Mittendrin bei den Spa Six Hours 2014

Jahr für Jahr, wenn sich das Laub der Ardennen-Wälder herbstlich verfärbt, folgen hunderte Gentleman Driver dem Ruf der Spa Six Hours auf die legendären belgischen F1-Rennstrecke. Classic Driver war diesmal nicht nur dabei, sondern mittendrin.

Nur für kühle Köpfe

„Es ist ein Rennen für Fahrer, die einen kühlen Kopf behalten können“, sagte James Cottingham von DK Engineering, der dieses Jahr in Spa gemeinsam mit zwei weiteren Piloten im Team antrat– beim 6-Stunden-Rennen in einer frisch aufgebauten Shelby Cobra. „Sie werden hier heute einige Typen in größeren Rennwagen vom Schlage eines Ford GT40 sehen, die zum Übersteuern neigen, weil sie zu risikoreich agieren – und dabei vergessen, dass man erst bis zum Ende fahren muss, um Erster zu werden.“ Das dreiköpfige Team war an diesem Tag tatsächlich nicht weit davon entfernt gewesen – mit dem zweiten Platz in der Klasse und dem neunten in der Gesamtwertung.

Strategie ist alles

Dabei waren die Bedingungen aufgrund der teilweise sintflutartigen Regenfälle alles andere als optimal. Während James sein 2,5-Stunden-Pensum im Auto absolvierte, kämpfte sich die Shelby Cobra von Platz 40 auf Platz 12 vor. „Ein wichtiger Aspekt war hierbei, dass wir - obwohl wir eines der durstigsten Autos fuhren - die wenigste Zeit für Tankstopps benötigten. In einem Langstreckenrennen ist die Strategie meist wichtiger als das Auto“, fasste James zusammen.

Wir fragten den britischen Gentleman Driver, wie sich die berühmteste Kurvenkombination in Spa bei nasser Strecke in einer fehlerunverzeihlichen Cobra bewältigen lässt? „Gar nicht mal so schlecht, dank der Avon-Reifen, die wir für das 6-Stunden-Rennen einsetzen“, antwortete James. „Die Pneus bieten einen fairen Grip, man muss sich nur von den Kerbs und den weißen Farbbahnmarkierungen fernhalten. Klingt vielleicht einfach, doch dieses Wissen stammt aus elf Jahren Erfahrung bei den Spa Six Hours.“

Beim Can-Am Cup bebte Spa

Eine ganz andere Klasse brachte den Ardennen-Kurs am Freitagnachmittag zum Beben: die leistungsstarken Prototypen der berühmt-berüchtigten Canadian-American-Serie der 1970er Jahre, die zum Qualifying antraten. Auch hier blieb der Regen nicht aus, und wer noch rechtzeitig auf Regenreifen gesetzt hatte, war klar im Vorteil. Anders am Samstagmorgen beim eigentlichen Rennen, dem Finallauf des Can-Am Challenge Cup 2014. Organisator und Classic Driver Händler Peter Schleifer blickte an diesem Morgen zuversichtlich auf das bevorstehende Rennen, auch wenn er am Vortag zu denen gehörte, die auf Slicks gesetzt hatten.

Dazu muss man wissen, dass die zweisitzigen Supersportprototypen nur ein Kilogramm pro PS auf die Waage bringen. „In den Siebzigern bot die Can-Am-Serie Formel-1-Piloten die Gelegenheit, ihr Einkommen aufzubessern, wenn die F1-Saison zu Ende war. Berühmte Fahrer wie Jackie Stewart oder Bruce McLaren ließen sich die hochdotierten Rennläufe in den USA nicht entgehen und stiegen gerne in die übermächtigen Prototypen“, erinnert sich Schleifer. Er selbst trat beim diesjährigen Ardennen-Rennen in einem 800 PS starken und 800 Kilogramm schweren Lola T310, Baujahr 1972, an den Start. „Was Sie besonders spüren, sind die 1.100 Nm im Heck. Mit diesen flachen Prototypen sind zudem wahnsinnige Kurvengeschwindigkeiten möglich. Stellen Sie sich das hier auf dem hügeligen Kurs in Spa vor – eine wahre Achterbahnfahrt!“ Die verlorene Zeit vom Freitag konnte der Gentleman Driver im Rennen wieder aufholen und erreichte den dritten Platz, hinter dem Sieger Michele Liguori und dem zweitplatzierten Steve Tandy.

Fotos: © Tim Brown for Classic Driver

Klassische Rennwagen stehen im Classic Driver Markt zum Verkauf.