Schweizer Automobilkultur in Bestform beim Zurich Classic Car Award

Die Schweiz ist klein, doch in Sachen Automobilkultur spielt das Land in der ersten Liga – das zeigte sich diese Woche wieder einmal beim Concours of Elegance anlässlich des Zurich Classic Car Awards.

Es spricht für das Understatementbewusstsein der Veranstalter, dass sie den Zurich Classic Car Award an einem Mittwochnachmittag im alten Musikpavillon auf dem Zürcher Bürkliplatz verleihen. Und so schlendern zwischen den rund 50 Klassikern nicht nur die bekannten Gesichter der deutschschweizer Sammlerszene, sondern auch zahlreiche Banker in der Mittagspause, Powershopper aus den Boutiquen der Bahnhofstraße und einige asiatische Touristen mit ihren Selfiesticks umher, während eine Jazzband für den passenden Soundtrack sorgt. Alles entspannt, gediegen, unaufgeregt – aber, wie es sich für Zürich gehört, erstklassig besetzt. Tatsächlich hat die Schweiz wohl eine der interessantesten Automobilszenen der Welt, hier findet man all jene seltenen Modelle und obskuren Marken, die man sonst kaum zu Gesicht bekommt. 

Wann haben Sie beispielsweise zuletzt einen Monteverdi 375 High Speed unter freiem Himmel gesehen, einen Alvis Graber Special oder einen Bond Equipe GT – jenes seltsame britische Siebzigerjahre-Coupé mit seiner obskuren Fieberglas-Fastback-Karosserie? Und wieso denkt man beim Stichwort Alpine eigentlich immer an die A110, wo doch die Alpine 108 Tour de France den typischen Markenlook etablierte? Auch Classic Driver Händler Koni Lutziger bewies wieder einmal seinen Sinn für ungewöhnliche Automobile – und kam mit einem wunderbaren, von Bertone entworfenen Arnolt-Bristol auf den Bürkliplatz. 

Zum 70. Geburtstag von Abarth hatten die Veranstalter zudem eine exzellente Auswahl der kompakten italienischen Rennwunder zusammengebracht. Vor allem der Abarth OT 2000 mit seinem U-Boot-Periskop und seinem dröhnenden Trompeten-von Jericho-Auspuff beglückte die Zuschauer. Für Freude sorgte auch die kleine Auswahl an Microcars: Eine Isetta oder einen Messerschmitt Kabinenroller erkennen wahrscheinlich die meisten Automobilfreunde auf Anhieb, aber ein echten „Spatz“ – jenen in den 1950er Jahren bei den Bayerischen Autowerken in Kleinstauflage gebauten Kunststoff-Flitzer – haben zumindest wir bisher noch nicht in freier Wildbahn gesehen.

Der ausgeprägte Sinn der Züricher Sammlerszene für britische Eleganz zeigte sich derweil nicht nur in den eleganten Tweedanzügen und Maßschuhen zahlreicher Besitzer, sondern auch in der automobilen Auswahl: Einen echten Aston Martin DB5 Shooting Brake samt zeitgenössischem Picknick-Set in Blickweite des altehrwürdigen Baur au Lac geparkt zu sehen, während nur wenige Schritte entfernt die Möwen am Zürichsee die Dampfschiffe umfliegen – das ist schon ein Moment für die Ewigkeit. Auch der 100. Geburtstag von Bentley wurde freilich mit einem feinen Aufgebot der englischen Grand Tourer von R-Type bis Turbo gefeiert. Und den Brückenschlag zu den Riva- und Boesch-Holzbooten, die an diesem Augusttag auf den Wellen schaukelten, schlug der Concours mit einem eindrucksvollen Rolls-Royce Phantom I Boattail Roadster aus dem Jahr 1928.

Und während wir den anregenden Nachmittag bei einem Café Creme bei Sprüngli am Paradeplatz ausklingen ließen, fragen wir uns doch, welche automobilen Schätze wohl noch in den gut versteckten Garagen Zürichs und der Schweiz zu entdecken wären. Einmal mehr bestätigte sich die Erkenntnis, das wir für unsere Redaktion genau die richtige Stadt ausgesucht haben. 

Fotos: Andrea Klainguti für Classic © 2019