Wir zeigen's Ihnen: Triumph TR 250

Die Auferstehung – ein schöne Geschichte über einen TR 4A, erzählt uns „dinkymen“, wie sich der Classic Driver selbst nennt: USA Westport/Hartford im März 2001. Hinter einer unscheinbaren Halle befindet sich, abgewrackt und eigentlich dem Tode nahe, ein TR 4A. Einige Teilesammler hatten hier und dort etwas abgeschraubt oder entwendet. Vorne rechts befand sich ein kleiner Unfallschaden, die Motorhaube war halb geöffnet, das Verdeck notdürftig hochgezogen.

„Ja, seit 20 Jahren steht er nun da und Sie können ihn für 1000 Dollar haben“, bot der Besitzer des Triumphs an. Zunächst winkte ich ab, kehrte jedoch nach einer Weile wieder zurück und wir einigten uns auf 835 Dollar. Nach dem Zuschlag folgte Unbehagen. Ich wusste gar nicht, wie ich den Wagen mitnehmen sollte. Einfach stehen lassen, den fremden Blicken ausgesetzt? Wer weiß, ob sich erneut jemand mit einem Schraubenschlüssel über das Auto hermachen würde. Ben Hohn, der Verkäufer, garantierte mir, ihn zu „bewachen“.

Nach drei Wochen wurde der TR endlich mit einem Drahtseil auf einen LKW gezogen. Die Räder drehten sich nicht, als wollte er in Ruhe gelassen werden. Als wollte er sagen: „Lasst mich in Frieden!“. Doch es nützte ihm nichts. Und so ging die Reise von New York nach Genua. Dort wurde er verzollt und bekam eine neue Identität.

Endstation Werkstatt. Nach der langen Reise erreichte der TR meine Reparaturhalle. Auf Unterstellböcken platziert begann ich mit der Restauration. Ich wollte alles neu machen, doch die nüchterne Untersuchung zeigte, dass das Auto in der Tat marode war. Zu lange war es Wind und Wetter ausgesetzt gewesen. Das Chassis war durchgerostet und geknickt, die Karosserie an keiner Ecke zu gebrauchen. Eine nüchterne Bilanz. Doch ich hatte mir etwas in Kopf gesetzt, wich von den kommerziellen Absichten und von allen Grundregeln ab und fing an Teil für Teil zu zerlegen.

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Etwas Wichtiges hatten ich bis zu diesem Zeitpunkt übersehen: Das Auto war ursprünglich mit einem 6-Zylinder-Motor ausgerüstet, wurde im Herbst 1967 in England produziert und kam als eines der wenigen Modelle in die USA. Es war ein Vorläufer des bekannten TR 250. Man produzierte nur ein paar dieser „Wasp Modelle“. Dann wurde die Produktion eingestellt, da die Abgasvorschriften in den USA strenger wurden und stellte der Öffentlichkeit das Folgemodell TR250 vor. Mein Auto bekam dann in der Folgezeit durch irgendwelche Umstände, die mir unbekannt sind, einen 4-Zylinder-Motor.

Ich baute den TR 4A in dreijähriger Arbeit wieder um. Heute ist der TR besser den je: Neues Fahrwerk, überarbeitete Karosserie und Lederinterieur, ein Surrey Top, ein Les Leston Lenkrad. Das Herz des TR ist ein 180 PS 6-Zylinder mit Tripple-Weber-Vergaser, spezieller Nockenwelle sowie einem modifizierten Zylinderkopf. Damit beschleunigt er von 0 auf 100 km/h in nur 7,5 Sekunden und erreicht eine Spitzengeschwindigkeit von 210 km/h. Die Kraftübertragung erfolgt über ein Laycock de Normanville Overdrive Typ A Getriebe. Besonderheiten am Fahrwerk sind die vorn innenbelüftete Scheibenbremse mit Villewood Bremszangen, die Alu-Bremstrommeln hinten und die Koni-Stossdämpfer inklusive spezieller Federn.

Nun lebt er wieder! Dieser bekannte und in seiner Bauweise seltene Vogel hat ein H-Kennzeichen ist in Powder Blue lackiert und man trifft ihn bei schönem Wetter auf Norddeutschlands Strassen – vorausgesetzt, man ist schnell unterwegs.

Text: dinkymen/Jan Richter
Fotos: dinkymen


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