Wir zeigen's Ihnen: Aston Martin DB6 MkII „Bahama Yellow“

„Warum haben Sie ihn in orange lackieren lassen?“ "Ich habe den Wagen nicht neu lackiert und es ist kein orange! Seien wir ehrlich - kein Mensch, der halbwegs bei klarem Verstand ist, würde einen Aston Martin DB6 gelb, geschweige denn orange anmalen, oder...?"

Wie auch immer; Ende der sechziger Jahre kamen drei Personen - man könnte sie Rebellen nennen - auf die großartige Idee, ihre neuen DB6 jeweils mit der vom Werk angebotenen Farbe "Bahama Yellow" zu ordern. Außergewöhnlich, sieht man doch die meisten DB6 in silber, grün oder rot durch die Strassen fahren. Ich glaube, dass diese drei Astons die Ersten waren, die das Werk in dieser Lackierung verließen. Danach folgten einige wenige Aston Martin. Eines dieser DBS Modelle wurde von Roger Moore alias Lord Brett Sinclair in der TV-Serie „Die Zwei“ gefahren. Ein weiterer Bahama Yellow DBS hat eine Heimat in Paris gefunden, während ein anderer DBSV8 in Connecticut lebt.

Ein dem Bahama Yellow ähnliches Gelb, das an die Farbe von Butterbonbons erinnert, war Ende der Sechzigerjahre ebenfalls sehr beliebt bei Porsche Fahrern. So waren die Modelle 912 häufig in der Farbe mit dem Code 6805 lackiert. Das Bahama Yellow von Aston Martin hat eine Besondere Eigenschaft: Es ändert den Farbton bei wechselnden Lichtverhältnissen. An einem sonnigen Tag strahlt der Wagen in einem hellen gelb; verschwindet die Sonne, ändert sich die Farbe in Blutorangenrot.

Mein Auto: DB6Mk2/4312/R mit der Motor-Nr. 400/4720

Mein Aston (Agatha) wurde am 24. August 1970 gebaut und am 09. Dezember des gleichen Jahres an den Händler A&B Cars Ltd. in Newton-le-Willows, Lancanshire (Großbritannien) geliefert. Der Neupreis betrug 3.140 Pfund, 19 Schillinge und drei Pence ohne Steuern. Sie wurde das erst Mal irgendwo in Northamptonshire zugelassen. Seltsamerweise klebt an der Windschutzscheibe ein Aufkleber des Händlers Ian Anthony Ltd., doch ich weiß nicht, wo diese Verbindung herkommt.

Meine Agatha, ist die einzige der drei Bahama Yellow DB6, die mit dunkelbrauner Innenausstattung versehen wurde. Ich habe Agatha im Dezember 2001 über den Classic Driver Händler Aston London gekauft. In den Wagen wurde von seinem Vorbesitzer viel Zeit und Arbeit investiert, um damit auch weite Strecke auf dem Kontinent zurückzulegen. Agatha und ich profitieren noch heute von diesem Engagement, denn ich benutze meinen DB6 genau für solche Fahrten außerhalb Englands. Im Nachhinein wäre es klüger gewesen, ein linksgelenktes Auto zu kaufen, doch ich wollte schon als Teenager einen DB6 MkII besitzen. Als mir Agatha angeboten wurde, musste ich sie einfach haben, ungeachtet der Farbe.

Natürlich ist bei einem Klassiker immer etwas zu tun und so habe ich - immer in den Wintermonaten - bei Marksdanes Restorations einiges richten lassen. Beispielsweise mussten die Türschweller und der Boden repariert werden. Um mit Agatha in der technisierten Welt nicht verloren zu gehen, habe ich einige Modifikationen vorgenommen. Zu diesen Verbesserungen gehörten Koni/Leda Stoßdämpfer, steifere Federn und ein Domstrebe. Ebenfalls wurde besser isoliert, damit ich für mich heize und nicht für meine Umwelt. Das ursprüngliche Radio wurde mit einem MP3-Anschluss versehen, sodass ich Musik von meinem iPod hören kann. Der Auspuff und die Felgen wurden rostfrei gemacht. Agatha ernährt sich Bleifrei, sieht die Welt mit Xenon-Augen und blinzelt mit neuen Warnblinkern. Sie ist zwar kein Showcar, ist aber auch nicht allzu schäbig.

