meiner Sammlung - ein 2.4 S Targa war sogar mein Hochzeitsauto. Ich habe sehr früh den 964 entdeckt und habe immer die klassische Form und die zuverlässige Technologie bewundert. Das aktuelle Highlight meiner Kollektion ist mein 964 Carrera in Amethyst, der vor der Auslieferung 1992 vom ursprünglichen Händler mit Porsche Exclusive-Optionen und sehr seltenen RS-Komponenten ausgestattet worden war. Zurzeit fahre ich einen 996 Turbo WLS und außerdem einen 924 Carrera GT. Aber ich mag die Abwechslung und halte nur so viele Fahrzeuge, die ich dann guten Gewissens bewegen kann!

Fotos: Mathieu Bonnevie für Classic Driver © 2019

Die Produktion dieses Artikels wurde freundlicherweise von Michael Schnabl zum Verkauf finanziell unterstützt.