Thonet A660 von James Irvine: Eine Frage des Stuhls

Jedes Design hat ein „!“ und ein „?“: Ja, es ist ein Stuhl! Aber sollte er so aussehen? James Irvine, ein Meister des Industriedesigns, hat diese Frage mit dem A660 neu beantwortet, ohne die Tradition des Hauses Thonet aus den Augen zu verlieren.

Einen Stuhl für die Firma Thonet zu entwerfen, kommt für einen Designer wahrscheinlich einem Ritterschlag sehr nahe - schließlich reiht man sich ein in die Liste illustrer Namen wie Marcel Breuer, Le Corbusier und Mies van der Rohe. Im Jahr 2004 kam der Brite James Irvine mit dem Thonet Stuhl A660 zum Zuge. Irvine wurde 1958 in London geboren und studierte am Royal College of Art, bevor er 1984 sein eigenes Designstudio in Mailand eröffnete. Canon, Artemide oder Whirpool, die Kundenliste von Irvine liest sich wie das who is who der Industrie. Dabei war er keineswegs auf einen Bereich festgelegt, sondern versuchte sich stets an neuen Herausforderungen, wie etwa an der Mercedes-Benz „City Bus“-Flotte, die er für die Stadt Hannover entwarf. Ob sein A660 als weiterer Designklassiker in die fast 200-jährige Firmengeschichte von Thonet eingeht wird? Only time will tell!

Thonet A660 von James Irvine: Eine Frage des Stuhls Thonet A660 von James Irvine: Eine Frage des Stuhls

Das Unternehmen Thonet wurde 1819 von Michael Thonet in Boppard am Rhein gegründet. Fürst Metternich erkannte damals das Talent und Potential von Michael Thonet und holte ihn nach Wien, wo er an der Ausstattung des Palais Lichtenstein, des Palais Schwarzenberg und des Café Daum mitarbeitete. Die wahre Revolution, die Thonet schließlich zum Weltunternehmen aufstiegen ließ, lag in der Technik des Biegens von massivem Buchenholz – und später von Stahlrohren. In Kombination mit industriell standardisierten Arbeitsschritten veränderte Thonet die Möbel-Industrie grundlegend. Das beste Beispiel für diese Synthese ist der Stuhl Nr. 14, besser bekannt als „Wiener Caféhaus-Stuhl“ - eine absolute Design-Ikone, die bis heute rund 60 Millionen mal verkauft wurde (Plagiate nicht inbegriffen).

Der A660 führt diese feine Bugholz-Tradition fort und verbindet sie mit moderneren Elementen aus Aluminum zu einem zeitlosen Ensemble. Die Form des Holzrahmens mutet äußerst dynamisch an, erinnert sogar entfernt an eine Rennstrecke, ohne jedoch aufdringlich zu sein. Irvine zufolge ist „die wahre Innovation in diesem Stuhl der aus einem Stück geformte Holzrahmen. Wenn man ihn ansieht, versteht man plötzlich, wie einfach dieser Stuhl ist.“ Einfachheit als höchste Form der Vollkommenheit also. Irvine hat den Stuhl für keinen spezifischen Ort entwickelt. Die Sitzfläche ist aus einem Polyster-Netz ergonomisch geformt und bietet hohen Sitzkomfort, der Sitz ist drehbar und mit oder ohne Armlehne erhältlich. Der A660 ist sowohl für Fortune 500 Konferenzsäle und Vorstandsbüros aber auch in Privatwohnungen eine stilsichere und visuell reizvolle Wahl. Ein Stuhl muss besessen werden können; dieses Model ab 800 Euro.

Text: Phillip Schlegel
Fotos: Thonet



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