

Vergessen Sie Oldtimer, Youngtimer, moderne Klassiker, Supercars und Future Classics — die heutige Automobilkultur kennt keine Etiketten, Genres oder Grenzen mehr. Es spielt keine Rolle, ob ein Auto im Jahr 1926 oder 2026 gebaut wurde, ob es 160 oder 1600 PS leistet, oder ob es 20.000 oder 20 Millionen Euro gekostet hat. Was wirklich zählt, ist die pure Freude am Fahren und das Teilen dieser kostbaren, analogen Momente mit Gleichgesinnten aus der Community. Die Autoleidenschaft eines echten Liebhabers kennt keine Grenzen.
Am vergangenen Wochenende, bei der ersten Ausgabe unseres Auto-Kultur-Events SOC x Classic Driver Andermatt, hatten wir das Vergnügen, dem ultimativen Vertreter dieser neuen, leidenschaftlichen und integrativen Spezies zu begegnen: Mate Rimac. Als CEO von Bugatti Rimac ist er einer der einflussreichsten Akteure in der High-End-Automobilindustrie. Dennoch ist Mate bemerkenswert bodenständig und nahbar geblieben. Er lässt Kinder in seinem treuen und täglich im Alltag bewegten Bugatti Chiron namens Cro-Bug Platz nehmen, wenn er zum Supermarkt oder zur Reinigung fährt, oder tauscht auch mal ganz spontan sein Autos mit anderen Eigentürmern.


„Ich liebe viele Autos, und nicht nur die, die wir selbst bauen“, erzählte Mate. „Ich bin noch nie in einem Ferrari F40 gefahren, ein absolut legendäres Auto. Heute fragte mich der Besitzer einfach ganz spontan, ob ich Lust auf einen Wechsel hätte, und ich gab ihm die Schlüssel für den Chiron.“ Der Besitzer genoss das Wellnessprogramm aus Molsheim nach der Fahrt im kompromisslosen Ferrari, während Mate den F40 zum ersten Mal erlebte. „Diese Erfahrung hätte ich nie gehabt, wenn ich heute nicht hier gewesen wäre“, betonte Mate. Es gehe einfach darum, Menschen zu treffen, die eine ähnliche Leidenschaft teilen. Dabei sei es völlig egal, was das Auto gekostet habe, es zähle allein der Fahrspaß.


Um ehrlich zu sein, gehörten die meisten der 60 Autos, die am vergangenen Wochenende an unserem Event teilnahmen, eher zu der seltenen und kostspieligen Sorte. Auch das offizielle Patronat von Bugatti trug nicht unbedingt dazu bei, den Durchschnittswert in der Garage zu senken. Es war die erste Zusammenarbeit von Classic Driver mit dem Supercar Owners Circle. Doch die sichtliche Freude der Fahrer und die begeisterte Wertschätzung aller Marken und Epochen — von einem puristischen Porsche 356 Speedster aus den 1950er-Jahren bis zum extremen Porsche 911 GT3 R Rennsport, von einem atemberaubend eleganten Ferrari 275 GTB/4 bis zum neuesten F80 Hypercar — bewiesen, dass die Mischung aus verschiedenen Autos, Menschen und Philosophien genau der richtige Ansatz für unsere Zeit ist. Besonders dann, wenn man die Maschinen auf einigen der großartigsten Straßen der Welt bewegen darf.


Am Freitagnachmittag, als die ersten Teilnehmer eintrafen, wurde das kleine Schweizer Bergdorf Andermatt bereits vom Klang leistungsstarker Motoren erfüllt. Das Basislager von SOC x Classic Driver Andermatt wurde im Chedi aufgeschlagen, einem der faszinierendsten Luxushotels Europas. Die elegante Kulisse verwandelte sich jedoch schnell in ein Fahrerlager im Stil der 24 Stunden von Le Mans, als Transporter Kisten voller Ausrüstung und Rennwagen mit riesigen Heckflügeln entluden. In der Eingangshalle der Chedi-Garage richteten die Spezialisten von SPS Performance eine veritable Boxengasse ein. Sie platzierten das brutale, 1.600 PS starke Rennstrecken-Geschoss Bugatti Bolide direkt neben einem ebenso beeindruckenden Mercedes-AMG SLS GT3 im ikonischen AMG-Design, umringt von geschäftigen Mechanikern und Bergen von Slick-Ersatzreifen für die Ausfahrt.


