
2025 markierte nicht nur das sechzigste Jubiläum von Alpina, sondern auch das wohl einschneidendste Jahr seit der Gründung des Unternehmens. Die Historie der allgäuischen Veredelungsmanufaktur war seit jeher eng mit der von BMW verknüpft, schließlich hatte sich der Gründer Burkard Bovensiepen bei seinen Aktivitäten von Anfang an auf Fabrikate aus München fokussiert. Trotzdem schaffte es das Unternehmen aus Buchloe durchgehend, seinen Baureihen trotz der engen Verwandtschaft zu ihren Basismodellen einen betont eigenständigen Charakter zu geben.
Die Nachricht, dass Alpina ab Anfang 2026 eine offizielle Tochtermarke des Münchner Konzerns wird, löste bei der Stammkundschaft daher nicht uneingeschränkt Begeisterung aus. Das neue Concept Car „Vision BMW Alpina", das jetzt anlässlich des Concorso d'Eleganza Villa d'Este enthüllt wurde, gibt einen konkreten Ausblick auf die Neuausrichtung der Marke unter der Führung des bayerischen Autogiganten. Alpina soll innerhalb der BMW Group künftig das Oberklasse-Segment bedienen und die große Lücke zwischen der bodenständigen Kernmarke und Rolls-Royce schließen.
„Seit jeher steht Alpina für eine ganz besondere Philosophie von Performance und Veredelung – ein Konzept, bei dem Dynamik und Komfort keine Gegensätze, sondern komplementäre Ansprüche sind. Als neue Eigentümer dieser besonderen Marke ist es unsere Aufgabe, den unverwechselbaren Charakter zu bewahren und ihn zugleich zeitgemäß weiterzuentwickeln", meint Adrian van Hooydonk, der das Konzern-Design der BMW Group leitet.


Eine moderne Neuinterpretation des B7 Turbo Coupés
Bei der Designstudie handelt es sich um einen stattlichen Gran Turismo, der mit einer Länge von 5,20 Metern den letzten BMW 8er um über dreißig Zentimeter überragt. Letzterer wurde im vergangenen Jahr ohne direkten Nachfolger eingestellt – dessen Rolle eines sportlich angehauchten Oberklasse-Coupés könnte innerhalb des Konzerns künftig eine Serienversion des Vision BMW Alpina zuteilwerden.
Als Hauptinspirationsquelle diente offensichtlich das Alpina B7 Turbo Coupé auf Basis des BMW E24, Alpinas legendäres Topmodell, das dank seines aufgeladenen Reihensechsers in den frühen Achtzigerjahren mit 300 beziehungsweise in der S-Version sogar mit 330 Pferden unter der Haube vorfuhr. Die Anleihen sind auf den ersten Blick zu erkennen – vor allem die dezent nach vorne geneigte „Shark Nose" sowie die lange Motorhaube wecken Erinnerungen an den Design-Klassiker aus der Feder von Paul Bracq.
Auch die markentypischen Deko-Linien, die seit 1974 Erkennungszeichen der Buchloer Kreationen sind, finden sich bei dem Concept Car wieder. Die imposanten Leichtmetallräder – an der Vorderachse 22 und an der Hinterachse 23 Zoll groß – tragen das markentypische 20 Speichen-Design, während die vier Endrohre wie gewohnt ellipsenförmig sind.

"Neue Klasse"-High Tech im Innenraum
Während die Silhouette des Vision BMW Alpina betont klassisch gehalten ist, sind die schmalen Scheinwerfer und Rückleuchten sowie die großen angedeuteten Nieren typisch für BMWs aktuelle Designsprache. Das Interieur katapultiert einen dagegen direkt in die Zukunft, weil das „Panoramic iDrive"-Cockpit großteils von den vollelektrischen Hoffnungsträgern der Neuen Klasse übernommen wurde. Sowohl der große mittigen Screen als auch die Bildschirm-Leiste am unteren Rand der Frontscheibe und das polarisierende Lenkrad mit den beiden Stegen oben und unten sind bereits aus dem iX3 sowie der neuen Elektroversion des BMW 3ers bekannt. Bei Alpinas Zukunftsvision kommt noch ein weiterer Touchscreen für die Person auf dem Beifahrersitz hinzu.
Während die Bayern bei ihren i-Modellen zumindest standardmäßig auf „veganes" Leder setzen, ist das Coupé mit feinstem vollnarbigem Leder aus der Alpen-Region ausgekleidet. Ziernähte, die von Alpinas typischen Dekor-Linien inspiriert wurden und satinierte sowie polierte Zierelemente aus Metall sorgen zusätzlich für eine edle Materialanmutung.

Alpina bleibt dem Achtzylinder treu
Zu den genauen Spezifikationen des Antriebs halten sich die Bayern noch weitestgehend bedeckt, unter der langen Motorhaube soll aber ein kraftvoller V8-Motor die Arbeit verrichten. Das Aggregat soll über den typischen Alpina-Klang verfügen – ein tiefes und sattes Grollen bei niedrigen Drehzahlen, das sich bei stärkeren Gasstößen in ein sonores Singen wandelt. Sowohl konkrete Leistungsangaben als auch Fahrleistungen hat der Autobauer noch nicht kommuniziert.
Sowohl die Wahl des Antriebs als auch das traditionsbewusste Design des ersten Ausblicks auf die Zukunft des Herstellers als fester Bestandteil der BMW Group sollte skeptische Alpina-Fans jedoch beruhigen – die Allgäuer Veredelungsschmiede scheint sich auch als Hersteller komplett eigenständiger Modelle treu zu bleiben. Das Debüt des ersten Serienmodells ist für 2027 geplant. Bei diesem soll es sich um einen typischen Alpina mit der DNA des BMW 7ers handeln.
„Mit dem Vision BMW ALPINA verdichten wir die Essenz der Marke und interpretieren sie auf eine höchst moderne und zugleich anspruchsvolle Weise neu. Jedes Detail verkörpert Substanz – in der Ingenieurskunst, in den Materialien und in der Geschichte, die es erzählt. Die Statements sind bewusst subtil gehalten und erschließen sich oft erst auf den zweiten Blick. Es ist das Zusammenspiel aus Klarheit und Tiefe, welches die Designsprache von BMW ALPINA prägen wird", betont Maximilian Missoni, der als Design-Chef für die Oberklasse-Baureihen auch für die Optik der künftigen Alpina-Modelle zuständig ist.
Fotos: BMW Group / RM Sotheby's














