Flügel in Flammen: Von Dutch und die Kunst, einen SL zu entzünden

Der reichlich unkonventionelle Zeitgenosse Von Dutch hatte viele Talente: Songschreiber, Büchsen- und Messermacher, Künstler und Mechaniker. Doch erst seine sehr eigenwillige Art der Automobil-Individualisierung verschaffte ihm weltweiten Ruhm.

 

Der Sohn eines recht bekannten Songschreibers, Kenneth Robert Howard – vielen mehr bekannt als Von Dutch – hatte bereits im jungen Alter die Kunst der von Hand gezogenen Feinlinie perfektioniert. Einige Jahr später wurde sein Talent entdeckt, als er als Aushilfskraft und Mädchen für alles in einem Motorrad Geschäft für Ordnung sorgte. Er fragte einen Kunden, ob er dessen Motorrad über Nacht mit seinen Linien verzieren durfte. Er durfte. Und am nächsten Morgen war er fertig. Im doppelten Sinne, total müde und: fest engagiert.

Während der 1940er Jahre arbeitete er bei verschiedenen Karosseriewerkstätten, amerikanisch „Body Shops“, wo er Motorräder, Rennwagen und Hot-Rods individualisierte. In den frühen 1950er Jahren gewann er in Los Angeles mit Earl Bruce einen besonderen Freund. Dieser besaß eine berüchtigte und gut gehende Bar nur einen Steinwurf von der Werkstatt entfernt, in der Von Dutch tätig war. Ihre Freundschaft brachte einige skurrile Ergebnisse hervor - darunter auch die wohl kontroverseste Arbeit von Von Dutch.

 

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Bruce erwarb einen der ersten in die USA importierten Mercedes-Benz 300 SL. Er ließ das Auto gleich mal in einen bonbonfarbenen Bronzeton lackieren. Candy unter der kalifornischen Sonne. Mittlerweile hatte Von Dutch sein Können in Richtung Flammenmalerei weiterentwickelt. Diese allerdings ließ er bislang nur Motorrädern angedeihen. Später kamen Rennfahrzeuge hinzu. Die Inspiration für diese Zeichnungen entlieh er Luftwaffe-Flugzeugen des Ersten Weltkriegs. Bruce war angetan und brachte seinen 300 SL zum Flammenmaler. Anweisung: Flammen drauf, damit die weniger vorteilhaften Details kaschiert werden.

 

Weniger vorteilhafte Details bei einem 300 SL Flügeltürer? So was kann doch nur daneben geben. Man entschied sich an den Ecken von Front und Heck ein weißes Flammenbild zu zeichnen - gelbe Feinlinien entlang der züngelnden Flammen schienen perfekt zu passen. Diese benötigen nach Von Dutch „zwei Kisten Bier, reichlich Wein und zwanzig Rollen Kreppband“. So war ruck zuck das ganze Auto entflammt. Damit nicht genug: Von Dutch schuf auch noch eine Metallbrille für die Front des Flügeltürers.

 

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Obwohl die „Kustom Kulture“ Szene in jener Zeit stark anwuchs, kam der 1955er SL schon damals nicht besonders gut an. „Als ich dieses Teil auf die Welt losließ, verursuchte es Unfälle“, erinnerte sich Von Dutch. „Die Leute wollten einen geflammten 300 SL Gullwing nicht akzeptieren. Es schien ihnen wie Gotteslästerung.“ Alleine Earl Bruce schien von dem Ergebnis verzückt. Sie entfachte seine Begeisterung für den 300 SL erst richtig. Tatsächlich erwarb er weitere fünf Fahrzeuge dieses Typs.

 

Und wie kam Kenneth Howard zu seinem Spitznamen Von Dutch? Er war dem damals geläufigen Sprichwort „so dickköpfig wie ein Holländer“ entliehen. Der „Dutchman“, das war Howard alias Von Dutch. Dementsprechend kann man sich vorstellen, wie er reagierte, wenn 300 SL Liebhaber seine Kreation verschmähten.

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Weiterführende Links

Reichlich Mercedes-Benz 300 SL finden Sie im Classic Driver Marktplatz.

 

 

Fotos: Getty Images