Start der Jagdsaison: Jaguar Heritage Racing

Start der Jagdsaison: Jaguar Heritage Racing

Mit einem bemerkenswerten Auftakt verkündete Jaguar im Royal Automobile Club von London die Rückkehr in den historischen Rennsport. Unter dem neuen Label „Jaguar Heritage Racing“ werden noch in diesem Jahr klassische C-Type und D-Type Rennwagen bei der Mille Miglia, in Goodwood und am Nürburging als offizielle Werksteams an den Start gehen. XK- und E-Type Modelle flankieren weitere Rallye- und Renneinsätze. Classic Driver war beim Startschuss im RAC in London vor Ort.

Im Classic Driver Interview mit Jaguar-Markenchef Adrian Hallmark in Genf zeichnete sich die Rückbesinnung auf die historischen Wurzeln bereits ab, nun ist es offiziell: Pünktlich zum Saisonstart 2012 startet Jaguar seine neue Sparte „Jaguar Heritage Racing“ und nimmt damit offiziell mit einem eigenen Teamauftritt am historischen Motorsport teil. Unter Anwesenheit von Zeitzeugen und Renn-Haudegen wie Sir Stirling Moss verkündete das Führungsteam von Jaguar im königlichen Automobilclub von London an der Pall Mall den Startschuss. Frank Klaas, Kommunikationschef bei Jaguar Land Rover, gilt als Motor dieser neuen Initiative. Er sagte: „Zum ersten Mal seit den 1950er Jahren treten wir mit eigenen Werksteams und Fahrzeugen wie C-Types und D-Types bei den weltweiten Top-Events wie der Mille Miglia, in Goodwood oder auch beim AvD Oldtimer-Grand-Prix am Nürburgring an. Insgesamt planen wir rund 20 Concours-, Fahr- und Renneinsätze in 2012. Die Einsätze werden die fantastische und ruhmreiche Geschichte von Jaguar wieder erlebbar machen und Automobilenthusiasten begeistern.“ Auch der Concours d´Elegance in Pebble Beach steht hierbei auf der Agenda, genauso wie die beliebte E-Type Challenge auf verschiedenen Rennstrecken von Großbritannien.

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Passend zum besonderen Anlass fuhr die Heritage Abteilung einen klassischen British Racing grünen D-Type mit der auffälligen Heckflosse vor dem legendären Club-Gebäude an der Pall Mall nahe dem St. James Palace vor. Die Rotunde des RAC zierte ein wunderbarer C-Type in Pastellgrün. Es handelte sich hierbei um „XKC 005“ – jenes erste Rennauto mit Scheibenbremsen, welches Sir Stirling Moss in Reims 1952 zum Sieg fuhr. Nicht ohne Grund wählten das Team von Jaguar eben diese Fahrzeuge. In den späten 1940er Jahren zeigten bereits die XK 120 Sportmodelle, wozu sie imstande waren. Sie heimsten auf zahlreichen Rennstrecken Erfolge und Pokale ein. Jaguar-Gründer Sir William Lyons erkannte schnell, dass ein reinrassiger Jaguar-Rennwagen noch ganz andere Möglichkeiten bieten würde. So startete in 1950 ein geheimes Projekt, welches mit der Mechanik des XK 120 und einem neuen Rohrrahmen aus der Feder von Bob Knight den XK 120 C oder eben C-Type entstehen ließ. Dieses Auto wies einen 3,4-Liter Sechsyzlinder-Reihenmotor auf, der dank größerer Auslassventile, geschärfter Nockenwelle und leistungsfähigeren Vergasern über 200 PS leistete. Malcolm Sayer entwarf eine großartige Karosserie aus Aluminium, welche Kenntnisse aus der Luftfahrt aufgriff. Gleich bei seinem Debüt in Le Mans errang der C-Type mit Peter Walker und Peter Whitehead im Jahr 1951 den Sieg. Ein zweiter Triumph gelang im Jahr 1953.

