BCCM 2013: Die Briten erobern das Engadin

Für Mensch und Maschine können Engadiner Pässe wie Bernina oder Albula eine richtige Herausforderung sein. Im Speziellen, wenn man in britischen Klassikern auf über 2.000 Metern Höhe eine Rallye bestreitet. Seit 20 Jahren ist dies die Tradition des British Classic Car Meetings in St Moritz.

Eigentlich gelten die Schweizer als zurückhaltend und bescheiden. Doch wenn es um ihr Engadin und besonders St. Moritz geht, ist von Bescheidenheit nicht mehr viel zu spüren: Die St. Moritzer sehen ihre Region selbstbewusst als "Top of the World" an. Und wer einmal im Sommer über die legendären Kurven des Albula-Passes gefahren ist oder einen Kaffee auf der Terrasse des weltberühmten Badrutt's Palace Hotel mit Blick auf den See genossen hat, wird dieser Sichtweise zweifelsfrei zustimmen.

Im Sommer ist das Engadin ein Paradies für Vintage-Car-Enthusiasten. Davon sind seit über 20 Jahren auch die Köpfe hinter dem British Classic Car Meeting in St. Moritz überzeugt. Jedes Jahr im Juli versammeln sich über 300 Eigner von Automobilen britischer Marken zu einer dreitägigen Zeitreise. Sie wandeln auf den Spuren längst vergangener Tage, als die Noblesse des Vereinigten Königreichs zur Sommerfrische in das Engadin aufbrach. Die ersten Gäste reisten noch mit dem Zug an, doch als das Automobil seinen Siegeszug antrat, scheuten sich auch spleenige Briten nicht vor der anstrengenden und sehr langen Fahrt in das Bergdorf St. Moritz.  

Die Jubiläumsausgabe des BCCM ist aber nicht nur für die Teilnehmer ein Sprung in die Vergangenheit, sondern auch für die Zuschauer: Wenn die frühmorgendliche Stille vom sonoren Dröhnen eines Rolls-Royce Phantom I von 1925 unterbrochen wird und die Silhouette der eleganten Limousine in der Ferne auf der Via Serlas zu sehen ist, fühlt man sich in eine längst vergangene Zeit versetzt.

Das BCCM ist viel mehr als "nur" eine Classic-Rallye, sie erlaubt einen spannenden Einblick in die Automobilgeschichte Großbritanniens. Eigentlich sollte das britische Kulturministerium das BCCM bezuschussen - für die Wahrung der Automobilkultur des Königreichs im Ausland. Und wahrlich gehen beim BCCM echte Unikate an den Start. Nur zwei Highlights mögen hier erwähnt werden: Der Aston Martin DB2/4 mit einer speziellen Karosserie von Bertone und der Austin-Healey 100/4 "Le Mans" BN2.

Bei traumhaftem Wetter gratulierte der Wettergott zum 20. Jubiläum des BCCM, das nicht nur das höchstgelegene Car-Meeting sein dürfte, sondern auch aufgrund der malerischen Strecken zu den schönsten Events in Europa zählt.

Fotos: Philip Rathgen / Swiss-Image