Goodwood Revival 2011: Parkplatz der Eitelkeiten

Das Goodwood Revival steht vor der Tür – und während man in den hinteren Winkeln des Kleiderschranks nach der passenden „Glamwear“ aus den 1940er, 1950er und 1960er Jahren sucht, sollte man folgende goldene Regel beherzigen: It’s almost impossible to overdress for the Goodwood Revival!

Im vergangenen Jahr strömten mehr als 134.000 Besucher auf das Anwesen des Earl of March im englischen Goodwood – die meisten von ihnen in mehr oder minder aufwändiger Retro-Kostümierung. Wer beim dreitägigen Goodwood Revival (vom 16. bis 18. September) auffallen möchte, muss sich also etwas Besonderes einfallen lassen. Als Ermutigung sei zudem betont: Die einzige Art, sich nach Strich und Faden lächerlich zu machen, ist es, in moderner Alltagskleidung zu erscheinen. Tragen Sie Jeans, Turnschuhe und einen praktischen Nylon-Anorak – und Sie werden automatisch zur persona non grata, egal wie wichtig Sie im wirklichen Leben sein mögen. Ein Filzhut, ein klassischer Blazer oder eine Federboa dagegen genügen, um sich der zeitreisenden Gesellschaft anzuschließen. Und glauben Sie mir: Es lohnt sich!

Denn auch in diesem Jahr wird der Earl of March wieder einige Kaninchen aus dem Hut zaubern, mit denen keiner gerechnet hat. Doch auch die bereits angekündigten Programmpunkte lassen Vorfreude aufkommen: Da sind zum Einen die stets präsenten Superstars des Motorsports, unter ihnen der achtfache Le-Mans-Gewinner Tom Kristensen und der vierfache Tourenwagen-Weltmeister Andy Priaulx sowie die nordischen Rallye-Götter Stig Blomqvist und Rauno Aaltonen. Auf der Liste finden sich desweiteren Martin Brundle, Emanuele Pirro, Jochen Mass, Derek Bell, Richard Attwood,... die Liste ließe sich beliebig fortsetzen.

Und dann natürlich die Autos – doch wo beginnen? Allein die Royal Automobile Club TT Celebration hat sich mit GT-Sportwagen der Jahrgänge 1960 bis 1964 im Wert von 100 Millionen Pfund angekündigt, darunter Ikonen wie Ferrari 250 GTO und GT SWB, Aston Martin DB4GT Zagato, AC Cobra und Shelby Daytona. Und das in nur einem einzigen Rennen. Im Zimmer eines durchschnittlichen Schuljungen gäbe es nicht genug Platz, um von jedem außergewöhnlichen und wertvollen Sportwagen in Goodwood nur eine kleine Zeichnung aufzuhängen. Apropos wertvoll: Auch bei der freitäglichen Bonhams-Auktion besteht die Möglichkeit, einigen ausgesuchten Klassikern zu begegnen, die schnell den Wert von einem Dutzend moderner Oberklasse-Limousinen annehmen. Ob man nur gucken oder tatsächlich kaufen darf, sollte man zuvor mit dem Bankberater abklären.

Auch für Zweirad-Fanatiker hat das Goodwood Revival wieder einiges zu bieten: Da ist etwa die äußerst beliebte Barry Sheene Memorial Trophy für Motorräder bis 1966. In diesem Jahr gibt es zudem einen speziellen Paddock-Bereich für Motocross, wo man Fahrer-Legenden wie Les Archer (Norton), Dave Bickers (Greeves), Dave Curtis (Matchless), Arthur Lampkin (BSA), Don und Derek Rickman (Metisse) und Jeff Smith (BSA) antreffen kann. Muss man noch mehr sagen? Wer seine Augen lange genug von dem Geschehen am Boden loslösen kann, entdeckt auch in der Luft Spektakuläres – zum Beispiel ein Geschwader mit mehr als einem Dutzend klassischer Spitfire, das den 75. Geburtstag das vielleicht bekanntesten britischen Flugzeuges feiert.

Unter den zahlreichen Tribut-Veranstaltungen in diesem Jahr ist auch eine Hommage an Freddie March, den neunten Duke of Richmond – der Großvater des Earl of March und Gründer des 1948 eröffneten Goodwood Motor Cirucit. Natürlich wird auch beim Revival wieder der Jaguar E-Type als großes Geburtstagskind des Jahres geehrt. Etwas abseitig dürften kontinentaleuropäischen Besuchern derweil die drei „falschen Hochzeiten“ erscheinen, die im Look der Jahre 1948 bis 1966 in der St. Charles Chapel of Love abgehalten werden sollen und so einige Überraschungen versprechen. Ob man nun wegen der Rennwagen, Flugzeuge, Motorräder oder der unvergleichlichen Stimmung wegen nach Goodwood reist, sollte man doch schnellstmöglich das passende Outfit zusammen stellen. Der Geruch der Mottenkugeln braucht schließlich ein paar Tage, um zu verschwinden.

Weitere Informationen finden Sie unter www.goodwood.com.

Text: Charis Whitcombe
Fotos: Classic Driver / Roger Dixon