Die Höhepunkte der Uhrenauktionen im November - Teil 1

Zeitumstellung und kalte Herbstwinde können Fans klassischer Uhren nicht melancholisch stimmen, im Gegenteil: Seit dem letzten Wochenende ist es soweit. Die Kataloge aller Herbstauktionen sind online!

Rekordverdächtige 992 Lose kommen allein bei Antiquorum am 8. und 9. November unter den Hammer. Insgesamt sind es über 2.900 Stücke, die bei den führenden Auktionshäusern Christie’s, Sotheby’s, Antiquorum, Bonhams und Dr. Crott zwischen dem 8. und 15. November angeboten werden. Logischerweise bekommt Patek Philippe in diesem Jahr größte Aufmerksamkeit, feiert man doch den mittlerweile 175. Geburtstag einer nicht enden wollenden Erfolgsgeschichte.

Alle Augen auf Patek Philippe

Bei Christie’s wird diesem Ereignis gar ein gesonderter ‚Sale‘ gewidmet: Patek Philippe 175. Im Unterschied zur legendären Themenauktion Rolex Daytona - Lesson One des letzten Jahres gibt es hier aber keinen Fokus auf ein bestimmtes Modell, sondern eher einen Querschnitt durch das Schaffen der edlen Manufaktur. Am Anfang stand die Perfektionierung des Aufzugs- und Stellmechanismus’ über die Krone. Ohne diese Innovation, mit der der Name von Adrienne Philippe eng verbunden ist, wären Uhren in der heute üblichen Form nicht vorstellbar.

Schon immer kennzeichnend für Patek waren handwerkliche Perfektion und Präzision. Lose 13 und 25 sind zwei Taschenuhren, die mit ihren originalen Chronometer-Gangscheinen angeboten werden und über verschiedene Mechanismen reguliert werden. Zwischen beiden Uhren liegen nur 20 Jahre, in denen sich die Uhrenindustrie allerdings auf den Kopf gestellt hat. Konkurrierte das Modell aus dem Jahr 1891 noch mit den Chronometern der großen Uhrmacher der Schifffahrtsnation England um die besten Werte, hatte sich im Jahr 1911 die Situation gewandelt.  Zu diesem Zeitpunkt gab es die ersten kleinen Armbanduhrwerke, die es schafften, den strengen Kriterien der Observatoires zu entsprechen.

Bei Patek dagegen konzentrierte man sich weiter darauf, immer kompliziertere Taschenuhren zu fertigen. Armbanduhren aus der Zeit vor den 1930er Jahren sind deshalb vergleichsweise selten. Wenn es dann noch Chronographen sind, die im ungewöhnlichen Officer-Gehäuse mit noch ungewöhnlicherem Champagner- und Breguet-Zifferblatt auf den Markt kommen (Los 34), schlagen die Herzen der echten Kenner höher.

Von der Taschen- zur Armbanduhr

Die Neuzeit begann bei Patek mit der Übernahme durch den Zifferblatt-Hersteller Cadran Stern Frères im Jahr 1932: Die Ära der großen komplizierten Taschenuhren fand ihren Höhepunkt und ihr vorläufiges Ende mit der berühmten Henry Graves Super Complication aus dem Jahr 1932/33. Diese bedeutende Uhr kommt bei Sotheby’s am 11. November als Los 345 zur Versteigerung.

Man begann sich bei Patek jetzt mehr auf Armbanduhren zu konzentrieren. In dieser Zeit entstand das legendäre Calatrava-Gehäuse und die neuen Eigentümer entschieden sich zur Entwicklung eines eigenen Time-Only-Armbanduhren-Basiskalibers mit der Bezeichnung 12‘‘‘-120. Chronographen-Rohwerke wurden nicht mehr von Victorin Piguet bezogen, sondern bei Valjoux bestellt. Die neuen Chronographen-Werke auf der Basis des Valjoux 23 verfügten über die bis heute üblichen Drücker rechts und links von der Krone, während die von Victorin Piguet noch über einen Drücker zusätzlich zur Krone bedient wurden.

