Schneller Kreisverkehr: Der Monaco-Streckenreport

„Eine echte Herausforderung!“ Das sagt Rennfahrerlegende Jacky Ickx gegenüber Classic Driver über den GP-Kurs von Monaco. Wir sind die 3,312 Kilometer im Mercedes SSK selbst nachgefahren und müssen zugeben: Recht hat er.

Der Rundkurs von Monaco zählt zu den absoluten Klassikern in der Motorsportwelt. Und das seit 1929, dem Jahr, in welchem der erste Grand Prix im Fürstentum an der Mittelmeerküste ausgetragen wurde. 1976 erhielt der Kurs ein Design, welches bis heute Gültigkeit besitzt. Sowohl für den Grand Prix Historique wie auch für die Formel 1. Die Strecke hat es in sich. La Rascasse, das Casino, der Fels sind nur einige der spektakulären Passagen. Es geht rauf und runter. Rein und raus – in Tunnel und Kurven. Die 3,312 Kilometer lange Strecke verlangt vom Fahrer volle Aufmerksamkeit. Denn Fehler verzeiht sie nicht. Hier ist unser Classic Driver Roadbook des legendären Stadtkurses...

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Die Start- Zielgerade fordert zunächst einmal nur eines: Vollgas voraus. Dann kurzes, aber beherztes Anbremsen. Nach rechts geht es in die erste Kurve, dem Place Saint-Dévote. Diese fällt etwas enger als früher aus, um die Autos langsamer zu machen. Von hier aus folgt der lange und leicht gewundene Anstieg Beau Rivage zum Massenet. Beim Beschleunigen wird das Material ans Limit gescheucht. Es folgt eine lange Linkskurve, die mit hohem Tempo gefahren werden kann. Aber Vorsicht: Auf der warmen Strecke geraten die Fahrzeuge schnell ins Schlingern. Jetzt hinein in die Rechtskurve. Das Casino. Nicht ablenken lassen und auf die Bodenwelle achten. Lastwechsel. Wirklich keine Zeit, den Ausblick zu genießen. Denn es geht mit Vollgas hinunter ins Gefälle. Links halten! Auf eine scharfe Rechtskurve zu: Mirabeau Haute. Die erste Haarnadelkurve mit leicht abfallender Straßendecke. Prädikat: anspruchsvoll.

Auf einem kurzen Stück schießt das Auto in die weltberühmte Loews Haarnadelkurve. Runter vom Gas! Bremsen! Wer hier zu schnell ist, den dreht es gnadenlos raus. Ein kurzes schnelles Stück führt zu einer doppelten Rechtskombination. Mirabeau Bas. Am Ende, dem Portier, ist maximale Beschleunigung angesagt. Es folgt das schnellste Stück, direkt an der Mittelmeerküste entlang. Doch Achtung! Auf der Hälfte der Strecke lauert der berüchtigte Tunnel. Eine langgezogene Rechtskurve. Wer hier nicht aufpasst, hat schnell intensiven Bandenkontakt. Für einige Teilnehmer des GPH das unerwartete Rennende.

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Wie ein Blitz blendet das Tageslicht am Ende des Tunnels. Die Drehzahl ist oben. Die Tachonadel weit rechts. Spätestens jetzt heißt es: in die Bremse steigen, denn die Chicane fordert moderates Tempo. Hier werden echte Könner mit wertvollen Zehntelsekunden belohnt. Weiter geht es mit hohem Tempo am Hafen entlang. Hinein in eine Linkskurve, in deren Scheitel die Yachten vor Anker liegen. Zwischen den Tribünen hindurch zum Swimming Pool. Wer meint, hier kurz entspannen zu können, begeht einen gravierenden Fehler. Denn die beiden Kurvenkombinationen, Piscine Panne Nord und Piscine Panne Sud, warten nur auf Unachtsamkeit. Wer heil durchgekommen ist, donnert über die Cale de Halage geradewegs auf La Rascasse beim Fahrerlager am Yachtclub zu.

Eine scharfe Rechtskurve. Und noch eine: Virage Anthony Noghes. Jetzt noch einmal auf das Gas gehen und auf die Zielgerade einfliegen. Auf dem geraden Stück kurz durchatmen. Es folgen die nächsten 3,312 Kilometer. Volles Adrenalin. Erfahrungen im Grenzbereich für Fahrer und Fahrzeug. Und das im sportlichen Wettbewerb mit einem ganzen Regiment ehrgeiziger Gentlemen Driver. Das ist Monaco! Am Rande: Rennfahrer Clay Regazzoni brauchte 1976 für die Strecke rund eine Minute und dreißig Sekunden. Und damit vermutlich so lange, wie Sie für das Lesen dieser Streckenbeschreibung. Sie sehen: So schnell ist Monaco.

Text & Fotos: Mathias Paulokat


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