Rumble in the Alps: Ein Kampf im Porsche gegen die Uhr

Der „Thrilla in Manila“ oder der „Rumble in the Jungle“ gehören zu den großen Kämpfen der Boxgeschichte. Einen Fight auf der Bergstrecke lieferte sich J. Philip Rathgen hinter dem Steuer einer anderen Boxer-Legende, dem Porsche 911 Carrera 2.7 RS. In welcher Kurve unser Autor KO ging lesen sie hier.

Arosa im Spätsommer. Für mich ein bekannter Ort, denn fast genau ein Jahr zuvor stellte ich mich den 76 Kurven der Strecke des Amateur-Bergrennens Arosa Car Classic. Wie auch im Vorjahr lud Porsche zur Kurvenhatz in einem seiner Museums-Sportwagen in den Schweizer Kanton Graubünden. Vermeintlich alles „business as usual“ - doch irgendetwas war anders.

Meinen Fahrkünsten nicht trauend, überließ mir das Porsche-Team 2012 den (völlig zu unrecht als „Hausfrauen-Porsche“ verspotteten) Porsche 924 Carrera GT. Anscheinend habe ich die Bewährungsprobe bestanden, so dass man mir – trotz aller Begeisterung für den 924 – nun einen Über-911er als Sparringspartner überlässt. Welch ein Glück.

Da stehe ich nun Auge in Auge mit der Legende aus Zuffenhausen. Was Muhammad Ali für den Boxsport, das war der ­Carrera RS 2.7 für die Autowelt der Siebziger. Flink, ausdauernd und mit einer Durchzugskraft, wie die gefürchtete Rechte des US-Box-Champs. Ehrfürchtig umrunde ich den Traumwagen meiner Jugend. Anstatt Hellgelb hätte ich mir einen vipergrünen RS gewünscht. Doch die Farbe rückt in den Hintergrund, denn diesen Ferrari-Jäger umgibt eine Aura des Mystischen, die mich sofort in ihren Bann zieht.

Der RS ist kein zurückhaltender Genosse. Und geizt nicht mir seinen sportlichen Reizen. Der ikonische Schriftzug an den Seitenschwellern und der „Bürzel“ genannte Heckspoiler sprechen den GT-Dialekt. Mein RS verließ die Werkshallen 1973 und ist mit der komfortableren „Touring“-Ausstattung versehen, die etwas gemäßigter daherkommt als die des Leichtbau-RS. Aus seinem 2.7-Liter-Boxer-Motor schöpft der Sportler 210 PS und beschleunigt auf maximal 245 km/h.

„Ring frei“ für den Kampf mit dem Berg über 76 Runden – ich meine Kurven. Den Über-Elfer starte ich mit Links und schon knurrt das sportliche Aggregat fordernd nach mehr Gas. Aufgeregt und das Herz bis zum Anschlag bollernd, warte ich auf den Gongschlag zum Start der ersten Runde. Die Fahne fällt und mit zittrigem Fuß drücke ich die Kupplung und lege den ersten Gang ein. Aus dem Heck grollen zornige Rufe nach mehr, immer mehr. Die Nadel des großen Drehzahlmessers schnellt von Tausendermarke zu Tausendermarke. Zweiter Gang, und gerade als es am schönsten ist, zwingt die erste Kehre zum festen Druck auf die Bremse. Das Herz schlägt hart und schnell wie eine Kanonade von Ali-Fäusten. Die Atmung wird schneller, ich im Selbstgespräch versuche ich mich zu beruhigen. Ohne Erfolg.

Durch die ersten Kurven fliege ich, während die Stoppuhr erbarmungslos tickt. Aus Respekt vor dem gefürchteten Elfer-Dreher gehe ich es etwas langsamer an, was auch meinem strapazierten Herzmuskel etwas Entlastung verschafft. Doch der RS verlangt nach mehr und wiegt mich in trügerischer Sicherheit. Diese Zuversicht soll sich auszahlen und ab Kurve 48 sind der 911er und ich ein Team. Nach rund 6 Minuten ist die Hatz vorbei.

Auf diesen ersten Lauf sollten noch drei weitere folgen, in deren Verlauf der RS und ich zu besten Freunden wurden und wir gemeinsam die in Kurven verpackten Kinnhaken durch gute Deckung wegsteckten. In einem RS den Berg zu bezwingen, ist eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Nur zu Recht trägt dieser Porsche einen Legendenstatus.

Fotos: Urs Homberger

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