Auf der gegenüberliegenden Seite standen zwei geradezu außerirdisch anmutende Aston Martin Valkyries und ein Porsche 911 GT3R Rennsport aus Sichtkarbon, eine kompromisslose Rennmaschine, die direkt vom Testgelände in Weissach entflohen zu sein schien. Weiter hinten in der Garage setzte sich die Parade der automobilen Einhörner fort: ein fabrikneuer Ferrari F80, ein Pagani Huayra Roadster und ein Roadster BC, ein spektakulärer orangefarbener Koenigsegg CC850, ein Mercedes-AMG One, dessen Lenkrad noch in Schutzfolie gehüllt war, der komplett rote Capricorn 01 Zagato Tutto Rosso und der neue Brabus Bodo.


Unterdessen hatten unsere Sammlerfreunde das Bugatti-Patronat sehr ernst genommen und die beeindruckendste Aufstellung moderner W16-Ikonen versammelt, die wir je gesehen haben. Zur Feier des 20-jährigen Jubiläums des wegweisenden Bugatti Veyron glänzten zwei Veyron Grand Sport Vitesse, einer im blauen Transformers-Look, der andere wie eine High-Speed-Discokugel in poliertem Silber, ein Veyron Super Sport sowie der atemberaubend elegante Veyron Grand Sport Soleil de Nuit aus poliertem Aluminium und Black Blue Metallic mit einer Innenausstattung in kräftigem Orange. Das Aufgebot des Chiron umfasste zudem einen Vorserienprototypen, einen rot-schwarzen Chiron, der von Bugatti-Designchef Frank Heyl gesteuert wurde, einen Chiron Super Sport und einen Mistral aus dem Molsheimer Werk sowie den bereits erwähnten Cro-Bug von Mate Rimac.


Diese modernen Hypercars hätten allein schon für genug Unterhaltung am Wochenende gesorgt, aber sie waren nur die Spitze des Eisbergs. Um 17 Uhr, als die Sonne gerade hinter den majestätischen Berggipfeln rund um Andermatt zu versinken begann, starteten die Teilnehmer ihre Motoren. Sie verließen die Garage, vorbei an Trauben von Carspottern aus ganz Europa, und stellten sich auf der Hauptstraße von Andermatt auf, um auf die Startflagge zu warten. Die lautesten Autos im Feld waren zweifellos zwei Meilensteine aus der Porsche-Motorsporthistorie: ein Duo aus brüllenden Porsche 930 Carrera 3.0 RSR IROC, die in den 1970er-Jahren von den legendären Fahrern Mark Donohue und Peter Revson in der International Race of Champions-Serie pilotiert wurden. Umgeben von nicht minder spektakulären Verwandten aus Zuffenhausen, vom Porsche 911 2.7 Carrera RS bis zum mythischen Carrera GT mit seinem glorreichen V10-Soundtrack, zollte unser Event dem 75-jährigen Jubiläum von Porsche Motorsport Tribut.


In monatelangen Vorbereitungen mit den lokalen Behörden war es uns gelungen, den Oberalp- und den Furkapass für den öffentlichen Verkehr sperren zu lassen, was uns ein kurzes und sicheres Zeitfenster auf diesen beiden legendären Gebirgsstraßen verschaffte. Am Freitagabend wurde der Oberalppass zwischen den Kantonen Uri und Graubünden für uns bis zur Passhöhe auf 2.044 Metern über dem Meeresspiegel gesperrt. Als die Startflagge fiel, begannen die Autos die Kehren mit ohrenbetäubendem Lärm zu erklimmen.

