Goodwood Revival Meeting 2004

Auch beim 7. Revival im südenglischen Goodwood ist es dem Veranstalter Lord March gelungen, noch mehr Zuschauer für den historischen Motorsport zu begeistern als im Jahr zuvor. Hinweisschilder auf den Straßen „Goodwood Revival-Sold Out“ ließen schon ahnen, dass es auch diesmal eine Veranstaltung der Superlative werden würde. Allein die Fahrzeuge am Zuschauerparkplatz „Pre 66“ hätten schon für ein hochkarätiges Starterfeld einiger Oldtimerveranstaltungen gereicht. Bei der Anreise konnte man sich nicht verfahren, da das Straßenbild mit dem automobilen Einheitsbrei plötzlich durch Jaguar, Bentley, MG und, und, und…unterbrochen wurde.

Am Freitag, dem Trainingstag, war der Höhepunkt die Bonhams Auktion, bei der neben Automobilia auch zirka 48 Automobile angeboten wurden. Als beim Mercedes Benz SSK, Baujahr 1929, aus der George Milligan Sammlung bei unglaublichen 3,8 Millionen Pfund, zirka 6,1 Millionen Euro, der Hammer fiel, wurde frenetisch applaudiert. Eine weitere Kostbarkeit, der 1931 gebaute Invicta 4 ½ Liter „Low Chassis S-Type“, wurde für fast 240.000 Pfund verkauft. Ein Mercedes-Benz 300 SL aus der Sammlung von Max Lips erbrachte zirka 95.000 Pfund.

Bei herrlichem – völlig unenglischem – Wetter wurden am Samstag und Sonntag insgesamt 13 Rennen in den verschiedensten Klassen von den Baujahren 1936 bis 1966 gefahren. Die Fahrer schonten dabei ihre kostbaren Klassiker nicht, sondern lieferten sich und dem Publikum packende Rad-an-Rad Duelle mit zahlreichen Ausritten und Drehern. Diese Fahrweise hatte einige Rennabbrüche und Neustarts zur Folge – sogar ein Überschlag war dabei – glücklicher weise blieben aber ernsthafte Verletzungen aus.

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Sehr spannend war das Rennen um die St. Marys Trophy für „Saloon Cars 1950-1959“, bei der sich auch kleinere Automobile, wie Austin A35 oder DKW – gefahren von Allan McNish – tapfer hielten. Oft stahlen die Kleinen den etablierten Jaguar MK I die Show. In dieser Gruppe fuhren auch Rowan Atkinson, besser bekannt als Mr. Bean, Derek Bell, Rene Arnoux, Nelson Piquet jun., Rauno Aaltonen, Patrick Tambay und Marc Surer. Dieses Starterfeld sorgte für Spannung pur.

Jochen Mass pilotierte in der „F1 Class 1954-1961“ einen wunderschönen Lancia D50 A, ein Modell, das schon mit Seitenkästen zwischen den Rädern versehen war. Sieger wurde Michael Schryver auf einem Lotus Climax 18 mit einem Schnitt von 162 km/h!

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In der „GT Class“ waren die Publikumslieblinge zwei Shelby American Cobra Daytona, die extra aus den USA persönlich von Carol Shelby nach Goodwood gebracht wurden. Die Beliebtheit von Carol Shelby ist nach wie vor groß und daher musste er fleißig Autogramme schreiben.

Sir Stirling Moss saß wegen seiner verletzten Bandscheiben leider im Rollstuhl und konnte keine Rennen bestreiten. Doch eine Ehrung wurde Moss zuteil: Er drehte mit einem Mercedes-Benz 300 SL am Steuer Ex-Mercedes-Benz-Chef Jürgen Hubbert eine Ehrenrunde auf der Strecke.Stark vertreten war auch die Mercedes-Benz „ Kompressor Sektion“ mit Peterheinz Kern, Markus Kern und Hermann Layher, die auf der Strecke in der „Brookland Class“ für ohrenbetäubendes Getöse sorgten. Immer dann, wenn sie nach dem Ende einer Schikane den Kompressor zuschalteten – ein Geräusch, bei dem man glaubt, das Ende des Motors steht kurz bevor! Die Rennstrecke von Goodwood wird als legitimer Nachfolger der Rennstrecke von Brooklands genannt, wo seit dem 2. Weltkrieg keine Rennen mehr gefahren werden – der Großvater von Lord March selbst nahm dort schon an automobilen Wettkämpfen teil.


Im Rahmenprogramm wurde Sir Jack Brabham geehrt. 23 Sportwagen, mit denen er einmal Rennen gefahren ist, vom Mini bis zum Brabham Cosworth BT33, wurden ihm zu Ehren auf die Strecke gebracht. Des weiteren waren Meilensteine der Automobilgeschichte von1954 bis 1964 zu sehen. Zu den Highlights zählten ohne Zweifel ein Mercedes W196 Streamliner und ein Ferrari 330 P, pilotiert vom Le Mans Sieger David Piper – der im übrigen im nächsten Jahr in Goodwood sein 50-järiges Rennjubiläum feiern wird.

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Abgesehen von den Rennen wurde es für die Zuschauer, die überwiegend passend zur damaligen Zeit gekleidet nach Goodwood kamen, nie langweilig. Es gab Flugshows mit alten Geräten, Livemusik von Dixieland Bands und zahlreiche Stände mit Einkaufsmöglichkeiten. Das Bestreben von Lord March, seine Veranstaltung zeitlich in die 50er und 60er Jahre zurückzuversetzen, ging sogar soweit, dass beispielsweise Fish and Chips im Zeitungspapier aus den 50er Jahren verkauft wurde! Im Innenfeld ließ er eine alte Maissorte anpflanzen, ebenfalls aus den 50ern. Sie wächst so, dass sie nur für die Ernte mit der Hand geeignet ist.

Das Publikum dankte dem engagierten Veranstalter mit einem ausverkauften Fest!

Text: Dr. Hans Jud
Fotos: Philipp Stodtmeister / Oliver Leyba / Dr. Hans Jud


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