Snapshot, 1960: John Surtees, der Mann, die Legende

Mai 1965, Momente vor dem Start zum 1000-km-Rennen auf dem Nürburgring. John Surtees bereitet sich mental vor, zieht noch einmal seine Handschuhe straff und fixiert zugleich schon sein gleich erwachendes Rennpferd...

Er ist schon Motorrad- und Formel 1-Weltmeister (1964), doch beileibe noch nicht satt von den Erfolgen. Davon zeugt Johns Einsatz bei diesem Langstreckenrennen, das er erstmals 1963 gewonnen hat und nun nach schnellster Trainingszeit im Ferrari 330 P2 von der Pole-position aus angeht. Nach sechs Stunden und 53 Minuten steht er dann zusammen mit Partner Ludovico Scarfiotti erneut auf der obersten Stufe des Podests. Doch die Saison 1965 bereitet dem Briten nicht nur Hochgefühle. Denn bald darauf kommt er bei einem haarsträubenden Unfall im kanadischen Mosport fast ums Leben, doch hält auch der ihn nicht auf. 1966 verlässt er zwar nach Differenzen mit dem Ferrari Rennleiter Eugenio Dragoni wegen der Nichtnominierung für Le Mans die Scuderia im Streit, doch gewinnt er dafür im gleichen Jahr auf einem Lola T70 die erstmals ausgeschriebene CanAm-Serie in den USA und Kanada. In der Formel 1 fährt Surtees nach dem Weggang von Ferrari zunächst für Cooper-Maserati, dann zwei Jahre für Honda und schließlich für BRM. Anfang der 1970er Jahre gründet „Big John“ dann seinen eigenen Rennstall – die Surtees Racing Organization. Die sich mit Monoposti der Formeln 1, 2 und 5000 einen Namen macht. 1972 wird Mike Hailwood auf Surtees Formel 2-Europameister, 1973 schafft Jochen Mass den Vize-Titel. Sowohl Mass als auch schon zuvor Rolf Stommelen starten ihre Formel 1-Karrieren auf Surtees. Dessen Rennstall jedoch schon 1978 schließen muss.

Nach dem tragischen Tod seines Sohnes Henry 2009 bei einem Formel 2-Rennen in Brands Hatch gründet John die Henry Surtees Foundation für Opfer von Verkehrsunfällen und zur Förderung junger Fahrtalente – ein Zeugnis seiner altruistischen und hilfsbereiten Natur.

Surtees selbst trat bis zuletzt immer wieder bei historischen Motorsport-Events auf, so beim Goodwood Revival. Und wird so auch jüngeren Motorsport-Fans noch zum Begriff. Um so schockierter ist die ganze Motorsportwelt – und auch die Classic Driver Redaktion – als am 10. März die Nachricht von Johns Tod mit 83 Jahren durchkommt. Damit ist nun Jackie Stewart der älteste noch lebende Formel 1-Weltmeister – während Il Grande John der einzige bleibt, der auf zwei (mit MV Agusta) und vier Rädern (Ferrari) Weltmeister wurde. 

Foto: Rainer W. Schlegelmilch / Getty Images