An der Spitze des Feldes fuhren Moritz und Alex Hess von Auto Sportiva, die zwei lilafarbene Lamborghini Diablo SE30 Jotas steuerten, die einst von ihrem Vater bestellt worden waren und die sie aus Japan zurück nach Europa gebracht haben. Von dieser extrem seltenen Sonderedition mit Jota-Spezifikation wurden nur eine Handvoll gebaut. Zur Nostalgie der analogen Supersportwagen der 1990er- und frühen 2000er-Jahre trugen auch ein silberner Jaguar XJ220, ein Ferrari F50 und ein dunkelblauer Maserati MC12 bei. Sie erinnerten an die glorreichen Zeiten der kompromisslosen Design- und Ingenieursphilosophie zur Jahrtausendwende. Diese Epoche schenkte uns auch den Bugatti Veyron, den Ferrari Enzo, den Porsche Carrera GT und viele jener Autos, die derzeit wöchentlich neue Auktionsrekorde brechen.


Nach einer unvergesslichen Fahrt den Oberalppass hinauf und hinunter in Richtung Disentis folgten wir dem dunkelblauen Audi Sport Quattro vor uns und lenkten unser treues, von Brabus restauriertes Mercedes-Benz 280 SE Cabriolet zum Lai de Sontga Maria. Dort stellten sich alle Autos auf der Staumauer des Sees für ein einzigartiges Familienfoto auf. Als wir im Licht der Abendsonne an der Aufstellung entlanggingen und die Fahrzeuge bewunderten, fragten wir uns, ob es im Laufe unseres Events überhaupt noch einen denkwürdigeren Moment geben könnte.


Es gab ihn tatsächlich. Am nächsten Morgen klingelte der Wecker um Punkt 6 Uhr, und kurz nach 7 Uhr saßen alle Teilnehmer mit laufenden Motoren in ihren Autos und warteten auf die Highlight-Fahrt des Wochenendes. Heute ging es für unsere hochmotorisierte Reisegruppe über den legendären Furkapass, der ebenfalls gesperrt worden war. Nacheinander hatten Fahrer und Fahrzeug die berühmten Kurven, die durch den James-Bond-Film Goldfinger Weltruhm erlangten, für einige Minuten ganz für sich allein. Für unseren Freund Pierre, auf Social Media als GTOScud bekannt, war es die Jungfernfahrt für seinen frisch erworbenen Ferrari 599 GTO mit dem herrlichen, vom Enzo abgeleiteten 6,0-Liter-V12-Saugmotor und zahlreichen radikal anmutenden Karbon-Elementen aus dem XX-Kundenrennprogramm von Ferrari.


Wie gewohnt nahm Pierre die Haarnadelkurven in beeindruckendem Tempo und setzte damit den Maßstab für die nachfolgenden Teilnehmer in Richtung Passhöhe. Als wir die Strecke mit unserem offenen Mercedes absicherten, dachten wir, wir seien das letzte Auto im Feld, bis wir von hinten einen furchteinflößenden, außerirdischen Klang hörten. Instinktiv fuhren wir an den Rand und ließen den Mercedes-AMG SLS GT3 gefolgt vom Bugatti Bolide vorbeiziehen. Beide Piloten nutzten die Gelegenheit, ihre reinrassigen Rennstrecken-Meisterwerke auf dieser wunderschönen Alpenstraße auszufahren.


Das Roadbook führte uns vorbei am berühmten Hotel Belvedere in Richtung Grimselpass, Interlaken, Gotthardpass und hinunter ins Tessin. Es bot Stunden purer Fahrfreude, bevor die nächste Herausforderung anstand: Am Flugplatz Ambri hatten wir die Start- und Landebahn für einige Hochgeschwindigkeits-Sprints reserviert. Nach einer kurzen Erfrischung stellten sich die Autos auf dem Flugfeld auf. Als Gast für genau diesen Teil des Wochenendes ging der Kremer Porsche 917 K81 von Florian Feustel als erstes Auto auf die Strecke. Das ikonische gelbe Auto schoss wie eine Rakete mit ohrenbetäubendem Brüllen davon und nutzte unser Event für letzte Hochgeschwindigkeitstests, bevor es am nächsten Wochenende im Rahmen von Le Mans Classic auf den Circuit de la Sarthe zurückkehrt.


