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Die einzigartige Alpine A610 Haute Couture ist das absolute 90s Mode-Statement

Diese Alpine A610 Haute Couture von 1993 ist ein schillerndes Zeugnis des Neunzigerjahre-Zeitgeists. Die Prototypin sollte das Potenzial eines geplanten Individualisierungsprogramms bei der Renault-Tochter demonstrieren. Nun kommt das Unikat bei Aguttes‘ kommender Tour Auto Auktion unter den Hammer.

Alpines letztes Modell vor der mehr als zwei Jahrzehnte langen Pause hatte nicht unbedingt die besten Bedingungen. Die A610 wurde zwischen 1991 and 1995 nur 818-mal gebaut, auch weil sie in einigen Disziplinen im Schatten ihres Stuttgarter Hauptrivalen stand. Die französische Alpine bot nicht ein so großes Leistungsspektrum wie der Porsche 964 und musste sich diesem auch in Sachen Agilität und Qualität geschlagen geben. Als eher Komfort-orientierte Gran Turismo war sie der Stammkundschaft zudem etwas zu brav. Diese war oftmals durch die leichte, kompromisslos sportliche und herrlich freche A110 an die Marke herangeführt worden.

Ein Grund für die schleppenden Verkäufe war der hohe Grundpreis von etwa 396.000 Francs. Damit war die A610 zwar günstiger als der billigste Porsche 911 jener Zeit, aber gleichzeitig auch etwas teurer als ein vergleichbarer Porsche 968, dem sie trotz dessen Frontmotor-Konzept charakterlich sogar etwas ähnlicher war. Der von Peugeot, Renault und Volvo entwickelte PRV V6 wurde von den Ingenieuren aus Dieppe mithilfe eines Turboladers auf 250 PS gebracht. Der 3,0 Liter Sechszylinder verhalf der Kunststoff-Alpine zu einer Höchstgeschwindigkeit von 265 km/h und ermöglichte eine Beschleunigung von 0 auf 100 in 5,7 Sekunden. In den frühen Neunzigern waren dies respektable Werte, die gut zum attraktiven Exterieur mit Klappscheinwerfern und aerodynamischen Kurven passten.

Sondereditionen einer ohnehin seltenen Alpine

Unter dem Strich handelte es sich bei der A610 um eine durchaus überzeugende und fähige Konstruktion, doch die unglückliche Marktpositionierung, die wenig glamouröse Motorwahl und das Fehlen eines ernsthaften Rennprogramms besiegelten ihr Schicksal als Nischenprodukt. Im Laufe des Produktzyklus versuchte Renaults sportliche Tochtermarke das Interesse mit limitierten Sondermodellen zu steigern: Am bekanntesten sind die anlässlich der Winterspiele in Albertville aufgelegte „Olympique 92“ sowie die „Magny Cours“, die zur Feier von Nigel Mansells Sieg beim Großen Preis von Frankreich auf den Markt gebracht wurde. 1993 ließ sich der Renault-Konzern in Sachen Marketing von Porsche inspirieren und erwägte die Einführung eines Individualisierungsprogramms. Unter dem angedachten Namen „Haute Couture“ entstanden zwei Demonstrationsobjekte. Eine davon war in dem Lilaton „Violine“ gehalten und mit einem passenden violetten Interieur ausgestattet. Bei der anderen war mit „Lemon Green“ das absolute Kontrastprogramm angesagt. Das Experiment wurde jedoch nie in die Serie übersetzt und weder die A610 noch die Marke Alpine in ihrer ursprünglichen Form überlebten das Jahr 1995.

Die violette Alpine mit der Fahrgestellnummer 0085763 wird nun am 4. Mai bei der Tour Auto Auktion von Aguttes versteigert, den Schätzwert geben die Pariser mit 60.000 bis 100.000 Euro an. Dafür, dass es sich bei ihr quasi um eine Prototypin handelt, hatte diese A610 ein bewegtes erstes Lebensjahr: Sie wurde im Rahmen der zweiten Tour Auto 1993 vorgestellt und erschien später am Trocadéro zum Start der Tour de France. Kurzzeitig wurde sie von einer Renault-Führungskraft gefahren, bevor sie über das reguläre Händlernetz verkauft wurde. Danach ging die Gran Turismo durch die Hände von nur zwei privaten Besitzern. Der erste hatte sie von 1993 bis 2020 unter seinen Fittichen.

Das Coupé wurde kürzlich im Originalton neu lackiert und mit einer maßgeschneiderten Edelstahl-Auspuffanlage versehen, die für einen emotionalen Klang sorgen soll. Mit knapp über 75.000 Kilometern auf der Uhr, ihrer patinierten aber intakten violetten Innenausstattung und dem von Renaults technischem Zentrum abgestempelten Serviceheft gehört sie definitiv zu den spannendsten Fahrzeugen aus Dieppe. Aufgrund der violetten Lackierung erinnert sie direkt an die Farbgebungen zweier berühmter Zeitgenossen, ihres Zeichens Sondermodelle anlässlich wichtiger Jubiläen in der jeweiligen Markenhistorie: das Viola Metallic des Lamborghini Diablo SE30 und das dunkle Lila des Porsche 964 „30 Jahre 911“. Auch wenn die Alpine nicht so bekannt ist, steht sie ebenso symbolisch für die wilden ästhetischen Vorlieben der Neunziger.

 

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