Zeit mit Brunner: Automobiluhren



Verbingen Sie Zeit mit dem Uhren-Experten Gisbert Brunner. Regelmäßig wird der Fachautor und Journalist bei Classic Driver Einblicke in die vielschichtige Welt der Uhren gewähren. Den Anfang macht eine Betrachtung über die neuesten Automobiluhren, die in Basel ihre Premiere feierten.

Uhr zum 100. Audi Jubiläum

Die deutsche Premium-Automarke Audi wird 100. Und das gilt es natürlich angemessen zu feiern. Möglichkeiten dazu gibt es viele. Eine ist die Kreation einer speziellen Armbanduhr, denn darauf fahren autobegeisterte Männer besonders ab. Audi hat sich mit der bayerischen Uhrenfabrikation Chronoswiss zusammengetan und zum runden Geburtstag das „Tachoscope“ aus der Taufe gehoben. Wie es sich für eine Uhr zum Auto gehört, verfügt der Jubiläums-Zeitmesser über ein interessantes Funktionenspektrum: Das mechanische Uhrwerk spannt die Zugfeder mit Hilfe eines speziell gestalteten Rotors. Selbstverständlich besitzt es eine Stoppfunktion. Und das Regulator-Zifferblatt mit dezentraler Stunden- und Minutenanzeige erinnert an einen klassischen Renn-Boliden der Auto-Union. Diesen Eindruck unterstreicht die so genannte Tachymeterskala, welche zusammen mit dem Chronographen ein rasches, problemloses Erfassen von Durchschnittsgeschwindigkeiten gestattet. Passend zum Jubiläum offeriert Audi insgesamt nur 100 Exemplare: 35 mit Platin- (24.900 €) und 65 mit Weißgoldgehäuse (14.900 €). Da heißt es richtig Gas geben, um eines davon zu ergattern. Weitere Informationen erhält Mann nach eMail an: [email protected].

www.audi.de

www.chronoswiss.com
Klassiker für Straße und Handgelenk

1958, als Pat Moss in einem Austin-Healey bei der Alpenrallye siegte, dachte noch niemand an die Genfer Uhrenmarke Frédérique Constant. Kein Wunder, denn deren Gründung erfolgte erst 1992 durch Peter C. Stas und Aletta Stas-Bax. Er stammt von Constant Stas ab, sie von Frédérique Schreiner. Daraus ergab sich der Firmenname. Die Leidenschaft von Frédérique Constant für edle Healey-Oldtimer führte zu einer eigenen, gemäß der Firmenphilosophie mit 1.500 Euro auch bezahlbaren Uhrenlinie. Die 1.888 Exemplare des brandneuen, gestalterisch durch und durch klassischen Chronographen mit markantem Healey-Logo beseelt das zuverlässige Automatikkaliber Eta 7750. Besonders augenfällig ist sein Lederband im typischen Rallyelook. Die Durchbrüche brachten beim Auto deutliche Gewichtsersparnis. Am Arm sorgen sie für angenehme Luftzirkulation. Eine wasserfeste Rückseite schützt das Band gegen Rallye-Schweiß. Die Uhr kommt übrigens nicht allein. In der Schatulle begleitet sie ein attraktives Modellauto. Worum es sich dabei handelt, sollte unschwer zu erraten sein.

www.frederique-constant.com
Im Zeichen des geflügelten B: Breitling for Bentley

Die Kooperation des Hauses Breitling, welches 2009 seinen 125. Geburtstag zelebriert, mit einer Nobel-Automarke begann im Grunde genommen schon 1998. Da nämlich kaufte Volkswagen die 1919 gegründete Bentley Motors Ltd. Das brachte den Briten deutlich mehr Entwicklungs- und Gestaltungsfreiheit, als dies unter den angestammten Rolls-Royce-Fittichen jemals möglich war. So kreuzten sich die Wege zweier Traditionsunternehmen, welche – Zufall oder nicht – ein „B“ als Markenzeichen eint. 2002 nahm der Zeit-Dialog konkrete Formen an, weil Bentley für sein Comeback bei den legendären 24 Stunden von Le Mans finanzielle Unterstützung benötigte. Die völlig eigenständige Linie „Breitling for Bentley“ vereint in sich die Dynamik der Uhren- und das Prestige der Automarke. Das belegen die ganz unterschiedlichen Modelle der imageträchtigen Bentley-Kollektion. 2009 bringt Breitling den markanten Bentley Motors-Automatikchronographen mit ausdrucksstarkem „Black Velvet“ Metalliclack-Zifferblatt. Diesen dunklen Edel-Farbton gibt es ebenfalls beim Modell Arnage, welches natürlich deutlich mehr kostet als jene rund 6.000 Euro, mit denen die stählerne Armbanduhr mit Kautschukband zu Buche schlägt

