Smart Fourtwo: Sprinkled by Rolf Sachs

Der Smart nutzt nicht sein volles Potenzial – das zumindest findet der Schweizer Designer Rolf Sachs: „Das Konzept hinter dem Smart war von Anfang an höchst originell und ist es auch heute noch. Aber momentan wirkt er leider etwas steif und gesetzt. Der Smart sollte seine spassbetonte Seite entdecken und sich befreien.“ Auf dem Genfer Salon 2010 ist nun Rolf Sachs Smart Fourtwo Sprinkle Edition zu sehen.

Im Sinne der Kritik präsentiert sich die Sonderausgabe des Stadtflitzers alles andere als bieder: Wilde, bunte Farbspritzer und Handabdrücke geben dem Smart Fourtwo Sprinkle die Aura von Kunst und Kreativität. Auch im Innenraum bricht der Designer Sachs mit der zurückhaltenden Linie des Originals – fröhlich wurden Fellstücke, Farbspritzer und bunte Knöpfe kombiniert. Rolf Sachs selbst präsentiert sich auf dem Genfer Salon als energetisch, lebensfroh und voller Ideen. Es ist offensichtlich, dass ihn das simple und funktionale Konzept des Smart Fourtwo begeistert hat. „Der Smart verkörpert eben einen eigenen Lebensstil“, so Sachs, „wie ihn Maserati oder Ferrari auf ihre weise Verkörpern. Für mich sind all diese zweisitzigen Sportwagen allerdings völlig passé – ich möchte viel lieber neue, spannende Automobilkonzepte sehen, die auch praktisch sind: Vielleicht ein Wagen mit besonders großen Türen, in dem man einfach sieben Personen unterbringen kann. Ich würde gern wieder beides sehen: Funktion und Design.

Smart Fourtwo: Sprinkled by Rolf Sachs Smart Fourtwo: Sprinkled by Rolf Sachs

Sieht sich Rolf Sachs also als Designer oder Künstler? „Ich verstehe mich als Designer“, entgegnet Sachs, „allerdings nicht als Industriedesigner. Mir geht es darum, Objekte mit Emotion aufzuladen – und nicht ums Dekorieren. Die Franzosen haben ein treffendes Wort dafür: créateur. In meinem Studio in London arbeiten wir im Grenzbereich zwischen Design und Kunst. Oft nutzen wir bekannte Objekte und verwandeln sie in etwas Neues. Ich möchte Dingen gerne eine Seele geben. Möbelstücke etwa kommen oft recht seelenlos herüber. Mir würde es beispielsweise gefallen, einen Stuhl zu kreieren, der auf den ersten Blick aussieht wie ein Stuhl – aber wenn man ihn berührt, merkt man: er ist aus Stein.“

Smart Fourtwo: Sprinkled by Rolf Sachs Smart Fourtwo: Sprinkled by Rolf Sachs

Das Prinzip erinnert an die Einrichtung von Sachs eigenem Haus in St. Moritz, in dem verschiedenen dreibeinige Stühle eine Treppe bevölkern. Die Stuhlbeine sind unterschiedlich lang, so dass der Stuhl auf mehreren Stufen gleichzeitig stehen kann. „Oh ja“, antwortet Sachs, „diese Stühle stammen aus meinem früheren Internat. Ich habe den gesamten Essenssaal aufgekauft, das gesamte Mobiliar – und dann habe ich es verändert.“ Rolf Sachs hat für den Genfer Salon auch die Smart Lounge entworfen, in der wir das Gespräch mit ihm führten. Die uns umgebenden Wände waren mit den selben leuchtenden Farbspritzern und Handabdrücken übersäht, wie der Sprinkle-Smart. Alles hier verkörpert Vibration, Energie, Lebendingkeit – wie auch Sachs selbst.

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Momentan ist der Smart Sprinkle ein Einzelstück, doch möglicherweise wird es eine limitierte Edition der kunterbunten Kreation geben. Rolf Sachs scheint mit dem Kopf allerdings schon bei seinen nächsten smarten Ideen zu sein: „Wenn es ein Automobil verdient, unter Strom gesetzt zu werden, dann ist es der Smart.“ Sein Gesicht erhellt sich bei dieser Vorstellung. „Stellen Sie sich nur vor: Wenn man den Motor startet, leuchtet der gesamte Wagen auf. Und wenn man wieder anhält, wird es ganz langsam dunkel.“ Wie die Technik-Abteilung mit den Ideen des Créateurs mithalten soll, ist allerdings nicht ganz klar.

Text: Steve Wakefield
Fotos: Nanette Schärf


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