• Baujahr 
    1989
  • Automobiltyp 
    Coupé
  • Losnummer 
    66
  • Referenznummer 
    unique_id_66
  • Lenkung 
    Lenkung links
  • Zustand 
    Gebraucht
  • Standort
    Österreich
  • Außenfarbe 
    Rot

Beschreibung

Ausgeliefert an Motorsport-Legende Mario Andretti
Seit 2012 beim zweiten Besitzer in Österreich
Eines von nur 657 Anniversary-Modellen
Originale 7.408 Kilometer Laufleistung

Blickt man zurück auf die Automobilgeschichte, so gibt es äußerst wenige Modelle, die alles, was nach ihnen kam, maßgeblich beeinflussten. Manche mögen technisch neue Maßstäbe gesetzt haben, andere vielleicht besonders schön gewesen sein, aber eine eigene Fahrzeugkategorie begründet, das haben nur ganz wenige. Ein solches Modell war am Genfer Automobilsalon im März 1971 am Stand von Bertone ausgestellt, eine fahrbereite Designstudie namens Lamborghini Countach LP500, gezeichnet von Marcello Gandini und erst gar nicht für die Serienproduktion gedacht. Ohne ihn würden wir heute wohl kaum von Hypercars reden, zumindest würden sie vielleicht ganz anders aussehen, denn der Countach stellte alles bisher Dagewesene in den Schatten. Er sollte das werden, woran sich zukünftig Designer von Supersportwagen messen mussten.

Doch der Reihe nach. Marcello Gandini war schon für das Aussehen des 1966 präsentierten Lamborghini Miura verantwortlich gewesen, der mit seinem Mittelmotor-Layout ebenso schon richtungsweisend war. Als Ende der 1960er absehbar war, dass auch der Mitbewerb von Ferrari und Maserati an der Entwicklung eines 12-Zylinder-Mittelmotor-Serienwagen arbeitete, scharte Ferruccio Lamborghini mit Chefingenieur Paolo Stanzani, Testpiloten Bob Wallace, und nicht zuletzt Marcello Gandini die bewährte Mannschaft um sich, die schon den Miura zum Leben erweckt hatte. Für dessen Nachfolger stellte Lamborghini drei Bedingungen in den Raum. Er musste aufregend sein, revolutionär und neue Maßstäbe setzen. 1970 begann die Arbeit am Projekt LP112.

Das Resultat gab es dann im Jahr darauf zu bestaunen. Die extrem geometrische Keilform hatte Gandini davor schon beim Alfa Romeo Carabo und beim Stratos Zero probiert, die waren aber reine Studien und kein fertiges Automobil gewesen. Mit dem Countach griff er diese Form erneut auf, ebenso wie die nach oben öffnenden Türen vom Carabo, die zum zentralen Erkennungsmerkmal vieler kommenden Lamborghinis werden sollten. Am ganzen Fahrzeug wiederholten sich immer wieder unterschiedliche Trapezformen, beim Glas, bei den Lufteinlässen, den Türausschnitten, den Hauben vorne und hinten oder den Rückleuchten. Genauso Science Fiction war auch das Cockpit des Countach gestaltet. Inspiration für das Armaturenbrett nahm Gandini aus dem Flugzeug- und Raketenbau, die Sitze waren tief in das Wageninnere hineingesetzt mit Bezügen im rechteckigen Muster und das Volant hatte nur eine breite Speiche. Um für ein Mindestmaß an Aussicht nach hinten zu sorgen war beifahrerseitig ins Dach anstelle eines Spiegels ein Periskop eingebaut. Konventioneller war da hingegen der Antrieb, für den der von Lamborghini bekannte V12 Motor mit vier obenliegenden Nockenwellen sorgte.

Die Resonanz war derart enorm, dass Lamborghini sofort mit der Umsetzung in die Serie begann. Sicherheit, Aerodynamik und Motorkühlung verlangten nach Retuschen an der Karosserie, die im Zuge von ausgiebigen Testfahrten verfeinert wurde. Anstelle des Plattformrahmens des Ausstellungsstückes ging ein Gitterrohrrahmen in Serie, augenscheinlichste Veränderungen waren aber die Lufteinlässe hinter den Seitenfenstern, die Heckleuchten und das Interieur, bei dem vor allem das Armaturenbrett wesentlich konventioneller ausfiel. In der Serienversion leistete der 3.929 ccm große Zwölfzylinder unglaubliche 375 PS, die den Countach die 300-km/h-Schallmauer durchbrechen ließen.

Weil viele Ressourcen bei Lamborghini mit der Entwicklung des Urraco gebunden waren und Lamborghini ohnehin meist knapp bei Kasse war, zog sich die Fertigstellung des Countach allerdings über Jahre in die Länge. Das endgültige Serienmodell, das auf den Namen Countach LP400 hörte, debütierte erst am Pariser Salon de l’Automobile im Herbst 1973. Der erste Kunde konnte seinen Countach überhaupt erst im April 1974 in Empfang nehmen. Nur 157 Exemplare sollten gebaut werden.

Die Herkunft und Bedeutung seines Namens ist bis heute nicht letztlich geklärt. Es handelt sich bei Countach um einen Ausruf des Erstaunens im piemontesischen Dialekt. Stellte außerhalb von Italien schon der Markenname viele vor Probleme, war die richtige Aussprache des Modellnamen bisweilen sogar in seiner italienischen Heimat eine ernstzunehmende Herausforderung.

