Rally Raid Revival mit diesem unverwüstlichen Paris-Dakar Lada Niva

Nachdem Romain Grabowski vergebens nach dem Lada Niva gesucht hatte, mit dem sein verstorbener Vater 1982 die Paris-Dakar bestritt, gab er nicht auf. Stattdessen baute er eine originalgetreue Replica des rustikalen sowjetischen 4x4 auf und unterzog ihm sogleich einem afrikanischen Härtetest...

Wir sind im Jahr 1982. Mit nur einer Handvoll Sponsoren und einem schmalen Budget kam für den Franzosen Denis Grabowski und seinen Beifahrer Philippe Cheron realistisch betrachtet nur ein Wagen für die Paris-Dakar jenes Jahren infrage: ein Lada Niva. 

Dass allradgetriebene sowjetische Relikt hatte bei der Dakar von 1981 dem Medizinteam der Rallye als Einsatzfahrzeug gedient und dabei seine Offroad-Qualitäten unter Beweis gestellt. Für 1982 nun griff der französische Lada Importeur allen, die mit einem seiner Autos an den Start gehen wollten, mit etwas Geld und einem Ersatzteilpaket unter die Arme. Ansonsten musste Grabowski seinen Niva mit nur bescheidenen Modifikationen rallyefertig machen – der 1,6 Liter große Vierzylinder zum Beispiel blieb unverändert. Das wenige, was zu tun war, erledigte er kurzerhand mit Hilfe von Kollegen aus seinem Rugbyteam. 

Rund 100.000 Francs Einsatz – nach heutiger Währung rund 15.000 Euro – und ein bisschen Lack in den Farben einer bekannten französischen Baufirma – und Grabowski war startklar für die knapp 10.000 Kilometer lange Härtetour von Paris in die senegalesische Hauptstadt Dakar. Alles lief glatt – bis ein irreparabler Zündungsschaden in Mali zum Ausfall führte. Die Rallye mochte offiziell für Grabowski und Cheron beendet gewesen sein, doch sollte ihr eigentliches Abenteuer erst noch beginnen. 

Grabowskis Sohn Romain erzählt die Geschichte: „Nach dem Rückzug fand mein Vater einen Weg in den Süden von Algerien, wo er einen Lkw zum Aufladen des havarierten Lada organisierte. Er flog dann weiter nach Norden und traf das Auto ein paar Tage später an einem Hotel, von wo aus er die für den Rücktransport benötigten Zollformalitäten vorbereitete. Doch dann wurden ihnen über Nacht alle Habseligkeiten gestohlen. Plötzlich standen sie ohne Pässe und Personalausweise da und mussten ihren Aufenthalt verlängern, um die Angelegenheit auf der französischen Botschaft zu klären. Damals gab mein Vater der französischen Presse ein Interview, in dem er sagte, dass die Organisation der Paris-Dakar grausam sei und er nie wieder dort antreten werde. Zwei Jahre später war er zurück.“ 

Romain wuchs in Nordfrankreich auf und war sich der Bedeutung des sonderbaren, in der Garage abgestellten Off-Roaders nie ganz bewusst. Und dann, in den frühen 2000ern, war der Niva plötzlich verschwunden. Als Denis Grabowski dann vor vier Jahren verstarb, kam Romain die Idee, den Verbleib des Ladas zu erkunden und das geliebte Auto seines Vaters zurückzukaufen. 

„Ich verbrachte sechs Monate auf klassifizierten Websites und Foren, auf denen ich mich mit der Lada Community austauschte. Doch es war eine fruchtlose Suche. Stattdessen entschied ich mich, einen Niva Baujahr 1981 zu kaufen und auf dessen Basis eine originalgetreue Replica aufzubauen. Mit Hilfe der wenigen historischen Fotos und Dokumente, die ich als Referenz besaß, dauerte es dann acht Monate, ehe das Auto bis in die kleinsten Details wieder so dastand wie damals bei der Dakar.“ 

Was Romain half, war die Tatsache, dass wie schon in den 80er-Jahren Ladas bis heute billig sind und es viele russische Websites gibt, über die man Ersatzteile bestellen kann. Etwas langwieriger gestaltete sich die Suche nach Kunststoffverkleidungen für die Seitenwände und das Dach – Romain erwarb von einer Gebrauchtwagen-Website einen Satz und ließ ihn - weil in schlechtem Zustand – bei einem auf die Restaurierung von Kunststoffteilen spezialisierten Betrieb neu aufbereiten. 

Der vordere Rammschutzbügel, allgemein als „bull bar“ bekannt, war dann das letzte Teil des Puzzles. Und zugleich ein Teil, das scheinbar nirgendwo mehr aufzutreiben war. „Endlich fand ich dann einen Typen, der einen Niva mit bull bar verkaufte und ich fragte ihn, ob ich ihm nur den Bügel abkaufen könnte – was er zunächst ablehnte. Doch dann fragte er mich, warum ich nur dieses Teil benötigte, und ich erzählte ihm meine Geschichte. Überraschenderweise willigte er dann doch ein und verkaufte mir das Teil sogar umsonst.“ 

Im Oktober 2018 begab sich Romain mit seinem Lada Niva in Richtung Afrika, genauso wie sein Vater 28 Jahre zuvor. Und startete bei der Rallye des Pionniers in Marokko, ein Rally Raid Event im Geist der ursprünglichen Paris-Dakar.

„Es war eine Pilgerreise und sehr emotional“, erinnert er sich. „Wenn jemand stirbt, hat man wenige Optionen, dessen Leben zu feiern und ihm zu gedenken. Vom ersten Tag, an dem ich nach dem Auto im Internet suchte, bis zur Zieldurchfahrt in Afrika hatte ich das Gefühl, dass mein Vater die ganze Zeit immer bei mir war.“ Anders als sein Vater kreuzte Romain diesmal sogar die Ziellinie. Über die gesamte Distanz von über 2.000 Kilometern hatte er kein einziges technisches Problem – ein Qualitätsnachweis für seine Vorbereitung.

Was steht nun als nächstes auf dem Programm des unerschrockenen Rally Raiders? „Neue Abenteuer“, sagt Romain. „Die Rallye in Marokko war nur der Anfang für dieses Auto. Die Organisatoren der modernen Dakar haben vor kurzem eine Klasse für Klassiker ausgeschrieben, für die ich gerne nennen würde. Zuvor möchte ich noch die Motorleistung ein bisschen steigern und das Fahrwerk verstärken – dann könnte es schon losgehen.“ Chapeau, Romain – wir sind uns sicher, dass Dein furchtloser Vater sehr stolz auf Dich wäre. 

Fotos: Mathieu Bonnevie für Classic Driver © 2020 

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