Es wurden zwei Uhren eingeführt, die schnell zur Legende wurden: Die Ref. 96 „Ur-Calatrava“ und der Chronograph Ref. 130 in ähnlichem Gehäuse. Mit ihrem für die 1930er Jahre typischen, kleinen Durchmesser von weniger als 34 mm entsprechen sie allerdings kaum mehr dem heutigen Verlangen nach „Präsenz“ am Handgelenk. Spitzenpreise erzielen hier nur Stücke mit Besonderheiten. Eine solche Uhr ist das Los 35 in Christie’s „Patek Philippe 175“-Auktion. Es handelt sich hier um einen Schleppzeiger-Chronographen der im Jahr 1930 produziert wurde. Doppelchronographen sind ohnehin eine Klasse für sich. Sofern diese Uhr nicht zu einem späteren Zeitpunkt in ihr Calatrava-Gehäuse „eingeschalt“ wurde, ist ihr Erscheinen eine kleine Sensation. Übliche Ref. 130 datieren von 1934 oder später und sind mit einem Valjoux-Ebauche ausgestattet. In der Uhr mit der Losnummer 35 steckt aber noch ein Werk von Victorin Piguet, und das schöne silberne Blatt trägt die begehrten, erhabenen Breguet-Ziffern. Das Sahnehäubchen bildet die Provenienz: Die Uhr wurde 1939 durch Cartier an den Luftfahrpionier William E. Boeing ausgeliefert.

Tragbare Sammlerstücke

Ein weiterer bedeutender Schleppzeiger-Chronograph ist die wasserfeste Ref. 1563 mit Valjoux-Ebauche und Pulsationsskala aus dem Besitz von Uhrenguru Jean-Claude Biver (Los 45). Schon in den 1930er Jahren bot Patek auch Versionen in größeren Gehäusen an. Damals nicht dem Zeitgeschmack entsprechend, war die Nachfrage aber eher gering. Heute sind gerade diese Uhren wegen ihrer „Tragbarkeit“ und Seltenheit begehrte Sammlerstücke. Ein ganz besonderes Beispiel ist der Chronograph Ref. 530 (Los 42). Sein Gehäuse ist nicht nur größer als das der Referenz 130, sondern aus dem für Patek ultraseltenen Material Staybrite, also Edelstahl, gefertigt. Es wird vermutet, dass insgesamt nicht mehr als neun bis zwölf Uhren dieser Art in Partien von jeweils drei Stück produziert wurden. Bei den bisher aufgetauchten Uhren sind im Gehäusedeckel unterhalb der Seriennummer Ziffern von eins bis drei eingestempelt. Bei Los 42 ist es eine „1“. Das lässt gemeinsam mit der niedrigsten bisher gefundenen Seriennummer darauf schließen, dass es die erste jemals in Stahl gefertigte Ref. 530 ist. Dazu kommt noch das begehrte „Sector Dial“ in dezentem Grausilber. Diese Uhr wird trotz der leichten Beschädigung des Blattes einen Rekordpreis erzielen.

Eine schöne Time-Only-Uhr im Oversized-Format ist Los 68, eine Ref. 570 aus den 1950er Jahren. Der Reiz dieser Uhr liegt neben ihrer Größe in dem Vorhandensein einer zentralen Sekunde. Standard ist bei Patek von jeher die kleine Sekunde bei 6 Uhr, die ein Zugeständnis an die angestrebte niedrige Bauhöhe des Werkes darstellt. Los 68 ist mit dem Werk 27 SC ausgerüstet. Obwohl das Kaliber im Unterschied zu den Werken der ersten Generation (12 SC) von vorn herein als Zentralsekunde ausgelegt ist, unterscheidet es sich vom Basiswerk 12‘‘‘-400 mit kleiner Sekunde durch seine um fast einen Millimeter größere Bauhöhe. Dem entsprechend ist das Gehäuse auch etwas massiver und wirkt maskuliner. Kommt es dann noch in edlem Platin mit zeitlos aufgeräumtem Zifferblatt-Design daher, sind hohe Gebote sicher.

Den zweiten Teil unserer großen Uhren-Auktionsvorschau lesen Sie am 5. November 2014.

Antiquorum: Preview vom 6. bis 9. November, Auktion am 8. und 9. November 2014 ab 10:00 Uhr in der 3 Rue Mont Blanc, Genf

Christie's: Preview vom 7. bis 9. November, Auktion am 9. und 10. November 2014 ab 10:00 Uhr im Hotel des Bergues, Genf      

Sotheby's: Preview vom 8. bis 10. November, Auktion am 11. November 2014 im Hotel Beau Rivage, Genf    

Bonhams: Auktion am 11. November in der Montpelier Street in London-Knightsbridge

Dr. Crott: Auktion am 15. November 2014 am Friedrichsplatz 19, Mannheim