Internationale Kunden profitieren vom schwachen Pfund bei RM Sotheby’s Londoner Auktion

Ein schwaches Pfund und attraktive, eher moderne Lose führten bei RM Sotheby's London Sale zu erstaunlichen Ergebnissen. Mit 1.85 Millionen Pfund für einen Porsche 911 GT2 von 1995 wurde auch ein neuer Weltrekord aufgestellt. Und das war nicht der einzige junge Klassiker, der Erwartungen übertraf.

„Jetzt sollten alle ihr Auto Riviera Blue lackieren,” scherzte Peter Wallmann nachdem sein Co-Auktionator Maarten ten Holder einem europäischen Käufer nach einer lebhaften Bieterschlacht mit einem anderen Interessenten im Raum den GT2 mit einem Hammerschlag zuwies. Man wird immer wieder daran erinnert, dass „es nur zwei Typen braucht,” um ein atemberaubende Bieterdramatik zu erzeugen - die anderen Interessenten am Telefon gaben bei 1.45 Millionen Pfund auf. Ein Gebot, das immer noch deutlich über der Pre-Sale-Schätzung von 750.000 - 850.000 Pfund lag. Der GT2 war der letzte in einer Reihe von speziellen Porsche 911 aus den neunziger Jahren, die ihren höheren Schätzwert bei weitem übertrafen: dazu gehörten ein Carrera RS 3.8 von 1993 (400.000 - 500.00 Pfund). der 717.800 erlöste, ein Carrera Clubsport von 1995 (220.000 - 260.000 Pfund), der für 403.200 Pfund den Besitzer wechselte sowie ein Turbo S Leichtbau von 1993 (210.000 - 250.000 Pfund), der für 974.400 Pfund unter den Hammer kam. Selbst ein relativ häufiger Turbo S von 1998 erlöst 313.600 Pfund (Schätzwert: 200.000 - 240.000 Pfund). 

Luftgekühlte Porsches waren unter den modernen Klassikern aber nicht die einzigen, die von der schwachen britischen Währung profitierten: Ein Audi Sport Quattro von 1986 kam für knapp 400.000 Pfund unter den Hammer (geschätzt auf: 290.000 - 320.000 Pfund) während ein Mercedes-Benz SL65 Black Series von 2011 240.000 Pfund erlöste. Die beiden Stallgefährten C63 und SLS Black Series wurden allerdings im Rahmen ihrer Schätzungen versteigert. Ein gut ausgestatteter Aston Martin V12 Zagato wurde für 655.200 Pfund verkauft. Anscheinend waren moderne Coupés im Special Edition-Outfit an diesem Abend nach dem Geschmack des Publikums, denn ihre aktuellen Supercar-Geschwister wie der F40, der Enzo und der Carrera GT motivierten Bieter nicht zu Höchstpreisen.

Was aber nicht bedeutet, dass die klassischen Auktionsautos unbeachtet blieben. Ein Iso Grifo als Scheunenfund behauptete sich mit knapp unter 130.000 Pfund - fast 100.000 Pfund mehr als der niedrigere Schätzwert - und ein Ferrari 330 GT 2+2 erlöste 207.200 Pfund. Ein Ergebnis, das die positive Vorhersage von The Collectors Index  Anfang dieser Woche bei Classic Driver unterstreicht. Eine reizende und ebenfalls stark nachgefragte Lancia Aurelia B20 GT Series I Speciale verkaufte sich mit 173.600 Pfund ebenfalls sehr gut. Der Aston Martin DB4 GT, den RM bei der Great West Tour vor dem Windsor Concours dabei hatte, erlöste ansehnliche 2.408.000 Pfund.

Inzwischen wurde die Bühne abgebaut und die Garage mit einem Singer 911, einem Monteverdi 375/4 und einem Aston DB5 Series II Cabrio mit Hardtop geräumt. RM und die breite Sammlerszene nehmen von dieser ersten wichtigen Versteigerung nach Pebble Beach einige positive Eindrücke mit nach Hause. Viele der anwesenden Branchenkenner waren von der Qualität des Angebots beeindruckt, außerdem belegte die Auktion, dass sich die Besten ihrer Art sowie altes edles Trend-Metall weiterhin behaupten werden. Man kann sich gut vorstellen, dass einige Händler gerade einige ihrer späten luftgekühlten 911er-Raritäten preislich korrigieren. Gerade wenn man meint, an dieser Front hätten sich die Dinge beruhrigt...

Fotos: RM Sotheby’s