Den Anstoß zur Weiterentwicklung des Countach gab schon Mitte der 1970er Jahre der austro-kanadische Ölmagnat und Rennstallbesitzer Walter Wolf. Unzufrieden mit den Fahreigenschaften seines Countach ließ er sich den 5-Liter-V12 des Prototypen einbauen, der 453 PS leistete. Um die auf die Straße zu bringen, brauchte es deutlich breitere Reifen und dazu wiederum üppig verbreiterte Radkästen. Außerdem war sein Walter Wolf Special vorne und hinten mit Spoilern bestückt, am Bug noch von dezenter Erscheinung, am Heck jedoch von gewaltiger Größe. Dieses martialische Erscheinungsbild würden die Countach fortan beibehalten, ob mit oder ohne Flügel blieb dabei ganz dem Geschmack der Käufer überlassen.

Der Motor des LP400 S wurde hingegen ein klein wenig zivilisiert, auch weil US-Abgasnormen es verlangten, und um zarte 20 PS in der Leistung reduziert. Ab 1982 ging es mit der Leistung wieder bergauf, aus 4.754 ccm schöpfte der Motor des LP500 S wieder jene 375 PS, die schon der Ur-Countach leistete. Einen kräftigen Sprung nach oben legte dann der LP5000 S Quattrovalvole hin. Der Hubraum wurde auf 5.167 ccm vergrößert, bekam nun ganz seinem Namen entsprechend an jedem der zwölf Zylinder zwei Einlass- und Auslassventile. Damit standen nun gewaltige 455 Pferdestärken an, deutlich mehr als beim Topmodell des ewigen Konkurrenten aus Maranollo. In den USA mussten die Kunden allerdings mit 420 PS das Auskommen finden, denn die dortigen Abgasvorschriften verlangten nach einer K-Jetronic Einspritzung von Bosch anstelle der Vergaser von Weber. Eine wuchtige Stoßstange am Bug machte die US-Countach außerdem nicht unbedingt hübscher.

Zum 25-jährigen Firmenjubiläum von Lamborghini erschien 1988 mit dem 25th Anniversary Modell, die letzte Version des Countach. Zum diesem freudigen Anlass bekam das Topmodell aus Sant‘Agata einige optische Retuschen in Form von Schwellerverkleidungen, überarbeiteter Lufteinlässe und neuer Heckleuchten, für die sich Horacio Pagani verantwortlich zeigte. Motorisch blieb hingegen alles wie beim Vorgängermodell. Mit jedem neuen Countach konnte Lamborghini die Stückzahlen steigern. Von der finalen Version wurden schon 657 Stück gebaut, bei insgesamt rund 2.000 Stück die bis 1990 entstanden, als der Countach letztlich vom Diablo abgelöst wurde.

Dieser Countach, Chassis KLA12676, wurde 1989 an niemand Geringeren als den Formel-1-Weltmeister von 1978, den vierfachen Indycar-Champion, Indy-500-Sieger und Le Mans-Klassensieger Mario Andretti ausgeliefert. Laut vorliegendem Original-Title übernahm Andretti, der als Lamborghini-Fan davor schon einen LP5000 QV sein Eigen genannt hatte, seinen neuen Countach in rosso seviglia im Mai 1989. Mit 5.919 Kilometer ging das Anniversary Modell im März 2009 von Andretti zurück an Lamborghini Houston. Ein gutes Monat später sorgte der Countach insofern für Aufsehen, als dass sich ein Mechaniker von Lamborghini Houston bei einer Überstellung zu einem kleinen Wettrennen mit eine Viper hinreißen ließ, das für beide beinahe im Heck eines Lastwagens endete. Beide parkten letztlich neben der Straße, was für die Viper weniger gut ausging, wie Fotos vom Schauplatz zeigen. Während die ein Rad verlor, zeugt am Countach nur noch eine kleine Schramme am rechten Lufteinlass vom wohl letzten Arbeitstag des Mitarbeiters. Auch das Autogramm von Mario Andretti am Heckflügel hat das kleine Malheur ohne Kratzer überstanden.

Anfang Dezember 2009 sah der aktuelle österreichische Besitzer den Countach bei Lamborghini Houston während eines USA-Aufenthalts. Der herausragende Zustand und der damals äußerst entgegenkommende Wechselkurs ließen ihn der Versuchung nicht widerstehen. Er brachte das Anniversary Modell mit nach Hause, tauschte gleich einmal die vordere Stoßstange gegen eine europäische (das Original liegt bei) und ließ den Countach hierzulande zu. Zwischenzeitlich war der Lamborghini auch auf den Sohn in Deutschland angemeldet, zuletzt bekam er aber wieder eine österreichische historische Einzelgenehmigung.

In den vergangenen zwölf Jahren ist der Kilometerstand gerade einmal auf 7.408 angewachsen, der Countach wurde in der hauseigenen Werkstatt praktisch mehr gewartet als gefahren und präsentiert sich heute noch im Jahreswagenzustand. Schon Mario Andretti muss gewusst haben, wie man ein Auto richtig pflegt. Und eine bessere Provenienz wird kaum ein anderes Exemplar als dieses haben. Noch heute, ein gutes halbes Jahrhundert nach seiner Präsentation, gibt es niemanden, den ein Countach kalt lässt. Er ist einer der kontroversesten und aufregendsten Sportwagen der Automobilgeschichte und wird für immer einen Platz in deren Annalen haben, nicht zuletzt, weil er den Weg für viele andere bereitete, die ihm aber nur selten das Wasser reichen konnten, denn der Countach ist schlichtweg einzigartig.

Chassis: ZA9CA05A8KLA12676
Papiere: Österreichische Einzelgenehmigung (historisch)
Deutsche Zulassung (historisch)
US-Title (entwertet)


Dorotheum Auktion
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Österreich
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J. Michael
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Dolezal-Pokorny

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