www.breitling.com
High-Speed-Partnerschaft: Tudor und Porsche Motorsport

Tudor, heißt es, sei die Rolex des kleinen Mannes. Mit Blick auf die Tatsache, dass die Schweizer Marke mit sehr britischem Namen tatsächlich ein Ableger der traditionsreichen Schweizer Manufaktur und dort für gleichermaßen sportliche wie preiswerte Armbanduhren zuständig ist, stimmt das auch irgendwie. Aber eben nur begrenzt, denn mittlerweile besitzt Tudor ein sehr eigenständiges Profil. Selbiges unterstreicht die kürzlich unterzeichnete Kooperation mit der Motorsport-Abteilung des Hauses Porsche. Selbige mündet in ganz unterschiedliche Aktivitäten. Zum einen agiert Tudor als offizieller Zeitnehmer bei den Rennen zum Porsche Cup. Dann zeigt sich die Marke als Sponsor eines der rasanten Fahrzeuge. Und zum Dritten tritt Tudor mit spezifischen Armbanduhren ins Rampenlicht. Zu ihnen gehört u.a. der augenfällige, andererseits aber auch irgendwie klassisch anmutende Grantour Chrono mit Eta-Automatikwerk, robustem Stahlgehäuse und Lederband. Mit seinen 2.600 Euro kostet er übrigens deutlich weniger als ein Satz Reifen für jene Porsche-Boliden, die 2009 um den Cup kämpfen werden.

www.tudorwatch.com
Chopard: die Mille Miglia lässt grüßen

Seit nunmehr 19 Jahren sponsert die eidgenössische Traditionsmanufaktur Chopard, hinter der die deutschstämmige Familie Scheufele mit ihren Oldtimer-begeisterten Mitgliedern steht, die legendäre Mille Miglia Rallye. Von Anbeginn gibt es jährlich eine streng limitierte Armbanduhr für die Chauffeure der partizipierenden Fahrzeuge. Beifahrer, Fans und interessierte Zaungäste kommen allerdings auch nicht zu kurz. Sie können die mit der jeweiligen Jahreszahl versehenen Chronographen käuflich erwerben und so ein wenig vom Flair der legendären Oldtimer-Ausfahrt am Handgelenk bei sich tragen. Beim Mille Miglia Chrono Limited Edition 2009 kehrt Chopard zu altbekannten Wurzeln zurück. Sie basiert nämlich auf dem ersten Modell mit augenfälligem Kautschuk-Armband, dessen Oberfläche einem Dunlop- Rennreifenprofil aus den 1960er Jahren nachempfunden ist. Klassische Formgebung, gute Ablesbarkeit und schnörkelloses Design sind weitere Eigenschaften des Automatik-Chronographen mit offiziellem Chronometerzeugnis und 42 mm großem Stahlgehäuse. Nach 2009 Exemplaren, von denen jedes 3.290 Euro kostet, ist definitiv Schluss.

