Sportwagenprojekt HBH: Technischer Workshop

Sportwagenprojekt HBH: Technischer Workshop

Die Story geht weiter: Vergangenen Monat kündigten wir einen neuen One-Off-Supersportwagen der dänischen Manufaktur HBH an. Den Grundstein soll ein Aston Martin V12 Vantage legen, der hier erstmals als Mittelmotorfahrzeug konzipiert ist. In diesem Artikel beleuchten wir das spannende Projekt von technischer Seite.

In einem Technikgespräch mit den HBH-Machern Jesper Hermann, Christian Brandt und Torben Hartvig, recherchierte Classic Driver die technischen Hintergründe des spannenden Projektes. „Einen komplett neuen Supersportwagen aus dem Nichts zu entwickeln, ist eine sehr kostenintensive Angelegenheit“, erklären die Männer von HBH unisono. Deswegen beispielsweise basiere der aufsehenerregende Glickenhaus Ferrari P4/5 auf dem Ferrari Enzo, der neue Lancia Stratos auf dem Ferrari F430 Scuderia.

„Wir hingegen haben uns den Aston Martin V12 Vantage als unseren Startpunkt ausgesucht. Und zwar aus Gründen von Design und Technik. Aus technischer Sicht, ist es aufgrund der modularen Bauweise recht einfach, mit dem Fahrzeug zu arbeiten. Dies ist wichtig, denn während der P4/5 oder auch der neue Stratos auf den Strukturen ihrer Spenderfahrzeuge aufsatteln, treiben wir den Aston noch eine Runde weiter.“ Das Fahrzeug wird zunächst bis auf die Fahrgastzelle komplett zerlegt. Von hier aus wird das Fahrzeug dann als Mittelmotorsportwagen mit Doppel-Turbolader neu aufgebaut. Während die Fahrgastzelle unberührt bleibt, soll das Außendesign modifiziert werden. „Wir entwickeln eine neue Front und ein neues Chassis im Heckbereich, welchen den V12-Motor in der neuen Position aufnehmen kann.“

Sportwagenprojekt HBH: Technischer Workshop

Erwartungsgemäß geschieht die Entwicklung nicht mehr am Reißbrett, sondern mit CAD-Software nach modernstem Industriestandard. „Im ersten Schritt wird ein präzises 3D-Modell entwickelt. Danach wird alles Weitere im CAD designt und auch getestet. Erst danach entsteht der Prototyp. Entsprechend der Fertigungstradition von Aston Martin werden die Aluminiumbleche jedoch von Hand geformt. Lediglich die erforderlichen Formen sollen mit Maschinenhilfe hergestellt werden“, so die HBH-Eigner.

Der Motor. Das ist der wohl anspruchsvollste Teil des gesamten Projektes. Es handelt sich hierbei um das Aggregat, welches bis 2010 sowohl in Straßen- wie auch in Le Mans Rennfahrzeugen zum Einsatz kam. Um absolute Höchstleistung abfordern zu können, haben die Dänen eine Doppelturbolader-Konstruktion entwickelt, die den Aston V12 druckbeatmet. „Ganz ähnlich dem 97er Vantage, welcher durch einen solchen Eingriff die maximale Leistung um über 150 PS auf weit über 600 PS steigerte. Und diese mittels manueller 6-Gang-Schaltung auf ein Transaxle-Getriebe leitete.“

Sportwagenprojekt HBH: Technischer Workshop

„Aufgrund der Tatsache, dass 95 Prozent des Innenraums vom Spenderfahrzeug kommt, bleibt das qualitative Erlebnis hinsichtlich Materialien gleich dem eines werksoriginalen Aston Martin“, berichten die Dänen. Entsprechend soll auch die technische Qualität ebenfalls an die des Spenders heranreichen. „Wir wollen uns bewusst von den Projekten unterscheiden, die sich nur auf Chassis und Motor konzentrieren und im Innenraum nachlassen. Wir denken, dass prospektive Kunden die höchste Qualität erwarten und fordern, sowohl außen wie innen. Denn dies ist kein Projekt für die Garage, sondern für die Straße. Daher konzentrieren wir uns in der Fertigung einfach auf das Fahrzeug als solches und nicht etwa um automatisierte Fertigungsstraßen und weltweite Vertriebswege. Das Produkt soll für sich sprechen und auch anspruchsvolle Aston Martin Kunden überzeugen.“ Es soll ein Meilenstein sein, der Sogwirkung auf die Szene ausübt.

Hinsichtlich der Kosten gibt man sich optimistisch. „Die werden im direkten Gespräch mit dem Kunden erörtert. Wir denken jedoch, dass der Preis nicht das ausschlaggebende Kriterium ist“, so die Dänen. Es mache einen Unterschied über „viel Geld“ oder „teuer“ zu sprechen. Schließlich erhalte der Kunde ein besonders Fahrzeug, welches sein Geld wert sei, da es weltweit Aufmerksamkeit auf sich lenken werde. Ein ambitionierter Kunde könne auch 50 Prozent der Design- und Produktionsrechte erwerben, um so seine eigene Kleinserie fertigen zu lassen. Das klingt – wie das ganze Projekt – ambitioniert.

Für mehr Informationen: www.hbhint.com

Text: Classic Driver (aus dem Englischen von Mathias Paulokat)
Fotos: Martin Bubandt, HBH