

Anfang Dezember startet Sotheby’s in Zusammenarbeit mit dem Abu Dhabi Investment Office (ADIO) ein exklusives Programm mit Auktionen, Meisterkursen, Podiumsdiskussionen und Ausstellungen in Abu Dhabi. RM Sotheby’s hat gerade einen Katalog mit spektakulären Autos veröffentlicht. Warum sind die Vereinigten Arabischen Emirate die ideale Bühne für ein solch ambitioniertes Event?
RM Sotheby’s veranstaltete 2019 zum ersten Mal eine Auktion in Abu Dhabi. Aber das war eine einmalige Auktion, die in Zusammenhang mit dem Formel-1-Grand-Prix ablief. Wir kamen hierher, veranstalteten die Auktion und flogen wieder zurück. Dieses Mal ist es ganz anders: Die Abu Dhabi Collectors Week ist für Sotheby‘s eine bahnbrechende Veranstaltung in der Region und verfolgt eine sehr langfristige Vision. Sie markiert den Beginn einer neuen, gefestigten Präsenz von Sotheby’s in Abu Dhabi und im Nahen Osten. Wie Sie vielleicht wissen, kam unser Mutterkonzern 2024 in den Genuss einer großen Investition von ADQ (Abu Dhabi Developmental Holding Company). Und das hat natürlich Auswirkungen auf unsere globale Strategie. Es wird also der Beginn eines neuen Kapitels sowohl für unser Auktionshaus als auch für die Sammlerszene im Nahen Osten sein. Denn wenn man sich die Größenordnung dessen ansieht, was wir aufbauen, das Produkt, das wir in die Region bringen werden – die Qualität und Kuratierung der Veranstaltung –, dann ist das etwas, was die Region und ich glaube die ganze Welt noch nie zuvor gesehen hat. Es wird revolutionär sein und entspricht vollkommen unserer Strategie.

Sie haben Ihren Sitz in Dubai. Warum ist der Nahe Osten so eine wichtige Region für Sammlerfahrzeuge und Luxusgüter?
Für Sotheby's und RM Sotheby's ist der Nahe Osten wahrscheinlich zum wichtigsten Wachstumsmarkt auf der globalen Sammlerkarte geworden. Aus makroökonomischer Sicht sind die VAE äußerst interessant, da sie in allerster Linie eine sichere Region sind. Hier treffen sich viele vermögende Menschen aus aller Welt. Aufgrund der politischen Instabilität in Europa und den USA, der Kriege, der zunehmenden Kriminalität und Ungleichheit in vielen Teilen der Welt sind Dubai und Abu Dhabi zu einem globalen Zentrum für sehr vermögende Menschen geworden, um ihr Vermögen zu schützen. Der spezielle Erfolg Abu Dhabis ist aber auch der langfristigen Vision von Scheich Mohamed bin Zayed Al Nahyan zu verdanken, die er bereits vor Jahrzehnten entwickelte. Er wollte eine neue globale Hauptstadt schaffen, in der Unternehmen ohne die Störungen oder Planänderungen wachsen können, wie sie in Europa der Fall sind. Und genau das ist Teil unseres Regierungssystems. Es gibt keine Regierung, nur den Scheich und sein enger Kreis mit einer klaren Vision, die sehr kapitalistisch und geschäftsorientiert ist. Das macht die ganze Gegend auch für Sammler äußerst interessant, weil sie ihr Vermögen hier sicher aufbewahren können.
Trifft das auch auf Autos zu?
Absolut! Man sieht viele Sammlerautos im Straßenverkehr. Leute fahren mit ihrem Bugatti Chiron oder Aston Martin Valkyrie durch die Straßen Dubais und parken sie über Nacht draußen, ohne dass etwas passiert. Sie könnten die Schlüssel im Auto lassen – nichts würde passieren. Und das ist ein grundlegender Aspekt. Denn wenn man mit seinen Spielzeugen spielen kann, ist ihr Nutzen höher. Und deshalb ist der Sammlermarkt hier so schnell gewachsen.