Ian Marrs Auto: DB6Mk2/4241/R

Bei Ians Aston handelt es sich um einen schaltgetriebenen DB6 Mk2 in Vantage-Ausführung. Er wurde am 13. März 1970 gebaut und erst am 7. Dezember an den Händler Maurice Leo Ltd. ausgeliefert. Ian kaufte den Wagen 1975 bei Mr. C.A.R.Ewell mit einer Laufleistung von 31.000 Meilen – mittlerweile sind es 38.000 Meilen.

Ich habe Ian mit Hilfe des Aston Martin Lagonda Millennium-Kalenders und dem AMOC (Aston Martin Owners Club) Register aufgestöbert. Den Kalender, in dem Ians DB6 abgebildet war, sah ich 2003 beim Aston Service Hamburg, als Agatha für eine Tour durch Österreich, die Schweiz und Frankreich aufpoliert wurde. Als der Kontakt zu Ian bestand, trafen wir uns in Ians Haus in Newport (Gwent) und schossen Bilder von unseren beiden Bahama Yellow DB6. Wir fuhren zum Mittagessen in einen Pub und hielten einen kleinen Plausch. Vielen Dank für diesen netten Lunch. Der Aston von Ian ist eine dieser „unberührten“ Zeitkapseln, die sich noch in absoluten Originalzustand befinden. Die einzigen Neuerungen sind die Kenlowe Ventilatoren, einige Schläuche und die AMOC-Plakette.

Wir zeigen's Ihnen: Aston Martin DB6 MkII „Bahama Yellow“ Gus Pope’s Car: DB6Mk2FI/4232/L Bei dem DB6 von Gus handelt es sich um das Modell, dass zur Präsentation für den Genfer Automobilsalon benutzt wurde. Der Aston wurde am 20. Februar 1970 gebaut und noch am selben Tag an den Händler Perrin Imortateur ausgeliefert. Tom Papadopoulos, der Besitzer von Autosport Designs in New York, war der letzte Besitzer vor Gus. Er konnte mir unheimlich viel über den Bahama Yellow DB6 berichten. Tom erinnerte sich daran, wie Rex Woolgate irgendwann in den Siebzigern mit dem DB6 zu einer AMOC-Veranstaltung in Lime Rock fuhr - mit einem New Yorker Taxischild auf dem Dach.

Gus besitzt mit seinem Bahama Yellow einen Wagen in absoluten Topzustand, mit einigen kleinen Veränderungen wie dem gelungenen Einbau einer Klimaanlage. Die braucht der Wagen an seinem jetzigen Standort auch. Gus benutzt diesen Wagen in seinem Zweitwohnsitz in Florida. Die Farbe gelb scheint es Gus angetan zu haben, denn er fährt hier in Europa Rallyes mit einen knallgelben DB6 – allderings ist das Gelb keine original Aston Farbe.

Ich habe häufig darüber nachgedacht, Agatha ein zurückhaltenderes Kleid zu verpassen, doch heute bin ich mit dem Bahama Yellow verwachsen. Und normalerweise bringt mein Auto die Menschen auf der Strasse zum Lachen, was in der heutigen Zeit eine sehr gute Sache ist. Sollte ich irgendwann einmal erwachsen werden, dann sollte ich meinen DB6 vielleicht silberfarben lackieren.

Mit der freundlichen Hilfe von Peter Stratford, Tom Papadopoulos und Ian Marr.

Text: Robert Bennett / J. Philip Rathgen
Fotos: Robert Bennett




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