Vorschau – Goodwood Revival 2004


Johhny Herbert und ein Jaguar Typ D "long-nose", Baujahr 1955

In knapp drei Wochen wird die Luft in Goodwood wieder von den Klängen der Motoren vergangener Tage erfüllt sein. Vom 3. – 5. September lebt die Geschichte des Motorsports wieder auf. Einige der fantastischsten Rennwagen der Geschichte kehren dorthin zurück wo sie hingehören – auf die Rennstrecke.

Auch dieses Jahr lud Lord March zu einem Pressetag auf die Rennstrecke von Goodwood ein. Und genauso wie im letzten Jahr wurde die Renntauglichkeit der Pressevertreter auf die Probe gestellt, als sie mit einem Profi eine Runde auf der Rennstrecke drehten. Dieses Jahr wurden die Runden in einem Ex-Jaguar Typ E Experimental Rennwagen der Jaguarforschung aus den Sechziger Jahren gefahren. Der Pilot war kein geringerer als die deutsche Rennfahrerlegende Jochen Mass.

Vorschau – Goodwood Revival 2004
Der Jaguar bietet erstaunlich viel Platz, selbst für große Kerle – sofern man einmal drinnen ist. Die zierlichen Türen, das niedrige Dach und der Überrollkäfig machen Ein- und Ausstieg zu einer artistischen Darstellung. Der Fahrer wurde gebeten, die Drehzahlen niedrig zu halten (im Gegensatz zum Revial Meeting) sollte dies ein ruhiger Tag auf dem Track werden. Es ist dem fahrerischen Können von Jochen Mass zu verdanken, das wir trotzdem richtig gut in Fahrt gekommen sind und die ganze Strecke auch kaum an Geschwindigkeit verloren. Wir erreichen die erste Kurve, die Madgwick sehr schnell. Gleich folgt die erste Schikane, doch: Was ist das? Mass fährt eine sehr ungewöhnliche Linie und bevor man weiß wie einem geschieht, driftet Mass mit dem Wagen gekonnt durch die Fordwater-Kurve. Weiter geht es in Richtung St. Mary´s, dort angekommen runtergeschaltet und aus, dem zweiten Gang heraus beschleunigt ab in die 90 Grad Lavant-Kurve. Und schon ist der Spaß in der ersten Runde vorbei. Es folgt noch eine ebenso aufregende Runde. Diese Strecke mit einem Mann zu erleben, der seit den siebziger Jahren die besten Rennwagen dieser Welt gefahren ist, ist eine unglaubliche Erfahrung.

„Es gibt weltweit nichts Vergleichbares wie Goodwood“, sagt ein entspannter Jochen Mass. „Lord March setzt mit seinen Veranstaltungen Meilensteine in der Organisation. Die gesamte Veranstaltung ist einfach weltklasse.“ Der Werdegang als Rennfahrer begann für Mass beim Surtees-Team, für die er auch Formel-2-Wagenfuhr: „Die ersten Ford Capris haben richtig Spaß gemacht – ich kann mich noch gut an die Testfahrten hier in Goodwood erinnern, das war 1972!“ Auf die Frage was er von der modernen Formel-1 halte, antwortet Mass „Es ist nicht mehr das Gleiche wie früher. Die heutigen Rennfahrer sind eher wie Fußballspieler, sehr hohe Gehälter und professionelle Vermarktung. Man kann das sehr gut vergleichen mit David Beckham, ein sehr guter Fußballer, aber es ist nicht mehr der gleiche Sport.“


Jaguar Typ E 'CUT 7' hinter einem Aston Martin P212 in Goodwood

Der Zeitplan des Revivals wurde leicht geändert. Wertungsläufe finden nun nur am Samstag und am Sonntag statt. Am Freitag können die Teilnehmer Trainingsrunden drehen. Doch der Freitag in Goodwood ist auch Auktionstag, denn gegen 12:00 Uhr wird das Auktionshaus Bonhams Teile einer der bedeutendsten Automobilsammlungen – der Milligen-Sammlung verkaufen. Einen Vorbericht gibt es hier.

Das Hauptrennen um die „St. Mary´s Trophy“ wurde aus organisatorischen Gründen auf Samstag und Sonntag verteilt. Dieses Jahr dürfen nur Limousinen aus den 50er Jahren starten. Man wird Jaguar Mk VII, Austin Westminster und viele andere zu sehen bekommen. Rennfahrerlegende Sir Stirling Moss startet übrigens mit einem Armstrong Siddeley Sapphire.

Die Feierlichkeiten zu Ehren des „Royal Automobile Club TT“ sind die Hauptattraktion beim Revial Meeting 2004. Im Rahmen dieser Feierlichkeiten, findet ein Lauf für GT-Rennwagen statt. Ein besonderer Höhepunkt ist die Nachricht, das zwei originale Daytona Coupés und die Willment Cobra aus den USA eingeflogen werden, um am Rennen teilzunehmen. Und – als würde das nicht schon reichen – wird sich sogar der damalige Pilot der Cobra Bob Bondurant sich dem Rennen stellen.

Gerry Marshall wird diesen Austin-Healey 100S im Rennen um die 'Freddie March Trophy' fahren
Richard Sutton gibt Johnny Herbert ein paar Tipps. Seine reizende Beifahrerin ist Jo Olley von Bonhams

Das Revival-Treffen wäre nicht komplett, wenn nicht auch Vorkriegsrennwagen zeigen können, was in Ihnen steckt. Der Lauf dieser tollkühnen Kisten steht unter dem Patronat des British Automobile Racing Club. Viele der um die Goodwood-Trophy kämpfenden Klassiker sind schon in Brooklands gestartet. Neben den Richmond und Gordon Trophies werden noch fünf weitere Pokale vergeben.

Das Goodwood Revival-Treffen ist eine Zeitreise, zurück in das goldene Zeitalter des Rennsports. Wie jedes Jahr wird das Meeting unter ein bestimmtes Thema gestellt, dieses Jahr soll das Gelände einem Air Force Stützpunkt während des zweiten Weltkrieges nachempfunden werden. Der Eindruck, man befände sich in einer anderen Zeit, wird dadurch verstärkt, dass viele Besucher sich dem Thema gemäß kleiden werden

Susie Moss Jodie Kidd und Sir Stirling in Goodwood
Stars der Bonhams Auktion, der 1929 gebaute Mercedes-Benz 38/250 SSK, und 1955er Ferrari 750 Monza
Auch bei dieser Veranstaltung hält Lord March weiterhin an der neuen Politik des ausschließlichen Vorverkaufs fest. Somit können Besucher Eintrittskarten nur online oder telefonisch ordern. Während der Pressekonferenz im Vorwege der Veranstaltung lies Lord March verlauten, dass die Vorverkaufszahlen höchst zufriedenstellend seien. Classic Driver empfiehlt Interessierten eine Platzreservierung (grandstand seat). Denn bei dem zu erwartenden Trubel ist es immer gut einen Ausgangspunkt zu haben.


Sie können Eintrittskarten direkt unter der englischen Telefonnummer +44 1243 755 055 bestellen, oder Sie kaufen die Eintrittskarten im Online-Shop auf www.goodwood.co.uk

Text und Fotos: Steve Wakefield - Classic Driver


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