Die Sammlerszene im Nahen Osten wirkt in gewisser Weise wohlhabender, aber auch jünger und frischer als in anderen, konservativeren Teilen der Welt. Wie kommt das?
Das Durchschnittsalter ist hier in der Tat extrem niedrig. Viele junge Menschen sind in die Region gezogen. Und sie kamen mit einem bestimmten Ziel: Nicht um Urlaub zu machen, sondern um ein Unternehmen zu gründen. Sie kamen, um zu arbeiten. Es sind also Menschen mit großen Ambitionen, finanziellem Rückhalt und Ideen. Und viele von ihnen wollen ihr Geld irgendwann für Dinge ausgeben, die sie lieben. Und wir als Auktionshaus sind hier, um ihre Träume wahr werden zu lassen und ihnen die gewünschten Objekte zu bieten. Deshalb ist der Nahe Osten für uns so wichtig – denn wie Sie sehen, sinkt die Nachfrage nach Autos und Uhren in Europa und den USA. Diese Region könnte diese Lücke schließen.

Sprechen Sie mit der Collectors‘ Week vor allem regionale Sammler an oder möchten Sie auch Leute aus den USA und Europa anlocken?
Das ist eine sehr gute Frage. Ich denke, es ist eine Mischung aus beidem. Unsere Strategie sieht vor, einen globalen Knotenpunkt mit einem sehr lokalen Profil zu entwickeln. Wir wollen also nicht einfach eine weitere globale Auktion wie die anderen veranstalten, sondern etwas ganz Einzigartiges auf die Beine stellen. Natürlich laden wir viele internationale Gäste ein – Amerikaner, Asiaten und Europäer, die zur Collectors Week hierherfliegen. Das ist ein Schlüsselfaktor und einer der Leistungsindikatoren (KPI), die uns unsere Investoren vorgeben. Denn sie wollen Abu Dhabi bekannt machen. Deshalb haben wir die Collectors Week ins Leben gerufen: Sie wollen ein kultiviertes Umfeld schaffen, das neu, frisch und anders ist als Dubai. Dubai hat einige Dinge völlig anders gemacht. Es ging ums Geschäft, schnelles Geld und schnelles Wachstum. Im Gegensatz dazu war Abu Dhabi eher ruhig und vorsichtig. Denn dort wollte man sich auf kulturelles Wachstum und hochwertigen Tourismus konzentrieren. Also weniger Quantität, dafür mehr Qualität. Das ist der Plan.



Wie sieht das Programm der Collectors Week aus? Was können Menschen, die aus Europa, den USA und Asien nach Abu Dhabi reisen, erwarten?
Gerne gebe ich Ihnen einen kurzen Überblick über das Wochenprogramm: Von Dienstag bis Freitag veranstalten Sotheby’s und RM Sotheby’s eine Reihe von Events, deren Höhepunkt die Auktionen im St. Regis auf Saadiyat Island sind. Vier Tage lang bieten wir Meisterkurse, Podiumsdiskussionen, Ausstellungen, private Dinner in Museen und andere spannende VIP-Erlebnisse. Jeden Tag gibt es etwas Neues. Wir arbeiten mit Partnern wie Roarington, Zagato und globalen Automobilpartnern zusammen, die ihr Erbe und ihre Geschichte präsentieren. Und dann sind da noch die Auktionen am Freitag, den 5. Dezember, zwischen 18 und 22 Uhr. Der Katalog umfasst Uhren, Schmuck, Sammlerstücke und Immobilien, aber die Autos werden höchstwahrscheinlich im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen, da wir für sie den größten Platz haben und sie den höchsten Wert ausmachen.

Was sind die wichtigsten Autos, die zu dieser Auktion kommen?
Die „Triple Crown“-Zusammenarbeit mit McLaren Racing und Zak Brown, die zum Verkauf von drei zukünftigen Rennwagenchassis führen wird, ist sicherlich beispiellos – denn sie ermöglicht einen Blick in die Zukunft des Sammelns von Rennwagen. Konkret können Sie mit einem Lot einen Formel 1 erwerben, das erst 2026 von den McLaren-Werksfahrern in der WM gefahren werden wird. Es ist eine einmalige Gelegenheit, künftig bei jedem Formel-1-Rennen Teil des McLaren Racing Teams zu sein und zum engen Kreis der VIP-Kunden zu gehören. Das ist ein genialer Schachzug von McLaren und wir freuen uns sehr, diesen Deal zu ermöglichen. Neben dem F1-Chassis werden wir auch jeweils einen Slot für das McLaren Indycar für 2026 und den für 2027 geplanten neuen McLaren für Le Mans und die WEC versteigern. So etwas hat es noch nie bei einer Auktion gegeben, first time ever!



