Ist dieser Porsche 964 Carrera RS 3.8 wirklich eine Million Dollar wert?

Im März 2014 verkaufte das Auktionshaus Gooding einen Porsche 911 Carrera 2.7 RS Lightweight für über eine Million Dollar – ganz zum Erstaunen des internationalen Sammlermarkts. Doch warum sollte man für einen weitaus jüngeren Porsche der 964er-Generation ebenso viel zahlen?

Unerwartete (aber willkommene) Besucher


Als wir kürzlich den einmaligen Ferrari „Daytona“ Shooting Brake fotografierten, trafen wir unerwartet auf zwei 90er-Jahre-Porsche. Zugegeben ist dies in unserer Branche nicht ungewöhnlich, haben Autohändler, egal auf welche Marke sie sich spezialisiert haben, meist auch eine Schwäche für die luftgekühlten Sportwagen aus Zuffenhausen. Doch während der eine 964 (das Auto eines Mitglieds des Fotografenteams) momentan etwa so viel kostet wie eine Familien-Limousine, steht der andere für etwa eine Million US-Dollar zum Verkauf. Wie kann das sein? Wir haben nachgeforscht…

Spezielle Sportbekleidung erforderlich


In den frühen 90er Jahren – fast zwei Jahrzehnte nachdem der legendäre Porsche 911 2.7 RS in Kleinserie auf den Markt kam – führte Porsche mit dem RS auf Basis der 964er-Baureihe die Lightweight-Formel wieder ein. Angetrieben wurde der RS vom 3,6-Liter-Sechszylinderboxer aus dem Carrera-Regal, jedoch mit einer dezenten Leistungssteigerung auf über 260 PS. Doch viel wichtiger war das radikale Diätprogramm am Elfer.

Überflüssige Ausstattungsfeatures wie Schallisolierung, Klimaanlage und elektrische Fensterheber wurden konsequent eingespart. Stattdessen erhielt der Porsche 911 einen Überrollkäfig, ein aus dem Rennsport abgeleitetes Fahrwerk und breitere Räder. Sogar eine Sonnenblendenbeleuchtung war nur optional erhältlich. Die allseits bekannte Phrase „Rennsport für die Straße“ wurde durch Sportwagen wie ihn geprägt, lange bevor die Marketingbüros diesen Slogan für sich entdeckten und für weniger potente Sportwagen missbrauchte. Dazu eine schöne Anekdote eines Besitzers: „Auf einer Fahrt Richtung Frankreich bat mich einmal meine Frau, rechts ran zu fahren, damit sie ihren Sport-BH anziehen könne.“ Das sagt doch alles.

Als der maskuline 3.6 RS noch maskuliner wurde


Der extreme Charakter des 3.6 RS wurde von einem relativ unscheinbaren Äußeren verschleiert. Doch das sollte sich schon bald ändern: Unter Verwendung der maskulinen Breitbau-Karosserie des Turbos (plus Speedline-Tiefbettfelgen) legte Porsche mit einem „Evolutionsmodell“, dem 3.8 RS, nach. Das Auto hatte nun über 300 PS. Werksrennfahrer Jürgen Barth leitete die Entwicklung des Porsche 911, und es hätte wohl kein Geeigneter tun können, war es doch Barth, der 1993 mit einem RSR, der den gleichen Motor besaß, einen Klassensieg in Le Mans einfuhr. Insgesamt sollten nur 55 Exemplare des 3.8 RS gebaut werden.

Der 911 RS 3.8 hat also Seltenheitswert, Rennsportgene (der RSR siegte auch in Spa und Suzuka) und in seinen Adern fließt das Blut des 2.7 RS. Des Weiteren hat das hier gezeigte Exemplar weniger als 13.000 Meilen gelaufen und ist eines von nur zwei rechtsgelenkten Autos. Einer von beiden wanderte gerade erst in die Sammlung eines berühmten Rennsport-Weltmeisters. Es ist momentan also eine einmalige Gelegenheit, diesen rechtsgelenkten 911 RS 3.8 zu erwerben. Denken Sie nur daran, ihrer Beifahrerin rechtzeitig das passende Outfit anzuraten.

Fotos: Amy Shore for Classic Driver

Den hier poträtierten Porsche 911 3.8 RS finden Sie im Angebot von Hexagon Classic.

Im Classic Driver Markt stehen übrigens über 570 weitere moderne und klassische Porsche zum Verkauf.