www.chopard.com
Gratulation: Die Heuer „Monaco“ wird 40

Natürlich gibt es zum Jubiläum eine spezielle Armbanduhr. Und die ähnelt dem Original von 1969 optisch ziemlich genau. Will heißen: quadratisches Gehäuse mit leicht geschwungenen Flanken und blaues Zifferblatt. Nur das Uhrwerk, der weltweit erste Automatikchronograph mit Mikrorotor, sucht man heute vergebens. An seine Stelle ist verständlicher Weise eine zeitgemäße Konstruktion mit zentral montierter Schwungmasse getreten. Diese kultige Armbanduhr, Preis rund 7.000 Euro, blickt auf jede Menge Geschichte zurück. Als sie debütierte, gehörte Heuer noch Jack W. Heuer, dem Urenkel des Firmengründers. Der besaß kein Geld für Werbung, dafür aber eine hohe Affinität zur Vollgasbranche. Mit Joe Siffert, seines Zeichens Rennfahrer und Porschehändler, unterzeichnete er einen ebenso einfach wie wirkungsvollen Vertrag. Heuer kaufte einen Sportwagen, Siffert trug dafür die neue Monaco und das Heuer-Logo an seinem Renn-Overall. Im Zuge dieses Deals konnte es fast nicht ausbleiben, dass Steve McQueen, der 1970 bei den Dreharbeiten zum Film „Le Mans“ in den Jo Siffert-Dress schlüpfte, auch fast selbstverständlich die Monaco trug. Auf diese Weise erlangte die Armbanduhr ganz nebenbei große Berühmtheit, welche bis zum heutigen Tag fortlebt.

www.tagheuer.com
Sportiv und vielseitig: der Porsche Design Schleppzeiger-Chronograph

Wer die Zahl 911 hört, denkt beinahe zwangsläufig an den legendären Flitzer aus der Zuffenhausener Automobilschmiede. Dass dieses Fahrzeug Designgeschichte geschrieben hat und inzwischen beinahe als Synonym für hochkarätige Sportwagen gilt, ist nicht zuletzt der Kreativität eines Mannes zu verdanken: Ferdinand A. Porsche. 1972 beschloss das Stuttgarter Unternehmen, dass sich die Familienmitglieder zurückziehen und die Geschäftsführung Externen überlassen sollten. Gleichwohl konzipierte „Eff-A“ 1973 im Auftrag der Porsche AG seinen ersten Chronographen: Eine schwarze Armbanduhr im unverwechselbaren Look des 911-er Tachometers. Von 1978 bis 1998 produzierte die Schaffhauser IWC eine breite Porsche-Design-Uhrenkollektion. Nachdem die Familie Porsche 1995 die altehrwürdige Uhrenmanufaktur Eterna erworben hatte, war der Wechsel ab Ende 1998 nur noch eine Formsache. Die neueste Porsche Design-Kreation ist ein ultrasportiver Schleppzeiger-Chronograph mit beidseitig wirkendem Rotor-Selbstaufzug. Die exklusive Mechanik gestattet das Stoppen von Zwischenzeiten beispielsweise bei Autorennen. Von der sportlichen Version mit schwarz beschichtetem Stahlgehäuse fertigt Eterna nur 200 Stück. Jedes kostet 18.230 Euro.

www.porsche-design.com
Kraftvolle Allianz: Blancpain und Lamborghini

Was Porschefahrern recht ist, ist Lamborghini-Piloten allemal billig. In jährlich sechs Rennen werden sich künftig dreißig Männer, die es sich leisten können, mit ihren Gallardo LP560-4-Boliden in einen Wettkampf um den „Lamborghini-Blancpain Super Trofeo“ stürzen. Der Startschuss zur diesjährigen Saison wird in Silverstone fallen. Und die Schweizer Uhrenmarke Blancpain ist als Hauptsponsor auch auf der Strecke mit von der Partie Marc A. Hayek, CEO des 1739 gegründeten Unternehmens, das traditionsgemäß nur mechanische Uhren fertigt, wird einen der pfeilschnellen, natürlich entsprechend dekorierten Gefährte steuern. Am Handgelenk: einer der insgesamt 300 „Super Trofeo“ Automatik-Chronographen mit tiefschwarz PVD-beschichtetem Stahlgehäuse und praktischer Flyback-Funktion. Letztere gestattet das Neustarten des Stoppers ohne vorherigen Zwischenhalt. Und das spart jenes Quäntchen Zeit, welches am Ende entscheidend sein kann.

www.blancpain.com


Gisbert Brunner beschäftigt sich seit 1964 mit Armbanduhren, Pendeluhren und Präzisionszeitmessern. Während der Quarzkrise in den 1970-er Jahren wächst die Liebe zu den anscheinend aussterbenden mechanischen Armbanduhren. Ein leidenschaftliches Sammelhobby führt ab den 1980er Jahren zu zahlreichen Artikeln und Büchern über dieses Metier.

Text: Gisbert L. Brunner
Fotos: Hersteller



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