Das ist großartig, und wir sind sehr gespannt auf die Ergebnisse. Können Sie uns nun noch etwas über die anderen außergewöhnlichen Autos verraten, die zum Verkauf stehen werden?
Ja, ich kann Ihnen auch dazu einige Hinweise und Exklusivitäten geben. Das Spitzenlos ist ein McLaren F1, ein wunderschönes Exemplar in Weiß, sehr bedeutend und wertvoll, über 21 Millionen Euro. Es ist das 14. von 64 gebauten Exemplaren in der Straßenspezifikation und wurde neu an das Königshaus von Brunei ausgeliefert. 2007 ging es für einen Umbau zurück zu McLaren, wo es den High-Downforce-Kit und ein Interieur nach LM-Spezifikation erhielt. Als Besonderheit wird der F1 zusammen mit einem Gordon Murray Automotive T.50 von 2025 versteigert. Es ist übrigens eine Premiere, dass eine Kreation von Gordon Murray Automotive versteigert wird. Wie Sie wissen, sind alle Exemplare ausverkauft. Dieses Auto wird daher sehr großes Interesse wecken.



Welche weiteren Fahrzeuge aus dem Katalog würden Sie herausheben?
Die meisten anderen Autos sind moderne, seltene und exklusive Supersportwagen. Zu nennen wäre da ein Pagani Zonda Riviera, ein Einzelstück. Außerdem ein wunderschöner Lamborghini Murciélago Roadster mit Schaltgetriebe, der ursprünglich Nicolas Cage gehörte. Diese Autos erfreuen sich derzeit großer Beliebtheit auf dem Markt. Wir haben auch einen sehr attraktiven Aston Martin One-77 im Angebot.



Was werden Sie für die Ferraristi nach Abu Dhabi bringen?
Wir haben einen Ferrari F40, den ursprünglich Alain Prost als Erstbesitzer bestellt hat, also ein ganz besonderes Auto. Außerdem werden wir eine spezielle Kollektion von limitierten maßgeschneiderten Ferrari vorstellen – mehr dazu werden wir in nächsten zwei Wochen bekanntgeben.


Welche Art von nicht-automobilen Sammlerstücken können wir von Sotheby's erwarten?
Natürlich werden wir einige außergewöhnliche Uhren präsentieren. Wie eine Patek Philippe Star Calibre 2000 Taschenuhr, die sehr speziell und wichtig ist, und eine Rolex „Oyster Albino“ Daytona. Es wird darüber hinaus fantastischen Schmuck geben, wie den Desert Rose-Diamond, ein 31,86 Karat schwerer, leuchtend orange-pinker Diamant im Wert von fünf bis sieben Millionen Dollar. Wir werden auch eine Hermès Birkin Bag anbieten, die für Jane Birkin entworfen wurde und ihr selbst gehörte. Und es wird eine Auswahl ganz besonderer Rennräder geben: Im Rahmen einer Partnerschaft mit Colnago werden wir einige sehr wichtige Rennräder verkaufen. Wussten Sie, dass es in Abu Dhabi eine große Radsport-Community gibt?

Das ist interessant! Wie man sieht, überschneiden sich die Welten von Autos, Bikes, Schmuck, Uhren und Collectibles kaum. Sind diese „Fusionsauktionen“ mit Sammlerstücken aus verschiedenen Genres ein neuer Trend?
Ja, das ist definitiv ein Trend, insbesondere bei Luxusgütern. Immer mehr Marken gehen Marken übergreifende Partnerschaften ein. Zum Beispiel Mercedes mit Moncler und Virgil Abloh. Ferrari hat eine Modemarke ins Leben gerufen, die mittlerweile voll akzeptiert ist und bei den Fashion Weeks auf dem Laufsteg präsent ist. Adidas und North Face kooperieren jetzt mit Gucci. Man könnte das als „Remix-Kultur“ bezeichnen. Sotheby's gehörte zu den ersten, die neue Sammelkategorien erschlossen. Wir versteigern beispielsweise getragene Basketballtrikots von Stars der NBA, aber auch Turnschuhe, und wir haben ein Trikot von Diego Maradona für 12 Millionen Dollar verkauft. Heutzutage kann alles, was eine Geschichte hat, ein Erbe, egal um welches Objekt es sich handelt, zum Sammlerstück werden. Und Sotheby's steuert diese Vision und diese Bewegung. Im Automobilbereich ist es für uns entscheidend, Sammler außerhalb der etablierten Szene anzusprechen und unseren globalen Kundenstamm zu erweitern.


