Wir zeigen's Ihnen: Rolls-Royce Silver Shadow I

Mit dem Kauf des Rolls-Royce Silver Shadow I erfüllte sich Tobias Ueberschaer am 2. Januar 2003 einen lang ersehnten Traum. Dabei hatte er sich eigentlich nach dem dritten Austauschmotor seines XJ6 Serie 2 geschworen, nie mehr einem englischen Oldtimer zu vertrauen. Warum er dem majestätischen Charme eines Silver Shadow trotz aller Vorsätze nicht widerstehen konnte, beschreibt Tobias Ueberschaer so...

„Erworben habe ich den Wagen vor einigen Jahren, eher auf Umwegen. Nach Jahren Jaguar-Frust hatte ich eigentlich englischen Oldtimern abgeschworen. Der Zufall ergab dann, dass ich über den Rolls-Royce stolperte. Er stand in einer Halle voller Oldtimer, die einem Geschäftsmann in der Nachbarstadt gehörten. Er hatte einen 107er SL zum Verkauf, der mir gut gefiel. Ich habe mir den Wagen angesehen und als ich in seine Halle kam, erblickte ich den Rolls-Royce – und schon war es um mich geschehen.

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Leider wollte der Händler den Wagen nicht verkaufen. Zirka ein Jahr lang haben wir darum gefeilscht, bis er irgendwann doch einwilligte. Dann bekam ich kalte Füße, alle Erinnerungen an den Frust mit englischen Autos kam wieder hoch, meine Frau lag mir mahnend in den Ohren und ich wollte eigentlich nie wieder am Straßenrand neben einem liegen gebliebenen Exoten stehen! Der Besitzer zerstreute meine Zweifel auf eindrucksvolle Weise - er gab mir den Schlüssel und sagte, ich sollte den Wagen eine Woche lang auf Herz und Nieren testen. Wer tut so etwas schon?

Ich habe den Wagen erworben, fahre ihn seit Jahren quasi täglich – außer bei Regen, Schnee oder wenn Salz auf der Straße liegt. Er hat mich noch nie im Stich gelassen, auch auf Non-Stop-Fahrten nach Monaco nicht. Der Zustand ist ordentlich. Ich habe das am Wagen verbessert, was mir nicht gefallen hat und lasse ihn regelmäßig vom Experten warten. Auf ein Note-1-Auto lege ich keinen Wert. Ich mag die Patina und da ich den Wagen wie ein Alltagsfahrzeug benutze, möchte ich keinen Herzinfarkt bekommen, sollte mal eine Blessur von einem Einkaufswagen oder einer anderen Wagentür das Blechkleid zieren.

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Classic Data hat das gute Stück mit 2 benotet – so kann es meinetwegen auch bleiben. Am und im Fahrzeug ist alles original, im Innenraum funktioniert jeder Knopf, Leder, Holz und Teppiche sind original und in bestem Zustand. Überrascht haben mich die laufenden Kosten. Der Wagen ist im Unterhalt nicht teurer als mein Mercedes Roadster neuerer Bauart. Die Verbrauchswerte ignoriere ich achselzuckend.

Ich persönlich schätze die „splendid isolation“, die mich umfängt, wenn ich die Fahrertür schließe. Mir gefällt es, dass ich ausschließlich von Leder, Chrom und Holz umgeben bin, die Haptik des filigranen Lenkrades und den Duft von Leder, Wachs und Holz. Man muss das mal erlebt haben: Die elektrischen Sitze; die majestätisch surrenden Fensterheber; das Geräusch der Türen, die satt und sicher ins Schloss fallen; der Anblick des Interieurs, wenn es in der Dunkelheit beim Öffnen der Türen in sanftes, warmes Licht getaucht wird; die Armlehnen der Sitze, die einen sanft und sicher umgeben.

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Während der Fahrt schätze ich die herrschaftlich hohe Sitzposition, die komfortable Luftfederung und die Sympathie, die mir von anderen Verkehrsteilnehmern entgegenschlägt. Vor allem aber genieße ich die Erholsamkeit: Eine Fahrt in dem Wagen ist entspannend wie ein Vollbad – man klinkt sich aus vom Druck, ständig vorn mit dabei sein zu müssen und wird von anderen Verkehrsteilnehmern nicht genötigt. Wenn ich auf der Autobahn ansetze, einen LKW zu überholen, bin ich noch nie von einem Drängler belästigt worden, all die BMW, Porsche und Mercedes schweigen ehrfürchtig und lassen mich gewähren. Auch wenn ich weiß, dass ich spielend 180 km/h fahren könnte, denke ich gar nicht daran und genieße lieber die Stille des Motors, das Ticken der Uhr und den eigentümlich altertümlichen Klang des Nadelstreifen-Becker-Mexico.“

Text: Tobias Ueberschaer/Jan Richter
Fotos: Nanette Schärf


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