Was kommt als nächstes? Der Aston Martin Thor?

Erst der Walkürenritt, nun der Einzug in die Walhalla: In der Namensentwicklungsabteilung bei Aston Martin sitzt entweder ein Hardcore-Wagnerianer – oder, wahrscheinlicher, der Marvel-Superheldenfilm „Thor“ läuft im Designstudio von Gaydon in Endlosschleife.

Mit exotischen Namen ist es ja so eine Sache. Ein Jimmy Rakete oder eine Fantasia Blue sind auf dem Kindergeburtstag zwar die Stars, doch spätestens wenn es an die Bewerbung um den Ausbildungsplatz bei der Hamburg-Mannheimer geht, ist der Glitzer von einst meist verblasst. Auch jene Eltern, die Töchter nach der blonden Drachenkönigin Daenerys Targaryen aus der Fantasy-Serie „Games of Thrones“ benannt haben, bekamen  – Achtung, Spoiler – während des großen Finales der Sendung wahrscheinlich kalte Füße. Und bevor man seinen Neugeborenen auf Shiva, Kronos oder Cruach tauft, sollte man zumindest einmal bei Wikipedia nachlesen, welche kinderfressenden Ungetüme der Nachwuchs da zum Namenspatron erhält. Auch bei Aston Martin neigt man neuerdings zum Neopaganismus in der Namensgebung: Hießen die Modelle einst eher unverfänglich Vantage oder Vanquish, werden derzeit die ganz großen mythologischen Geschütze aufgefahren: Auf den Aston Martin Valkyrie folgt nun der (oder die?) Aston Martin Valhalla. Das bisher unter dem Codenamen AM-RB 003 entwickelte Carbonfaser-Hybrid-Hypercar soll 500 Mal gebaut werden. 

Die britischen Automobilisten sind freilich nicht die ersten, die sich der Faszination der altnordischen Mythologie entziehen können: Schon Richard Wagner komponierte den „Ritt der Walküren“ und ließ in der „Götterdämmerung“ die Kriegshelden in die Walhalla einziehen. Schwer en vogue waren die vorzeitlichen Dramen der nordischen und kontinentalgermanischen Mythologie auch in den 1930er Jahren in Deutschland, als sie – mit nationalsozialistischer Propaganda ungenießbar gewürzt – zum narrativen Grundbau großdeutscher Allmachtsfantasien erklärt wurden. Zuletzt wurde der Stoff von den Marvel-Studios für ihr Superheldenspektakel „Thor“ neu aufgekocht. Auch wenn Aston Martins neue, nordisch-schwülstige Namensgebung heute mehr peinlich berührt als verstört, sind wir gespannt, welchen Helden die Entwicklungsabteilung als nächstes bemüht. Den Göttervater Odin oder vielleicht den Hammerwerfer Thor? Zumindest der Schauplatz von Ragnarøkkr – jener letzten Schlacht, in deren Götterdämmerung die Welt ihr Ende findet – steht bereits fest: Der Aston Martin Valkyrie startet 2021 in Le Mans.