Die Höhepunkte der Uhrenauktionen im November - Teil 2

Zeitumstellung und kalte Herbstwinde können Fans klassischer Uhren nicht melancholisch stimmen, im Gegenteil: Seit dem letzten Wochenende ist es soweit. Die Kataloge aller Herbstauktionen sind online!

Im ersten Teil unserer großen Vorschau auf die Uhrenauktionen von Antiquorum, Christie's, Sotheby's, Bonhams und Dr. Crott im November beschrieb Uhrenfachmann Oliver Knop die wichtigsten Patek-Philippe des späten 19. Jahrhunderts und der Vorkriegsjahre, die in den kommenden Tagen zum Aufruf kommen. Im zweiten Teil widmet er sich nun den Patek Philippe des Nachkriegszeit, den Höhepunkten aus dem Rolex-Sortiment sowie einigen anderen, äußerst interessanten Uhrenklassikern aus den Katalogen.

Das Zeitalter der automatischen Uhren

Das Zeitalter der automatischen Uhren begann für Patek erst relativ spät im Jahr 1953 mit der Einführung der Referenz 2526. Von diesen Uhren mit ihren wunderschönen Werken 12‘‘‘-600 AT sind einige im Angebot (vgl. Lose 66, 71, sowie Antiquorum-Lose 282, 985 und Sotheby’s Los 343). Sie sind oft erschwingliche Einstiegsdrogen für den angehenden Aficionado. Weitaus seltener ist das Folgemodell Ref. 3428, das mit dem flacheren Werk 27-460 in nur wenigen Exemplaren in Weißgold hergestellt wurde und bei Christie’s Patek-Auktion als Los 78 angeboten wird.

Die Ur-Calatrava-Modelle Ref. 96 (Time Only/ Kaliber 12-120) und Ref. 130 (Chronograph/ Rohwerk Valjoux 23) waren auch der Ausgangspunkt für die Entwicklung der komplizierten Armbanduhren, die Patek berühmt gemacht haben. Beide Modelle wurden in den 1940er Jahren mit „ewigem Kalender“ unter den Referenzen 1499 (Kalenderchronograph, vgl. Los 46) bzw. Ref. 1526  ohne Chronographen-Funktion angeboten. In den 1950er Jahren erhielten die Uhren dieser Entwicklungslinien ein größeres und kräftigeres Gehäuse. Diese Stücke führen heute die Liste der begehrtesten Stücke unter Top-End-Sammlern an.

Das Los 59 ist eine Ref. 2499 der ersten Serie in superseltenem Roségold mit den ästhetisch ansprechenden, rechteckigen Drückern. Eine ähnliche Uhr der zweiten Serie mit runden Drückern wurde vor einem Jahr bei Christie’s für knapp zwei Millionen Schweizer Franken gehämmert. Ebenfalls außergewöhnlich ist das Los 63, bei dem es sich um einen ewigen Kalender auf der Basis des Werkes 27 SC handelt. Das Gehäuse dieser Ref. 2497 ist dem der Ref. 2499 ähnlich und besteht aus Weißgold. Auch diese wunderschöne Uhr mit Zentralsekunde ist so selten, dass sie gewiss ein Topergebnis erzielen wird. Ebenfalls erwähnenswert ist das viel jüngere Los 344 von 1991, bei dem in ein ähnlich schönes Gehäuse ein ewiger Kalender mit Schlagwerk eingebaut wurde. Auch diese Uhr ist historisch bedeutsam und wertvoll, weil sich hier alle Elemente vereinigen, die für den Sammler oder Liebhaber wichtig sind: Schönheit, Seltenheit und Tragbarkeit.

Es sind zu viele Uhren, die im Laufe der Jahre den Ruf von Patek begründet haben und hier angeboten werden, um sie alle zu erwähnen. Kein historischer Patek-Querschnitt wäre aber ohne Weltzeituhr nach dem Prinzip von Louis Cottier komplett. Die Christie’s-Themenauktion bietet ein solches Stück als Armbanduhr unter der Los-Nummer 64 an.

Die Stars von Rolex

Neben Patek ist Rolex die wichtigste Marke auf dem Sammlermarkt. In den letzten Jahren haben die Bewertungen so stark zugenommen, dass die Preise für manche Stücke die vergleichbarer Pateks sogar überholt haben. Allen voran natürlich die Rolex Daytona Handaufzugs-Chronographen. Nicht weniger als 50 Uhren dieses Typs stehen nun zum Verkauf. Am populärsten sind Referenzen mit „Newman Dial“. Einig ist sich die Sammlerwelt spätestens seit Christie’s Auktion „Daytona - Lesson One“ im letzten Jahr, dass Modelle mit verschraubten Drückern am seltensten und deshalb am wertvollsten sind. Ein wasserfester Chronograph Ref. 6263 in Stahl mit schwarzem „Newman-Blatt“ und Inversion des Markennamens von „Rolex Oyster Cosmograph“ auf „Rolex Cosmograph Oyster“ erzielte damals den Spitzenpreis von 989.000 Schweizer Franken. Eine solche „Oyster Sotto“-Uhr ist in diesem Jahr bei Dr. Crott mit Echtheitszertifikat im Angebot (Los 274).

