Viva Vaccarella – Die sizilianische Legende wurde in Goodwood 2003 mit dem Ferrari 312PB wiedervereint

Das Goodwood Festival of Speed wurde in diesem Jahr durch den Besuch von einem der wohl großartigsten italienischen Straßen-Rennfahrern geehrt. Nino Vaccarella, der seine Siege zuletzt in den Sechzigern und Siebzigern einfuhr, wurde in Goodwood nicht nur mit seinem damaligen Siegerwagen, dem Ferrari 312PB, wiedervereint, sondern hatte auch die Gelegenheit mit seinem besten Co-Piloten, Arturo Merzario, über den Asphalt zu jagen.

Wie vor mehr als dreißig Jahren hatte Vaccarella an diesem Sonntag in Goodwood immer noch sein flinkes und elegantes Auftreten. „Ja, ich mag Goodwood und es ist ein besonderes Vergnügen, so viele alte Freunde zu treffen und einige meiner damaligen Fahrzeuge zu sehen. Dies war der Wagen, den ich gemeinsam mit Arturo 1973 fuhr, der 1972 das Rennen mit Sandro Munari gewann - damals fuhr ich noch für Alfa Romeo. 1973 bat mich Cesare Fiorio (Lancias Sport Direktor) zu der Scuderia zurückzukommen. Arturo und ich galten als das einheimische Experten-Team. Zum Rennstall gehörten auch Jackie Ickx und Brian Redman, die den zweiten 312PB fuhren. Während der Testfahrten waren wir schneller, doch im Rennen hatte Arturo schon in der ersten Runde einen platten Reifen – mit einem Getriebeschaden mussten wir schließlich aufgeben.“

Nach diesem Schlusssatz verrieten seine Augen eine leichte Enttäuschung. Er verabschiedete sich und ging zu seinem 312PB zurück, der neben einer großen Ansammlung von Alfa 33TTs stand – einen der Alfas fuhr der winzige Merzario. Als Vaccarella im Auto saß sicherten die Mechaniker die Anschnallgurte und wollten ihm erklären, wie der Motor des 450 PS starken Rennwagens gestartet wird. Dies empfand Vaccarella wohl als völlig überflüssig - blitzschnell startete er das Auto, drückte den ersten Gang rein und fuhr mit laut aufschreienden Motor in Richtung Startlinie zu seinem „Demonstrations-Lauf“.


Arturo Merzario mit dem Ferrari 312PB von 1972

Targa Florio Legende, Nino Vaccarella

In einem späteren Interview wurde Vaccarella gefragt, ob ihn Goodwood an die damalige Targa erinnern würde. Daraufhin antwortete er: „Felswände und keine Absperrungen – ja, für etwa eine Meile kamen die Erinnerungen, aber sie müssen bedenken, dass sich das Rennen auf Sizilien über 11 Runden und insgesamt 800 Kilometern hinzog. Es war sehr schwierig sich die Strecke zu merken“

Jeder weitere Kommentar war überflüssig.

Editor’s Notes

Nino Vaccarella gewann die Targa Florio das erste Mal 1965 mit einem 330 P2-Werks-Ferrari. Obwohl er seit 1963 offizieller Werksfahrer für Ferrari war, fuhr er für das Team Count Volpi´s SSR in einem 250 GT SWB und einem GTO. 1964 teilte er sich mit John Surtees einen 275P, der den ersten großen Erfolg mit einem Sieg am Nürburgring einfahren konnte. Während der Sechzigerjahre ging Vaccarella sehr erfolgreich seiner beruflichen Karriere in Palermo nach und fuhr nebenbei weiter Rennen für Ferrari, Alfa Romeo und Porsche bei Klassikern wie Le Mans, Monza, am Nürburgring, Spa, Daytona, Sebring und natürlich der Targa. Er fuhr Ferraris wie der 250, 275 und 330P Serie, sowie den unvergesslichen 250 LM und P3/4, den Dino 166 und 206P, den Werks-512S sowie privat einen 512M. Für das Milanese Team war er 1968, 1969, 1971 und 1972 der wichtigste Fahrer im Kader. Dort fuhr er den Alfa Romeo T33 zunächst mit einem 2 Liter Motor, stieg aber 1971 auf die erfolgreiche 3 Liter Version um und konnte damit seinen letzten Sieg bei der Targa einfahren. 1966 fuhr er zum ersten und auch letzten Mal mit einem nicht-italienischen Auto, als er beim Nürburgring mit einem Porsche 917s an den Start ging.

Für viele Leute verkörperte er den italienischen Formel 1 Spezialisten überhaupt, der auf heimischen Boden in der Lage war jeden seiner Widersacher zu bezwingen. Doch all die Siege bei anderen großen Rennen belegen, dass seine Fähigkeiten noch weitaus größer waren und er auch international zur Elite gehörte. In Goodwood fuhr Nino Vaccarella einen Ferrari 312PB Prototypen von 1972. Mit einem F1 flat 12 Triebwerk hatte das Auto bereits im vorigen Jahr bei dieser Veranstaltung sein Debüt. Damals fuhr der Wagen gegen eine Macht in Form des Porsche 917s. Der Ferrari konnte mit den aggressiven Fahrkünsten der Formel Legenden Ickx und Regazzoni nicht mithalten und verlor das Rennen. Nach einer Regeländerung für die Autos von 1972, war Ferrari mit drei der acht Fahrzeugen erfolgreich. Ickx gewann allein sechs Rennen. Dieses spezielle Auto konnte 1972 mit Merzario/Redman die 1000 km in Monza gewinnen.

Der Ferrari 312PB, den Nino Vaccarella in Goodwood fuhr, wurde über viele Jahre von einem Ferrari-Spezialisten aus Hamburg betreut. Wenn Sie weitere Informationen über den Service dieses Unternehmens erfahren möchten, klicken sie bitte hier.

Text & Fotos: Steve Wakefield. Main Photo Roger Dixon - Copyright