Können Sie uns mehr über den Kuratierungsprozess der Autolots erzählen? Nach welchen Kriterien wählen Sie Autos aus, die für Käufer im Nahen Osten attraktiver sind als für Käufer in Europa oder den USA?
Ich würde sagen, die Standards hier sind ziemlich hoch. Wie Sie an den Einlieferungen sehen können, liegt der Durchschnittswert deutlich über einer Million Dollar pro Auto, was weit über einer „normalen“ Auktion und sogar über der von Monterey liegt. Es ist wahrscheinlich der höchste Durchschnittswert pro Auto, der jemals geboten wurde. Wir bieten Autos im Wert von rund 75 Millionen Dollar an, was selbst für eine Auktion im Nahen Osten ziemlich viel ist. Wir bieten das Beste vom Besten – nicht nur was den Wert, sondern auch Qualität und Seltenheit angeht. Natürlich sind die Autos, die wir anbieten, jüngeren Datums und moderner. Klassiker werden zwar geschätzt, aber es gibt hier kein voll entwickeltes Ökosystem aus Werkstätten, Restaurierungsbetrieben und Veranstaltungen, wo die Leute die Autos nutzen könnten. Deshalb haben wir beschlossen, uns bei dieser Auktion hauptsächlich auf moderne Supersportwagen zu konzentrieren.

Glauben Sie, dass Sammler im Nahen Osten Oldtimer ins Herz schließen werden, sobald für sie ein Ökosystem aufgebaut wäre?
In dieser Region herrscht generell eine große Leidenschaft für Autos; es gibt unzählige Enthusiasten, wie in Dubai diese „Flat 12 Cars and Coffee Reunion“. Die Einladungen werden erst drei Tage vor den Veranstaltungen verschickt, und trotzdem tauchen 300 Sammler in den interessantesten Autos auf. Lancia Fulvia Zagato und klassische Fiat 500 parken dann neben Aston Martin Valkyrie und Lamborghini Centenario. Es gibt auch eine große Community für klassische SUV, wie Toyota Land Cruiser der ersten Generation, Nissan Patrol und alte Mercedes G-Modelle. Europa ist besessen von Elektrifizierung, grüner Mobilität und der Optimierung des Transportwesens. Der Zugang zu Innenstädten wird eingeschränkt, in Turin und Mailand darf man nur noch ein paar Tage im Jahr einen Oldtimer fahren. Hier koexistieren diese Welten natürlicher. Daher bin ich sehr zuversichtlich und positiv gestimmt, was die zukünftige Entwicklung eines Marktes für Classic Cars angeht.
Was empfehlen Sie unseren Lesern aus den USA, Europa und Asien für einen Besuch in Abu Dhabi während der Sammlerwoche?
Versuchen Sie auf jeden Fall, ein Hotelzimmer zu finden, denn die Zimmer sind schon jetzt fast ausgebucht. Daneben erstellen wir gemeinsam mit Sotheby's einen Reiseführer, den wir unseren Kunden zusenden werden. Darin finden Sie die besten Einkaufsmöglichkeiten, Restaurants, Friseure und Schönheitssalons, damit Sie unbeschwert hierherkommen können. Ich kann jedem nur empfehlen, uns zu besuchen.

Was ist Ihre Vision für die Collectors' Week? Wird sie zu einem festen Bestandteil des Sammlerkalenders?
Ja. Die Collectors' Week wird höchstwahrscheinlich zu einem der wichtigsten Highlights im jährlichen Kalender der automobilen Luxus-Renaissance. Es ist keine einmalige Veranstaltung, sondern verfolgt das Ziel, eine neue Anlaufstelle für Sammler aller Art zu schaffen. Der Ansatz umfasst mehrere Kategorien, und wir sind überzeugt, dass dieser in diesem Teil der Welt am besten funktioniert. Wir bei RM Sotheby's werden uns selbstverständlich auf die Autos innerhalb dieses Pakets konzentrieren und versuchen, ein Ökosystem aus Partnern und Sammlern aufzubauen. In Monterey finden Sie alle etablierten Auktionen und bekannten Events. Die Collectors' Week Abu Dhabi hingegen ist ein völlig neues Erlebnis. Und es wird eine Fülle verschiedener, spannender Neuerungen geben, die gleichzeitig stattfinden.
Fotos: RM Sotheby's, Martina Botti (Portrait)
































































