Bremen Classic Motorshow 2009


„British Racing Green!“ So lautete das zugkräftige Motto der siebten Bremen Classic Motorshow vom 6. bis zum 8. Februar 2009. Im übertragenen Sinne stand dieses Motto für freie Fahrt in die Bremer Messehallen: Mit exakt 36.379 Besuchern stellten die Bremer einen neuen Rekord ein. Zahlreiche neue und auch meist kleinere Händler, die Themenschau rund um britische Rennfahrzeuge sowie die private Fahrzeugbörse im Messeparkhaus zogen die Besucher magisch an. Wer auf die Preise schaute, staunte nicht schlecht: Von Krise offensichtlich keine Spur. Der Oldtimerhandel scheint sich aufwärts zu entwickeln.

Classic Driver sollte mit der vollmundigen Ankündigung der diesjährigen Bremen Classic Motorshow recht behalten: Keine Spur von Wirtschaftskrise bei der BCM. Mit einer Zahl von 36.379 Besuchern kann die beliebte Oldtimermesse im Norden tatsächlich einen neuen Rekord verzeichnen. Im vergangenen Jahr waren es noch 33.589 Gäste. „Eine Steigerung, mit der wir mehr als zufrieden sind. Unser Konzept, mit einem populären Thema, dem „British Racing Green“, in die Oldtimersaison zu starten, ist voll aufgegangen“, sagt Messechef Hans Peter Schneider.

 Bremen Classic Motorshow 2009 Bremen Classic Motorshow 2009

Natürlich bleibt die Bremer Messe mit den Besucherzahlen ähnlich wie die zuletzt deutlich expandierende Retro Classics in Stuttgart ein noch eher regional ausgerichtetes Event in der weit verzweigten Klassikerszene. Die alljährliche Techno Classica spielt in einer anderen Liga. Und dennoch: Die Bremen Classic Motorshow, das ist eine Messe, die sich zum Saisonauftakt in der Young- und Oldtimerszene mehr als nur etabliert hat. Sie ist nach der langen Winterzeit überaus beliebt. Auffallend sind jedes Jahr wieder die zahlreichen skandinavischen Besucher, die zum Start nach Bremen kommen. Und insgesamt 550 Händler aus 16 – vor allem europäischen – Nationen waren in diesem Jahr ebenfalls mit von der Partie. Ein bunter Mix aus Fahrzeugen, Händlern und Besuchern, welcher den Besuch in Bremen so erfrischend macht.

„Insbesondere am Freitag und Samstag haben wir im Vergleich zum Vorjahr deutlich mehr Besucher hinzu gewonnen. Gekauft haben diese vor allem Klassiker mit offensichtlich gutem Preis-Leistungsverhältnis und qualitativ überzeugendes Material für den historischen Rennsport“, sagt Frank Ruge, Projektleiter der Bremen Classic Motorshow, „In diesen Bereichen hat Bremen schon von sich Reden gemacht. Und beweist sich damit auch in vermeintlichen Krisenzeiten als feste Größe.“

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Wer sich bei Händlern und auch kaufwilligen Interessenten umhörte, stellte allerdings auch fest, dass die Messe Bremen für viele als Test gilt, welche Preisaufrufe in der jeweiligen Saison möglich sind. Sonderangebote gibt es eher zum Saisonende. Kenner notieren sich daher Kontaktdaten der Verkäufer und verhandeln später nach. Der „Aftermarket“ in Bremen ist daher vergleichsweise groß. Es sei denn, es kommen Klassiker zu sehr reellen Preisen zum Aufruf, wie zum Beispiel eine äußerst ehrlich wirkende Pagode mit Wertgutachten und belegbarer Historie beim Händler Kultmobile für knapp 40.000 Euro. Pagodenfreunde kamen hier schnell ins Grübeln. Auch ein klassischer roter Jensen Interceptor, angeboten für unter zehntausend Euro, war binnen Stunden zugeschlagen.

Bemerkenswert ist immer wieder das Angebot klassischer Porsche-Fahrzeuge. Insbesondere die Cabrio-und Targa-Modelle scheinen derzeit eine deutliche Aufschwungphase zu erleben. - Sicherer als in einem klassischen Porsche kann man derzeit sein Geld kaum anlegen. Doch auch britische Roadster wie Austin Healey, MG, Morgan oder Triumph scheinen weiterhin eine solide Wahl zu sein. Kein Wunder: Britische Sportwagen sind immer beliebte Einstiegsfahrzeuge in die Szene.