Es war faszinierend zu beobachten, wie die Autos von der Startlinie schossen oder mit unvergleichlicher Geschwindigkeit auf den engen Geraden in Richtung Gotthard-Massiv vorbeiflogen, und die verschiedenen Motorensounds zu vergleichen: das ungefilterte Heulen des Achtzylinders im Ferrari F40, das unheimliche, hochfrequente Pfeifen des Aston Martin Valkyrie und die zumindest für unsere Ohren unübertroffliche V10-Symphonie des Porsche Carrera GT. Die beiden lilafarbenen Diablos demonstrierten derweil nach jedem Lauf mit geöffneten Scherentüren perfekt, wie man im Italien der Neunzigerjahre Klimaanlagen interpretierte.

Nach einem ganzen Tag hinter dem Steuer wären wir normalerweise früh auf unsere Hotelzimmer gegangen. Doch unser Event verlangte natürlich nach einem großen Finale. So verwandelten wir die Tiefgarage des Chedi in eine glamouröse Dinnerparty mit einer scheinbar endlosen Tafel, die sich entlang der noch von der Fahrt knisternden Autos erstreckte. Bizzarrini nutzte die Gelegenheit, um ihre neueste Kreation vorzustellen, den wunderschönen Bizzarrini 5300 Targa Lusso.


Dann war es an der Zeit, die Auszeichnungen zu verleihen, die von keinem Geringeren als dem Design-Großmeister Fabrizio Giugiaro für unsere Veranstaltung entworfen worden waren. Der Dolce Vita Award ging an den hellblauen Bizzarrini, die Elegance in Motion Trophy an den zeitlos eleganten Ferrari 275 GTB/4, und der Bugatti Bolide sicherte sich den Preis für das beste zeitgenössische Supercar. Der Racing Spirit Award ging an den wilden Porsche 930 3.0 Carrera RS IROC von Peter Revson, während der Maserati MC12 von den Teilnehmern zum Best in Show gekürt wurde.


Am nächsten Morgen hatten wir schließlich die Gelegenheit, die beiden Concept Cars, die Fabrizio Giugiaro mit nach Andermatt gebracht hatte, zu begutachten: den Bugatti EB112, der in den 1990er-Jahren von Italdesign als ultimative V12-Sportlimousine für Automobili Bugatti entworfen wurde, und den Aston Martin Twenty Twenty aus dem Jahr 2002, ein cleverer Roadster, der die stolze britische Marke aus ihrer Komfortzone lockte. Das vollständige Interview mit Herrn Giugiaro sowie unsere Gespräche mit Mate Rimac, Capricorn-Gründer Robertino Wild, den Hess-Brüdern und vielen anderen Teilnehmern und ihren wundervollen Autos werden Teil unseres Dokumentarfilms sein, der bald auf dem YouTube-Kanal von Classic Driver veröffentlicht wird. Wenn Sie uns also noch nicht folgen, empfehlen wir Ihnen dringend, unseren Kanal zu abonnieren, um vorab Zugang zu diesem Film zu erhalten.


Inzwischen sind wir aus den Schweizer Alpen in unsere Redaktion zurückgekehrt, doch in unseren Köpfen summen immer noch die unzähligen denkwürdigen Momente und angenehmen Begegnungen des Wochenendes. Die Premiere von SOC x Classic Driver Andermatt war zweifellos ein unvergessliches Ereignis, ein Gemeinschafts- und Fahrerlebnis jenseits von Etiketten, Genres und Grenzen. Und wie Mate Rimac es ausdrückte: Was wirklich zählt, ist die Freude am Fahren, eine Leidenschaft, die man mit Freunden teilt. Wir können es kaum erwarten, das Ganze zu wiederholen.
Wir möchten der Kantonspolizei Uri, dem Kanton Uri sowie den Gemeinden Andermatt, Realp und Hospental unseren aufrichtigen Dank für ihre engagierte Betreuung und Pflege unserer geliebten Straßen aussprechen.



























































































































