The Royal Academy zeigt David Hockney: A Bigger Picture

The Royal Academy zeigt David Hockney: A Bigger Picture

Sieben Jahre war der wohl berühmteste britische Maler bei Wind und Wetter draußen, um in der Heidelandschaft der East Yorkshire Wolds die klassische Freiluftmalerei für sich neu zu entdecken. Einige dieser faszinierenden Bilder sind Teil der 150 Arbeiten umfassenden großen Hockney-Schau „A Bigger Picture“, die zur Zeit in der Londoner Royal Academy bewundert werden kann. Der bekannte britische Autor Simon de Burton hat sich für Classic Driver dort umgesehen....

David Hockney ist nicht nur der berühmteste britische Maler, vermutlich ist er einer der bekanntesten Künstler weltweit. Geboren im englischen Bradford, ist der Künstler, der in diesem Jahr seinen 75. Geburtstag feiert, vor allem durch die Vielfältigkeit seines Schaffens bekannt geworden. Seien es die gefeierten Swimmingpool-Bilder, die er während seiner kalifornischen Zeit in den Sechzigerjahren malte. Oder die sogenannten „Joiners“-Fotocollagen, die aus einem Mix von Polaroid-Abzügen entstanden. Er entwarf Bühnenbilder für das Festival in Glyndebourne und für das Mailänder Opernhaus La Scala genauso wie ein Bilderbuch, das seine Dackel feiert. Als einer der ersten etablierten Künstler entdeckte er in den Achtzigerjahren das Potential von computerbasierten Kunstprogrammen wie Quantel Paintbox – und vor einigen Jahren die iPad-App „Brushes“ für seine Arbeit.

Hockneys Kunst war immer auch einem größerem Publikum zugänglich und schuf so die Grundlage seiner Popularität. Als beispielsweise 2006 eine Ausstellung mit 150 Werken in der National Portrait Gallery in London stattfand, war diese zugleich die erfolgreichste Schau in der Geschichte dieser ehrwürdigen britischen Institution. Im selben Jahr versteigerte Sotheby´s das ikonische Schwimmbadbild „The Splash“ für umgerechnet 3,5 Millionen Euro.

The Royal Academy zeigt David Hockney: A Bigger Picture

Nun hat der Kette rauchende Maler-Star das sonnige Kalifornien für seine alte Heimat Yorkshire verlassen und lebt in der wenig glamourösen Umgebung des Städtchens Bridlington. Im Lauf der letzten sieben Jahre streifte er bei jedem Wetter durch diese spröde wie schöne Hochebene und nahm diese großartige Landschaft der East Yorkshire Wolds in einer Serie von Arbeiten in sich auf. „En plein air“ nannte man im 19. Jahrhundert diesen Aufbruch, als Künstler die Säle der Akademien und die Ateliers verließen, um sich an der frischen Luft inspirieren zu lassen.

Hockneys Wiederentdeckung dieser beinahe schon anachronistischen Haltung hat Hunderte, vielleicht sogar Tausende von Bildern hervorgebracht: Skizzen, Zeichnungen und Gemälde. Sie sind das Hauptstück der gut 150 Werke, die jetzt in der Royal Academy ausgestellt sind. Vermutlich dürfte sich auch diese riesige Schau zu einem Publikumsmagneten entwickeln. Riesig sind übrigens auch einige der Leinwände und die Ausstellung selbst. „The Bigger Picture“ erstreckt sich über 13 Räume der Academy, das größte Werk hat eine Breite von 15 Metern.

Diese Bilder beeindrucken nicht nur durch ihr fast raumsprengendes Format, sondern auch durch ihre faszinierende Farbigkeit. Diese Palette einfach kräftig zu nennen, greift zu kurz. Einige der Töne, die Hockney für die Abfolge der Jahreszeiten in der Heidelandschaft Yorkshires gefunden hat, sind geradezu psychedelisch farbtrunken. Manche Werke wie das sich über sechs Leinwände ausdehnende Bild der Woldgate Woods, das er im November 2006 malte, wirkt durch seine unwirklichen Farben, als wäre es nicht von dieser Welt.

The Royal Academy zeigt David Hockney: A Bigger Picture

Einige haben schon kritisiert, die Schau sei oberflächlich und kommerziell. Sie aber auch gesehen werden als Ausdruck eines Künstlers, dessen Oeuvre im Lauf von 50 Jahren in der Kunstszene so etwas wie einen Goldstandard geschaffen hat. David Hockney muss schließlich niemandem mehr etwas beweisen, außer, dass er nach wie vor seine Kunst liebt. Ich kann nur hoffen, dass ich von meiner eigenen Arbeit noch so begeistert sein werde, wenn ich in mein achtes Lebensjahrzehnt trete, und dass ich so aufgeschlossen gegenüber neuen Technologien bin wie Hockney. 51 Arbeiten hat er mit der Brushes-App auf seinem iPad geschaffen, sie dann auf Papier ausgedruckt und um ein Mehrfaches vergrößert.

Was der Betrachter zu sehen bekommt, ist ein unbekanntes Yorkshire wie man es noch nie gesehen hat. Lassen Sie sich inspirieren, besuchen Sie die Ausstellung!

„David Hockney – A Bigger Picture“ ist noch bis zum 9. April in der Royal Academy in London zu sehen. Weitere Informationen zur Ausstellung und der Royal Academy erhalten Sie unter www.royalacademy.org.uk.

Text: Simon de Burton (aus dem Englischen von Alexandra Felts)
Fotos: Richard Schmidt (1,2,3),