Schwieriger ist der Markt bei großen Limousinen. So war ein glänzend wirkender Rolls-Royce Silver Spirit II mit einer Laufleistung von gerade einmal 14.500 Kilometer für knapp 30.000 Euro zu haben. Beinahe irre schien der Preisaufruf für einen weißen BMW M3 in der Privatverkäuferecke im Parkhaus. Mit knapp 300.000 Kilometer auf dem Tacho lag die Wunschvorstellung bei deutlich über 17.000 Euro. Der von Classic Driver unlängst getestete weiße BMW 850i fand sich in Bremen übrigens auch zum Verkauf ein.

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Auffällig weiterhin: Die wichtigen Classic Driver Händler Steenbuck Automobiles, Thiesen KG und Classic Driver Neuzugang Mirbach waren diesmal bis auf Einzelexponate mit keinem großen Stand vertreten – die Händler scheinen verstärkt auf die Anziehungskraft ihrer eigenen Showrooms zu setzen; auch das ein möglicher Trend 2009. Die entstandene räumliche Lücke wurde in Bremen durch kleinere Händler wie Royal Falcon Classic Cars, Morgan Park, Automobilmanufaktur und durch schön gestaltete Stände der bunten Club-Szene aufgefüllt.

Frische Spannung verheißt ein neues Projekt in der Bremer Übersee-Stadt. Hier soll in 2009 und 2010 in einem Kaischuppen eine automobile Erlebniswelt entstehen, die sich mit einer breiteren thematischen Ausrichtung von bekannten Meilenwerk-Konzepten unterscheiden wird. Dies verspricht zumindest Projektleiter Daniel Hornung. Classic Driver behält das ambitionierte Projekt mit dem Titel „Schuppen Eins“ im Auge und wird über dessen Fortentwicklung berichten. Weitere Autoprojekte sind im übrigen in Hameln (Räderwerk) und auch in Rüsselsheim (Autowerk) geplant. Kein Zweifel: Die automobile Erlebniswelt fasziniert. Auch der Ausbau des Zentrums Nürburgring soll in 2009 weiter voran gehen, wie in Bremen ein großer Stand darlegte. „Classic Life“ vermittelten in Bremen neue Anbieter wie FirstClassRent, die mit einem enervierenden Mix aus erlesenen britischen Oldtimern und feinen Yachten um Erholungssuchende werben.

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Noch ein kurzer Blick auf die Sonderschauen der Bremen Classic Motorshow: Neben den „Helden des Alltags“ und „Motorräder des Empire“ war dies vor allem das britische Grün. Den Ursprung des „British Racing Green“ markierte der Napier „Gordon Bennett“ von 1903. Für das Rennen in Irland traten die Engländer zu Ehren der Insel in einem grün lackierten Rennwagen der Firma Napier & Son an. Das Fahrzeug ist eines der ältesten britischen Rennwagen überhaupt. Die Konstruktion des Lotus 49 setzte 1967 neue Maßstäbe im Rennwagenbau. Nick Mason, Drummer bei Pink Floyd, stellte der Bremen Classic Motorshow seinen Jaguar D-Type zur Verfügung. Der mächtige Bentley „Mother Gun“ von 1927 ist einer der berühmtesten Bentleys und beeindruckte auch in Bremen mit seinen technischen Raffinessen: Das Chassis ist das des ersten 4,5-Liter Modells und als Motor erhielt der Mother Gun 1934 einen 6,5-Liter Sechszylinder wie beim Speed Six, der 1930 in Le Mans bereits den fünften Sieg für Bentley einfuhr. Für Rekordeinsätze in Brooklands wurde dieser Wagen dann zum Einsitzer umgebaut. Bei einem Radstand von 3,3 Meter und einem Gewicht von 1,8 Tonnen erreicht der Mother Gun eine Leistung von 350 PS und eine atemberaubende Geschwindigkeit von 240 km/h – wohlgemerkt ein Auto aus den Zwanziger Jahren.

Wenn jetzt auch Ihr Interesse geweckt ist, besuchen Sie eine der zahlreichen Klassikermessen in 2009 und notieren Sie sich bereits jetzt den Termin für 2010 in Bremen. Denn das Datum für die achte Bremen Classic Motorshow steht bereits fest: Sie findet vom 5. bis 7. Februar 2010 statt.

Text & Fotos: Mathias Paulokat






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