Start der Jagdsaison: Jaguar Heritage Racing
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Der Jaguar D-Type setzte diese Erfolgsgeschichte fort. Er wies als erster Rennwagen eine ernstzunehmende Monocoque-Struktur auf. Das Prinzip gilt bis heute: An eine Cockpitzelle sind Hilfrahmen angeflanscht, welche die Aggregate aufnehmen. Das Design des D-Types ist bemerkenswert, ja spektakulär: Wiederum ließ sich Malcolm Sayer von den Gesetzmäßigkeiten der Aerodynamik leiten. Die Form folgte der Funktion – zugegeben, auf äußerst schöne und überzeugende Weise. Der ovale Lufteinlass in der Front, die Scheinwerfer unter Glas, die sensationell geschwungenen Kotflügel, die in den runden Karosseriekörper übergehen und das spektakuläre Heck mit den tiefen Radhäusern machen den D-Type zu einem extrem coolen und sexy wirkenden Rennwagen – noch heute, über 50 Jahre später. Der Reihensechszylinder brachte es in schärfster Auslegung auf rund 280 PS und so wundert es kaum, dass diese Design- und Rennikone die beinharten Rennen von Le Mans in den Jahren 1955, 1956 und 1957 in einem fulminanten Hattrick gewann.

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Neben Sir William Lyons, genialen Designern und Konstrukteuren wie Malcolm Sayer oder Bill Heynes trugen auch Testfahrer wie Norman Dewis oder Rennpiloten wie Duncan Hamilton oder Sir Stirling Moss zum Ruhm der Marke bei. Hamilton errang 1953 den fulminanten Sieg in Le Mans. Sir Stirling verdiente seine Sporen im XK und C-Type. Er stellte 1951 einen neuen Rundenrekord in Le Mans auf und wagte sich 1952 auf die legendäre Mille Miglia in einem C-Type mit Scheibenbremsen. Am Rande des Auftaktevents von Jaguar Heritage Racing konnten wir mit Stirling Moss ein Interview führen, welches Einblicke in die Tücken des damaligen Rennsports gibt.

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Das Jaguar Heritage Racing Programm wird von Classic Driver Händler und Workshop JD Classics mit Sitz in Maldon/Essex betrieben. JD Classics gilt als Qualitätsadresse im historischen Motorsport. Derek Hood, Direktor von JD Classics, sagt: „Klassische Jaguar-Sportwagen stellen seit Jahren den Kern unseres Geschäfts dar. Die Möglichkeit, nun mit Jaguar Heritage Racing zusammen zu arbeiten, ist einfach großartig. Wir werden alles dafür geben, dass sich Jaguar bei den anstehenden Events so spektakulär präsentiert, wie damals bei den originalen Rennen.“ Die Racing-Aktivitäten ergänzen im übrigen die zahlreichen Einsätze des Jaguar Heritage Trust, welche unverändert fortgesetzt werden. „So viel können wir heute schon sagen: Wir arbeiten auch mit Hochdruck an einer neuen Museumslösung für den gesamten Fahrzeugbestand von rund 150 klassischen Fahrzeugen“, gaben Mike O'Driscoll vom JDHT und Ken McConomy, Trustee bei Jaguar Heritage, in London Auskunft. Solange werden die teils einmaligen Fahrzeuge aus dem Jaguar Erbe unter anderem im British Motor Heritage Museum in Gaydon zwischengelagert.

Die Aktivitäten von Jaguar Heritage Racing starten am 17. Mai bei der diesjährigen Mille Miglia in Italien. Vom 10. bis zum 12. August steht der AvD-Oldtimer-Grand-Prix im Roadbook des Teams. Im Herbst folgt vom 14. bis zum 16. September das Goodwood Revival Meeting.

Klassische Jaguar-Rennwagen finden Sie im Classic Driver Marktplatz.

Text: Mathias Paulokat
Fotos: Jaguar