Mittlerweile hat sich aber die Vermutung erhärtet, dass alle schwarzen „Newman-Blätter“ der Referenz 6263 über diese Besonderheit verfügen. Deshalb wundert es kaum, wenn Christie’s sein Los 498 als einzigartig beschreibt, weil bei dieser Uhr korrekterweise „Rolex Oyster Cosmograph“ auf dem Zifferblatt steht.  Wir dürfen gespannt auf die Bewertung durch den Markt warten. Neben Daytonas findet der Sammler aber auch alle anderen Modelle, die das Herz begehrt. Es werden Kalender-Chronographen der Referenzen 4767 (Sotheby’s-Los 281), 6036 (Sotheby’s-Los 321, Christie’s-Lose 141, 495) und 6236 (Christie’s-Los 248) genauso angeboten wie Mondphasen-Kalender der Referenzen 6062 (Antiquorum-Los 831, Christie’s-Los 247) und 8171 (Sotheby’s‘-Lose 284, 341, Antiquorum-Los 830, Christie’s-Los 139).

Ausgefallenes für Sammler und Investoren

In der Klasse der Taucheruhren findet sich eine sehr schöne Militäruhr aus den 1970er Jahren mit der Referenz 5513/7 (Sotheby’s-Los 337). Es ist sehr selten, eine solche Uhr mit korrektem Zeigerspiel und korrekter Lünette in einem guten Zustand zu finden.

Sehr schön und bedeutsam ist auch das Los 491 von Christie’s, bei dem es sich um ein Beispiel der ersten Generation professioneller Taucheruhren mit der Referenz 6200 handelt. Diese Uhr wurde in nur wenigen Exemplaren mit automatischen Werken der ersten Generation (A 296) gebaut und dann meist mit einem „3-6-9 Explorer-Dial‘“ausgestattet. Auch diese Uhren sind in der hier angebotenen Topqualität-Trophäen für betuchte Sammler und Investoren.

Ebenfalls starke Wertzuwächse haben GMT Masters mit der Referenz 6542 erfahren. Den Reiz machen hier der fehlende Kronenschutz und die in der Originalausstattung aus Bakelit hergestellte Leuchtlünette aus. Ein besonderes Stück ist Christie’s-Los 235 in 18k Gold, das über ein sehr attraktives patiniertes Zifferblatt verfügt. Für normale Verdiener müssen solche Uhren Träume bleiben.

Deshalb bemühen sich die Händler mehr und mehr, die ehemaligen Volumenmodelle von Rolex auf den Markt zu bringen. Dazu zählt die Day-Date. Auch solche Uhren werden zu Sammlerpreisen verkauft, wenn sie über sogenannte „Stella Dials“ in bunten Farben (vgl. z.B. Christie’s-Lose 191-195,  Sotheby’s-Lose 202-204) oder über den Aufdruck des Wappens eines Golfstaates verfügen (vgl. z.B. Christie’s-Lose 413-415).

Gentlemen – raise your paddles!

Wer sich an dem siedenden Rolex-Markt nicht die Finger verbrennen will, findet auch sehr schöne und interessante Uhren anderer Hersteller. Für Chronographen-Fans sei auf die Christie’s-Lose 108 bis 110, 331-33 der Marke Eberhard und die Lose 257, 260, 263, 264 der Marke Longines hingewiesen. Christie’s-Eberhard Lose 110 und 333 sind zwei sehr seltene und schöne Schleppzeiger-Chronographen. Wer sich eine wirkliche Steve-McQueen-Uhr anschaffen will, wie er sie 1971 in dem Kino-Klassiker „Le Mans“ trug, sollte auf Los 276 bei Christie’s achten. Diese Heuer Monaco kommt komplett mit Box und Papieren.

Christie’s-Los 259 der Marke Longines ist eine schöne und seltene Militäruhr. Kurzum, ob man nur träumen will oder tatsächlich kaufen – es ist für jeden etwas dabei. Und sollten Sie wegen der Anschaffungspreise in Argumentationsnöte geraten, hilft dieses Argument: Uhren sind eines der wenigen Hobbies, bei dem die Spielzeuge auch noch an Wert gewinnen!

Gentlemen – raise your paddles!

Antiquorum: Preview vom 6. bis 9. November, Auktion am 8. und 9. November 2014 ab 10:00 Uhr in der 3 Rue Mont Blanc, Genf

Christie's: Preview vom 7. bis 9. November, Auktion am 9. und 10. November 2014 ab 10:00 Uhr im Hotel des Bergues, Genf      

Sotheby's: Preview vom 8. bis 10. November, Auktion am 11. November 2014 im Hotel Beau Rivage, Genf    

Bonhams: Auktion am 11. November in der Montpelier Street in London-Knightsbridge

Dr. Crott: Auktion am 15. November 2014 am Friedrichsplatz 19, Mannheim

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